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am 14. November 2012

Dauerbrenner Integration

Alev Korun - Was bei der Integration schief gelaufen ist, fragen sich immer wieder viele. Viel zu lange haben die Einwanderer und die Mehrheitsgesellschaft geglaubt, dass ArbeitsmigrantInnen nur vorübergehend hier wären und nicht auf Dauer.

Spätestens ab den 1970er Jahren hätte man wissen müssen, dass viele der ArbeitsmigrantInnen bleiben werden. Denn ab diesen Tagen haben viele ihre Familien nachgeholt. Man holt die Familie nicht nach an einen Ort, wo man ein, zwei Jahre bloß Geld verdienen will. Trotzdem ist die Illusion Jahrzehnte lang aufrecht erhalten worden, diese Menschen seien „Gastarbeiter“. Mit allen negativen Konsequenzen: keine leistbaren Deutschkurse, keine Integrationsprogramme, keine Wohnpolitik, die „ethnische“ Konzentration verhindert und auf eine – auch soziale – Durchmischung hinarbeitet, kein Plan für gleiche Rechte UND gleiche Pflichten.

Vergangenheit war gestern - die Zukunft beginnt jetzt!

Nun, fast 50 Jahre nach den ersten „jugoslawischen“ und türkischen „Gastarbeitern“, haben wir die Probleme, die wir haben. Aber - was selten erwähnt wird - auch ein großes Potenzial, das einfach brach liegt und Österreich entgeht, wenn Menschen ihre mitgebrachten Qualifikationen nicht einsetzen oder ihre Potenziale nicht entfalten können. Wenn Integration bedeutet, Teil eines Ganzen, also Teil der österreichischen Gesellschaft zu werden, muss man sagen, dass ziemlich viel versäumt wurde. Aber die Zukunft beginnt jetzt! Was ist zu tun? Geld in die Hand nehmen für ganz konkrete Integrationsmaßnahmen!

Wir sollten endlich Geld investieren für:

  • leistbare und flächendeckende Deutschkurse mit Kinderbetreuung
  • Follow-Up-Programme nach Deutschkursen, damit die erworbenen Sprachkenntnisse im Alltag, im Zusammenleben gefestigt werden und nicht verfliegen
  • ein Integrationsprogramm für Neuzuwanderer vom ersten Tag an, wie es die Grünen in Wien vorgeschlagen haben und das seit 2007 unter dem Namen „Start Wien“ durchgeführt wird
  • massive Investitionen in Schulen mit vielen Kindern nicht deutscher Muttersprache z.B. für mehr LehrerInnen, Teamteaching, Förderunterricht
  • ein Integrationsprogramm für länger in Österreich lebende MigrantInnen, die bereits teilweise eingebürgert sind (Sprachkurse, Programme, die Einheimische und MigrantInnen zusammenbringen …)
  • mehr Kindergartenplätze und ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, damit Kinder spätestens ab vier Jahren den Kindergarten besuchen. Damit werden Kinder unabhängig von ihrer Muttersprache früh gefördert, gemeinsam sozialisiert und lernen von klein auf das Zusammenleben
  • Stärkung der Mädchen und Frauen für ein selbstbestimmtes Leben durch Empowerment, Mädchenprojekte, Förderung von Frauenberatungsstellen, eigenständiges Aufenthaltsrecht unabhängig vom Ehepartner

Und außerdem

  • Akzeptanz der Tatsache, dass Österreich ein Einwanderungsland ist. Unsere neuen Nachbarn und Nachbarinnen haben teilweise andere Muttersprachen als Deutsch oder andere Religionen. Es liegt an uns allen, das Zusammenleben gut für alle zu gestalten. Beide Seiten haben Verantwortung und müssen einander akzeptieren und mit Respekt behandeln. Als Unterstützung dabei sind mehr SozialarbeiterInnen und KonfliktmediatorInnen nötig, damit Alltagsprobleme beim Wohnen wie z.B. Lärm nicht ethnisiert werden.
  • ein Staatssekretariat für Integration, das nicht im Polizeiministerium angesiedelt ist oder ein Einwanderungs- und Integrationsministerium, das Migration und Integration nicht durch die Polizeibrille und MigrantInnen nicht pauschal als Sicherheitsbedrohung wahrnimmt
  • Erleichterung der Einbürgerung, damit Menschen, die schon lange hier leben, auch mit vollen Rechten und Pflichten zur Gesellschaft beitragen können
  • bundesweit eine Wohnpolitik, die die soziale und „ethnische“ Durchmischung fördert …

Diese Liste könnte man noch lange fortsetzen und noch immer wären nicht alle Bereiche und Maßnahmen aufgezählt, die man für ein besseres Zusammenleben dringend braucht. Wichtig ist aber, dass die Bundesregierung konstruktive Antworten auf aktuelle Herausforderungen findet, Probleme angeht und Potenziale fördert statt sich regelmäßig in sinnlose Verschärfung der „Ausländergesetze“ zu flüchten. Auf zu neuen Ufern in der Integrationspolitik. Auf zu einer solidarischen Gesellschaft mit gleichen Rechten und Pflichten!

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