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am 21. November 2012

Grenzenloser Einsatz

Die Redaktion - Lazar Bilanović kam nicht als Gastarbeiter und wurde doch zu einem. Geblieben ist er als politischer Kopf.

Lazar Bilanović sitzt an seinem persönlichen Wohlfühlort, dem Gastgarten des Restaurants „Zum Basilisken“ im ersten Bezirk in Wien. Der Pensionist blickt auf ein bewegtes, europäisches Leben zurück. In Belgrad geboren zwischen zwei großen Flüssen, Donau und Save, in einem multiethnischen Teil im damaligen Jugoslawien. Er fühlte sich, wie er es ausdrückt, nicht nur als junger Jugoslawe, sondern auch als Bewohner dieses Planeten. Und als dieser wollte er seine Grenzen erweitern. Dieser Wunsch führte ihn im Jahr 1968 nach Wien. Die Bedingungen waren schwierig: teure Substandard-Wohnungen, Toilette am Gang. Es gab zwar Arbeit, aber die Bezahlung war schlecht.

Das große Ganze

Lazar Bilanović kam nicht als „Gastarbeiter“ nach Wien, aber er verstand und versteht ihre Lage. Und damals wie heute ist er politisch aktiv. Das merkt man auch: Er redet viel über Politik und das große Ganze, bei sich selbst wird er eher schweigsam. Bilanovic setzte sich für die Rechte derer ein, die ganz unten waren und nicht sprechen durften. Dabei stieß er häufig auf taube Ohren. In den 1990er Jahren gründete er mit parteipolitischer Unterstützung das Migrantenforum, das den Marginalisierten eine Plattform geben sollte. Die Beschäftigung mit den Themen Migration – Integration – Assimilation – Ghettoisierung in der Öffentlichkeit war bitter notwendig, um die Lage der MigrantInnen zu verbessern. In unzähligen Gesprächen mit PolitikerInnen kämpfte Bilanović für den Anspruch von ausländischen Arbeitern auf Sozialhilfe oder das aktive Wahlrecht für die Arbeiterkammerwahl. Vom österreichischen Staat bekam das Migrantenforum keine Unterstützung. Dafür gab es einen regen Erfahrungs- und Gedankenaustausch mit NGOs.

Politik für MigrantInnen

Auch sonst war der freundliche ältere Herr mit dem Schnurrbart umtriebig: Er war für den jugoslawischen Dachverband als Obmann für Kultur tätig, wagte Ausflüge in die Gastronomie und kandidierte bei Wahlen als unabhängiger Kandidat. Noch immer ist Herr Bilanović damit beschäftigt seine Grenzen zu erweitern, über die Globalisierung nachzudenken und sie auch zu leben. Er hat die Hoffnung auf eine Politik, die für MigrantInnen arbeitet, nicht aufgegeben. In seiner politischen Vision werden eines Tages MigrantInnen völlig selbstverständlich in den österreichischen Institutionen sitzen. Und auch privat hat er Hoffnungen: in seinen Enkelsohn.

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