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am 17. August 2016

Aktion Abfall: Wege zu weniger Müll

- 1,6 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle werden jährlich in Österreich verbrannt. Jetzt will auch noch Rom seinen Müll in Österreich verbrennen. Dabei müssen wir mehr Müll vermeiden als verbrennen!

„Österreich darf langfristig nicht die Müllkippe Italiens werden.“
Christiane Bruner, Grüne Umweltsprecherin

Rom will seinen Müll in Österreich und Deutschland entsorgen lassen: Geplant sind rund 500 Tonnen römische Siedlungsabfälle – pro Tag. Unsere Umweltsprecherin Christiane Brunner, Vorsitzende des paramentarischen Umweltausschusses, ist nicht einverstanden: „Das wären im Jahr mehr als 180.000 Tonnen. Ungefähr so viel wie die Jahreskapazität einer mittleren Müllverbrennungsanlage.“ Hinzu kommt, dass Österreich in den letzten Jahren ohnehin schon zigtausende Tonnen Abfälle von Nachbarländern entsorgt - sprich: verbrannt - hat. Die österreichischen Müllverbrennungsanlagen sind also bereits bestens ausgelastet.

139.000 Tonnen müll aus dem ausland

„Ich habe Umweltminister Rupprechter über Müllimporte nach Österreich befragt. Im Jahr 2014 genehmigte er demnach 49 Müllimporte mit insgesamt 139.000 Tonnen. Letztes Jahr waren es 36 Importgenehmigungen mit insgesamt 99.000 Tonnen“, so Brunner. Die Abfälle aus Italien, Deutschland und Slowenien werden mit LKW und Bahn transportiert und haben Transportwege von bis zu 600 Kilometer hinter sich. Brunner: „Auch wenn der italienische Müll für unsere Entsorgungsunternehmen ein gutes Geschäft sein mag, appelliere ich an alle Verantwortlichen, das Nähe-Prinzip in der Abfallwirtschaft endlich ernstzunehmen und Abfälle nicht quer durch ganz Europa zu kutschieren und sie dann erst recht zu verbrennen.“

Unsere Umweltsprecherin Christiane Brunner zeigt einen Weg zu weniger Müll: die Mehrwegflasche

weg von der wegwerfgesellschaft!

Die natürlichen Ressourcen unseres Planeten sind begrenzt und wertvoll. Und doch leben wir in einer Wegwerfgesellschaft. Wir gehen mit den Ressourcen von Mutter Erde so sorglos um, als seien sie unerschöpflich. Dabei gibt es eine funktionierende Abfallwirtschaft mit EU-weit gültiger Richtlinie:

  • Abfallvermeidung und die „Vorbereitung zur Wiederverwendung“ sind die obersten Gebote: Produkte mit einer möglichst langen Lebensdauer, einfach zu reparieren oder wiederzuverwenden, sind der größte Beitrag zur Ressourcenschonung.
  • Recycling ist ein wichtiger Bestandteil der so genannten Kreislaufwirtschaft. Hierbei wird versucht, Rohstoffe so lange wie möglich im Wirtschaftskreislauf halten. 
  • Verbrennung ist das letzte Mittel in der Abfallverwertungskette. Während bei der Verbrennung wenigstens der Energiegehalt eines Rohstoffes genützt wird, ist die Deponierung die sinnloseste Ressourcenverschwendung. In Österreich ist sie für Siedlungsabfälle mittlerweile verboten.

die realität sieht anders aus ...

... und entspricht leider nicht immer den EU-Vorgaben. Vor allem Verpackungs-Abfälle werden immer mehr. Außerdem können Produkte im Vergleich zu Früher immer schwerer repariert werden. Wertvolle Ressourcen werden lieber verbrannt anstatt per Recycling im Kreislauf gehalten zu werden. Die Verantwortung dafür tragen aber nicht nur Wirtschaft und KonsumentInnen, sondern vor allem die Politik, die nicht die geeigneten Rahmenbedingungen und Anreize im Sinne der Abfallhierarchie geschaffen hat.

"Alles Mist?!" - Wege zu weniger Müll. Zur Schwerpunkt-Website

Schon gewusst? MÜLL IN Zahlen & Fakten

500 Kilo 

... etwa so viele Abfälle wirft durchschnittlich jeder Mensch in Österreich pro Jahr in den Mistkübel, davon auch viele Lebensmittel (siehe unten). Das geht aus dem aktuellen Statusbericht des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft hervor, Tendenz steigend: Seit 2009 ist das Abfallaufkommen um 7 Prozent gestiegen. Lag es im Jahr 2012 noch bei 477 kg pro Person, warf jedeR ÖsterreicherIn bereits 488 kg Abfall weg. Einer der Gründe liegt laut einer Anfragebeantwortung von Umweltminister Rupprecher in der Veränderung des Konsumverhaltens. So greifen beispielsweise immer mehr Menschen zu Fertigprodukten.

