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am 22. August 2016

Geplante Obsoleszenz: Produkte mit Ablaufdatum

- 22 Kilo Elektroschrott häuft jeder Mensch in Österreich pro Jahr an – eine riesige Menge, deren Ursache einen Grund hat: Geplante Obsoleszenz, das in Produkte eingebaute Ablaufdatum. Was das ist und woher das kommt.

Geplante Obsoleszenz – was ist das?

Wer kennt das nicht: Plötzlich funktioniert der Drucker ohne ersichtlichen Grund nicht mehr, die Glühbirne geht auf einmal ein oder das Handy reagiert von heute auf morgen nicht mehr. Einfach nur Pech? Unsachgemäße Behandlung des Geräts? Oder steckt mehr dahinter – etwa "geplante Obsoleszenz“, also vom Hersteller ins Produkt eingebaute Schwachstellen, die die Nutzungsdauer von vorneherein begrenzen. Und VerbraucherInnen viel zu früh zu Neuanschaffungen zwingen. Was in erster Linie ein kostspieliges Ärgernis für KundInnen darstellt, ist eine Belastung für die Umwelt und eine Verschwendung wertvoller Ressourcen. 

Es gibt MEHRERE Arten von geplanter Obsoleszenz:

  • Technische Obsoleszenz: Zum Beispiel Software-Updates für Betriebssysteme können Smartphones oder Navigationsgeräte unbrauchbar machen.
  • Qualitative Obsoleszenz: Eingebaute Zähler machen nach Erreichen des (heimlich) voreingestell​ten Limits Drucker unbrauchbar. Eingebaute Sollbruchstellen machen nach einiger Zeit Autoreifen unbrauchbar. 
  • Psychologische Obsoleszenz: Ein älteres Produkt ist noch voll funktionsfähig, z.B. Röhrenfernseher, Monitor oder PC, aber aufgrund seines altmodischen Aussehens und Image-Werbung für die neuesten Produkte will man das Produkt nicht mehr haben.

165.000 TONNEN ...

... Elektro- und Elektronikgeräte 
​wurden 2014 in Österreich verkauft.

78.000 TONNEN ...

... Elektroschrott allein im Jahr 2014 gesammelt.

Berg aus Elektroschrott.
Bergeweise Elektroschrott werden Jahr für Jahr angehäuft

Warum gibt es geplante Obsoleszenz?

Für die Industrie gibt es einige Gründe, die Lebensdauer ihrer Produkte zu verringern. Zum einen sind gesättigte Märkte ein Grund. Wenn eine Waschmaschine ein lebenlang haltbar wäre, würde niemand mehr eine neue kaufen. Aber: Wie kann es sich ein Unternehmen überhaupt leisten, Produkte zu produzieren, die zu schnell kaputt gehen? Die Antwort ist: Indem es für KundInnen immer schwieriger wird, sich über Produkte gut zu informieren. Denn Angaben über die Haltbarkeit und Lebensdauer von Produkten gibt es nicht. Stattdessen werden KonsumentInen mit Hochglanzdarstellungen aus der Werbung in die Irre geleitet. Und die schleichende Reduktion der Haltbarkeit fällt ohne langjährige Vergleiche nicht weiter auf.

22,1 Kilo Elektro-
​schrott 

... häuft jeder Österreicher, jede Österreicherin in nur einem Jahr an.

3,5 Kilo SILBER

350 GRAMM GOLd

150 GRAMM 
​PALLADIUM 

4 GRAMM PLATIN

... können aus einer Tonne Handys – etwa 10.000 Geräten ohne Akku –
​bei sachgemäßem Recycling zurück-gewonnen werden. 

Woher kommt die geplante Obsoleszenz?

Die Geschichte der vorsätzlich verkürzten Produktlebensdauer geht weit zurück ins frühe 20. Jahrhundert. Der wahrscheinlich erste Fall kommt aus der amerikanischen Autoindustrie: Henry Ford produzierte in den 1920er Jahren den robusten Ford Model T, ein langlebiges und hochwertiges Auto. Der Hauptkonkurrent damals war General Motors (GM). Der jedoch setzte statt Ford auf Design und schnelle Modezyklen, wollte aus dem Auto ein Lifestyleprodukt machen. O-Ton eines führenden GM-Managers: "Our big job is to hasten obsolescence." Mit dieser Strategie wollte man VerbraucherInnen dazu bringen, alle drei Jahre ein neues Auto zu kaufen. Ein Plan, der aufging. 

Bekanntestes Beispiel ist die Glühbirne: 1924 verringerte das PHOEBUS-Glühbirnenkartell vorsätzlich die Lebensdauer von Glühbirnen von etwa 2.500 Stunden auf 1.000 - was zur Folge hatte, dass ab dem Ende der 1920er Jahre etwa 400 - 600 Millionen Glühbirnen pro Jahr mehr und damit eigentlich unnötig produziert wurden. Übrigens: Im US-amerikanischen Städtchen Livermore wurde im Jahr 1901 eine Glühbirne angemacht - sie leuchtet bis heute!

„Aus den elf Millionen Handys, die in Österreich ungebraucht in Schubladen herumliegen, ließe sich Gold im Wert von zehn Millionen Euro herausholen.“
Markus Meissner, Abfallwirtschaftsexperte am ÖÖI

.... und was kann man gegen geplante Obsoleszenz tun?

Der Widerstand gegen die Wegwerfgesellschaft wächst und wächst. Mittlerweile beschäftigen sich nicht nur UmweltschützerInnen mit diesem Thema. Weltweit arbeiten sie gemeinsam mit JournalistInnen, WissenschaftlerInnen, DesignerInnen und vielen AktistivInnen zusammen, um gegen die wachsenden Müllberge in den Industriestaaten aktiv vorzugehen – von Lobbyarbeit in Politik und Wirtschaft über Entwicklung nachhaltiger Produkte und -Herstellungsprozesse bis hin zu Reparaturnetzwerken.



11 DONAUKRAFT- 
​WERKE

... müssen ein Jahr lang die Energie produzieren, die für den geplanten Verschleiß notwendig ist. Das sind 41 Petajoule!

eine lösung: REPARIEREN STATT WEGWERFEN!

Das Internet und die digitale Vernetzung hilft dabei sehr. Auch in Österreich gibt es mittlerweile eine gut vernetzte Recyclingszene, die im europäischen Vergleich Vorbildcharakter hat. 

Alles Mist? Müll vermeiden
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