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am 21. November 2012

Die Sprache der Migrantinnen sprechen

Die Redaktion - Der Verein Peregrina bietet Migrantinnen psychologische Beratung und berät sie in Sozial- und Bildungsfragen. Gamze Ongan aus dem Leitungsteam stellt die Organisation vor.

Der Verein Peregrina wurde im Jahr 1984 gegründet. Nach 28 Jahren Engagement ist er heute als ein Bildungs-, Beratungs- und Therapiezentrum für Migrantinnen tätig. Das Ziel: Begleitung und Unterstützung von Frauen mit Migrationsbiografien bei der Bewältigung ihrer rechtlichen, psychischen und sprachlichen Lebenssituation in Österreich. Peregrina arbeitet mit Frauen, die nach Österreich zugewandert sind oder zuwandern mussten. Als Arbeitnehmerinnen, als Familienangehörige, als Flüchtlinge. Klientinnen aus über 70 Herkunftsländern nehmen die Angebote in Anspruch; wir sprechen mit ihnen in zehn verschiedenen Sprachen. Diese Frauen sind weniger Opfer ihrer „mitgebrachten Kulturen“, wie so oft behauptet wird. Wir wissen aus der Beratungstätigkeit: Sie leiden vielmehr unter den vorgefundenen rechtlichen Strukturen und der gesellschaftlichen Ablehnung.

Eine dauernde potenzielle Krisensituation

Ein multiprofessionelles Team – bestehend aus Psychologinnen, Pädagoginnen und Sozialarbeiterinnen sowie einer Juristin – ist bei Peregrina mit psychologischer Beratung, Rechts- und Sozialberatung sowie Bildungsberatung betraut. Aus psychologischer Sicht ist Migration eine dauernde potenzielle Krisensituation. Viele Migrantinnen sind Stressfaktoren ausgesetzt, die das Auftreten von psychischen Krankheiten begünstigen oder provozieren. Daher ist das Angebot kostenloser muttersprachlicher psychologischer Beratung und Therapie für unsere Zielgruppe von großer Bedeutung. Die Rechts- und Sozialberatung befasst sich u. a. mit den Themen Aufenthaltsrecht, Familienzusammenführung, Scheidung und Obsorge sowie immer öfter mit finanziellen Notsituationen und Armut. In der Bildungsberatung arbeiten wir v.a. gegen die Dequalifizierung von Migrantinnen. Dagegen, dass Rechtanwältinnen putzen und Atomphysikerinnen als Pflegekräfte arbeiten müssen. Das kommt leider nicht selten vor. Nicht zuletzt führen wir Basisbildungskurse durch – kostenlos und mit Kinderbetreuung. Erst die Kinderbetreuung vor Ort ermöglicht vielen Frauen überhaupt den Besuch einer Bildungsmaßnahme. Vorbereitungskurse und Prüfungen für das Österreichische Sprachdiplom gehören ebenso zum Peregrina-Angebot.

Diskriminierungsstrukturen aufzubrechen

Der  frauenspezifische Beratungs- und Behandlungsansatz von Peregrina schenkt Migrations-, Flucht- und Rassismuserfahrungen große Beachtung. Wegen ihrer besonderen rechtlichen Stellung und aufgrund sozialstruktureller Ungleichheiten sind Migrantinnen in der schulischen und beruflichen Erstausbildung weniger erfolgreich und in der Erwachsenenbildung unterrepräsentiert. Ein Großteil der zugewanderten Frauen ist in Sektoren mit geringem sozialen Prestige, hoher Arbeitsplatzunsicherheit, niedrigen Löhnen und geringen Aufstiegschancen beschäftigt. Das Ziel, diese Diskriminierungsstrukturen aufzubrechen, mit den Klientinnen gemeinsam Strategien zu erarbeiten, um deren Handlungsspielraum zu erweitern, bedarf einer ganzheitlichen Herangehensweise, wie sie in Peregrina laufend weiterentwickelt wird. Als gemeinnütziger Verein erfolgt die Finanzierung von Peregrina zum überwiegenden Teil aus öffentlichen Mitteln.

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