Müllverbrennung Wien, Foto: Luke1ace, Creative Commons
Die Hundertwasser-Müllverbrennungs-anlage in Wien ist zwar schön, wir Grüne setzen dennoch auf Müllvermeidung statt -Verbrennung

1,6 millionen Tonnen

... Haushaltsmüll wurden in Österreich allein im Jahr 2014 in den Müllverbrennungsanlagen verbrannt. Das sind rund 40 Prozent aller Haushaltsabfälle. Aber: Wir brauchen mehr Recycling und weniger Verbrennung! Wertvolle Rohstoffe müssen länger in Wirtschaftskreisläufen gehalten und nicht nach einmaligem Gebrauch bereits in die Müllverbrennungsanlage geführt werden. Doch es gibt erfreulicherweise Tendenzen in die richtige weil umweltschonendere Richtung. So wird derzeit auf EU-Ebene ein Recyclingziel von bis zu 75% bis zum Jahr 2030 diskutiert. 

157.000 Tonnen 

... Lebensmittel werfen Österreichs Haushalte im Jahr weg – allein jedeR WienerIn rund 40 Kilogramm jährlich. Dabei ließe sich das Wegwerfen von Lebensmitteln bei rechtzeitigem Verzehr, ordnungsgemäßer Lagerung oder durch verbessertes Haushaltsmanagement durchaus vermeiden. Die Gründe hierfür liegen oftmals in der falschen Einkaufsplanung sowie in der falschen Lagerung oder Aufbewahrung von Lebensmitteln. Denn viele Menschen wissen nicht mehr, wie man Lebensmittel richtig lagert und wie man deren Qualität feststellen kann. Viele verlassen sich zu sehr auf das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Dabei sind die meisten Lebensmittel auch nach Ablauf des Verfallsdatums noch genießbar. 

Weggeschmissenes Obst und Gemüse
Für die einen ist es Abfall, für die anderen reiche Ernte: "Dumpster" oder "Waste Diver" kochen Köstliches mit weggeschmissenen Lebensmitteln
Plastikinsel statt Donauinsel

113.000 Tonnen

... Siedlungsabfälle aus Italien, Slowenien und Deutschland werden außerdem in Österreich verbrannt – zusätzlich zu den bereits genannten 1,6 Millionen Tonnen österreichischen Mülls. In einigen Fällen wurden die Abfälle bis zu 600 Kilometer weit transportiert, um in unseren Müllverbrennungsanlagen oder anderen Mitverbrennungsanlagen (beispielsweise Zementwerken) verbrannt zu werden. Auf Kosten der Umwelt, Stichwort CO2-Bilanz.

Ist das erlaubt? 

Grundsätzlich leider ja. Allerdings gibt es im Abfallgesetz das so genannte Näheprinzip. Dieses besagt, dass Abfall in der nächstmöglichen Anlage entsorgt werden muss. Offenbar scheint "Nähe" jedoch ein dehnbarer Begriff zu sein. Ob also auch der berüchtigte Müll aus Neapel dabei ist? Zwar ist die süditalienische Metropole knapp 1300 km entfernt; allerdings könnte der Müll zuerst innerhalb Italiens transportiert werden, um diesen dann nach Österreich weiterzuleiten. Möglich ist alles, wenn viel Geld im Spiel ist. Denn Müll ist ein handelbares Gut – und somit ein lukratives Geschäft.

78.000 Tonnen

... Siedlungsabfälle exportierte Österreich im Jahr 2015 via LKW und Bahn ins Ausland. Und das auf Strecken bis zu 640 km Länge. Leider wird aber auch fleißig Müll aus dem Ausland nach Österreich importiert: 139.000 Tonnen im Jahr 2014 und 99.000 Tonnen 2015. Umweltfreundlich ist diese Variante der Müllentsorgung sicher nicht. Aber oft ist der Export des heimischen Mülls in andere Länder billiger als die umweltgerechte Entsorgung – man nehme nur den Export von Elektroschott nach Afrika. Und so lange das so ist, wird weiter exportiert.

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AKTION ABFALL

Weniger Müll – mehr Recycling!

Wir Grüne haben ein Ziel: Weniger Müll – mehr Recycling. Deshalb starten wir ab sofort unsere "Aktion Abfall": In den nächsten Wochen werden wir uns Österreichs Abfall und dessen Entstehung, Entsorgung und Vermeidung einmal genauer anschauen – von geplanter Obsolezenz bis Recycling, Littering bis Waste Diving, Mikroplastik bis Mehrwegflasche und exportiertem Elektroschrott bis zum Reparaturcafé. Mit vielen nützlichen Tipps und jeder Menge Infos, wie jedeR ÖsterreicherIn weniger Abfall produzieren kann.

"Aktion Abfall" - Wege zu weniger Müll. Zur Schwerpunkt-Website

Alles Mist? Müll vermeiden
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