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am 9. Februar

Von acht Euro Krankengeld kann niemand leben

Matthias Köchl - Kranksein wird für Selbstständige teurer. EinzelunternehmerInnen brauchen dringend einen besseren Schutz.

10 Euro pro Tag - im Krankheitsfall

Was nach einem schlechten Faschingsscherz klingt, ist seit Jahresbeginn 2017 tatsächlich Realität: Wer selbstständig ist und pro Monat 500 Euro Einkommen daraus bezieht, muss im Krankheitsfall mit 10 Euro Krankengeld pro Tag auskommen - denn das Mindestkrankengeld von 29,23 Euro wurde per 1.1.2017 gestrichen (in der SVA Zusatzversicherung).

Damit nicht genug: Der Mindestbeitrag, also das, was Selbstständige monatlich einzahlen müssen, wurde gleich belassen - 30,77 Euro. Das heißt: Verdient man als Selbstständige/r 500.- pro Monat, zahlt man 7,65 Prozent für die normale Krankenversicherung und zusätzlich 6,15 Prozent dafür, dass man das klägliche Krankengeld ab dem vierten (statt normal dem 43. Tag) bekommt. Macht zusammen 13,8 Prozent - fast doppelt so viel wie z.B. Angestellte oder freie DienstnehmerInnen von ihrem Bruttoeinkommen abgeben müssen. Die Zusatzversicherung ist für viele Selbstständige überlebenswichtig - denn hat man sie nicht, wird das Krankengeld erst nach 43 Tagen ausbezahlt. Sechs Wochen ohne Einkommen - das treibt geringverdienende Selbstständige in den Ruin.

So teuer kommt die Zusatzkrankenversicherung

Im Jänner 2017 erhielten Selbstständige, die eine Zusatzkrankenversicherung im Rahmen des Gewerblichen Sozialversicherungsgesetzes (GSVG) in Anspruch nehmen, folgenden Brief.

Selbständige wurden mit diesem Brief der GSVG über Kürzungen informiert
Dieser Brief landete im Jänner im Postkasten vieler Selbständiger

Was bedeutet das?

Zuallererst einmal kräftige Abstriche zum bisherigen System. Das Mindestkrankengeld von bisher 29,23 Euro pro Tag wird auf 8,51 Euro herabgesetzt – eine Kürzung um 70 Prozent. Hinzu kommt: Die Ausbezahlung des Krankengeldes erfolgt erst nach 43 Tagen – also nach etwa sieben Wochen.

Das neue System der GSVG
„Ich lade WKO-Präsident Leitl ein, eine dreiwöchige Grippe ohne Entgeltfortzahlung und Krankengeld durchzumachen und zu schauen, wie es sich ohne einen Cent so lebt.“
Matthias Köchl, Sprecher für Selbstständige, Die Grünen

Wer ist betroffen?

Betroffen sind all jene Selbstständigen, die weniger als 1230,- Euro pro Monat verdienen: Sie zahlen mehr als 2,5 Prozent in die Zusatzkrankenversicherung ein: Im Fall eines Einkommens von 500,- Euro z.B. 6,15 Prozent zusätzlich zu ihren 7,65 Prozent aus der "normalen" Krankenversicherung. Wir schätzen, dass dies rund die Hälfte der Selbstständigen betrifft: denn 50,3 Prozent der Selbstständigen verdienen weniger als 10.000 Euro im Jahr (netto) oder so wenig, dass keine Daten vorliegen. Für diese Gruppe war es schon bisher schwierig, die Zusatzversicherung zu bezahlen - aber wenigstens hatten sie eine gewisse Absicherung. Nun aber heißt es: Viel einzahlen - wenig rausbekommen. 

In allen anderen Fällen ändert sich nichts. Gekürzt wird also nur bei Selbstständigen mit geringem Einkommen, den KleinstunternehmerInnen. Viele davon sind echte Start-ups, die Bundeskanzler Kern ja eigentlich fördern und nicht schröpfen wollte. Siehe dazu den Endbericht "EPU Grundlagenforschung".

Das wollen wir Grüne

Die Belastung der schwächsten Selbststständigen durch die Abschaffung des Mindest-Krankengeldes bei gleichzeitiger Beibehaltung der Mindestbeitragsgrundlage ist nicht der richtige Weg. Als Ergebnis bleibt, dass geringverdienende Selbstständige drei Mal so stark belastet werden wie ihre besser verdienenden KollegInnen. Die Grünen wollen daher:

  • die Vereinheitlichung der verworrenen Sozialversicherungslandschaft - siehe dazu die Grünen Vorschläge
  • die Wartezeit aufs Krankengeld verkürzen: 43 Tage sind zu lang. Eine Orientierung am Krankengeld für freie DienstnehmerInnen – sprich ab dem vierten Tag – wäre ideal.

Unser Sprecher für Selbstständige stellte dazu eine parlamentarische Anfrage (siehe Download-Box rechts).

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