Bundesländer
Navigation:
am 6. Dezember 2016

Was wünscht sich ein syrischer Journalist?

Die Redaktion - Walid Sawan ist ein syrischer Journalist und Reporter. 2014 musste er aus seiner Heimatstadt Damaskus fliehen. Seitdem lebt er in Wien. Aktuell macht der 33-jährige im Grünen Pressebüro ein Praktikum – und hat uns seine Geschichte erzählt.

Von Walid Sawan

"Seit einem Jahr und elf Monaten wohne ich in Wien. Mein Cousin und ich sind wegen des Krieges aus Syrien in die Türkei geflüchtet. Wir fuhren mit dem Schlauchboot nach Griechenland – kein sicheres Boot, aber wir mussten flüchten, weil wir niemanden in der Türkei kannten und es keine Wohnung zu mieten gab.

Nachdem wir in Griechenland angekommen sind, haben wir uns in einer ähnlichen Situation befunden wie in der Türkei. „Was sollen wir nur machen?“, fragten wir uns. Denn auch in Griechenland kannten wir niemanden. Also entschieden wir uns, über Mazedonien und Serbien zu fahren.

Unterwegs für film und fernsehen 

In Syrien war ich Journalist bei einem Fernsehsender und arbeitete auch in Dubai und Libanon. Ich habe viele TV-Reportagen und einen Dokumentarfilm gemacht. Die Themen der Reportagen waren Kultur, Kunst und Panorama. Das war eine sehr interessante und schöne Arbeit, besonders war der Dokumentarfilm, weil das für mich eine ganz neue Erfahrung war. Der Film handelte von einem alten Markt in der Hauptstadt Damaskus, der Al Hamidiyah heißt.

Walid Sawan im Grünen Pressebüro
Walid Sawan (Mitte) mit KollegInnen im Grünen Pressebüro

Als ich 2013 beim Fernsehsender arbeitete, war ich beruflich im Iran, wo gerade die Präsidentenwahl stattfand. Deshalb machte ich eine Reportage über die Präsidentenwahl. Ich arbeitete auch als Reporter bei einer Zeitung und für Online-Portale, für die ich viele Reportagen und Interviews produziert habe.

Viele Jungen und Männer sind gestorben

Bevor der Krieg begonnen hat, war die Lage in Damaskus gut, kann ich heute sagen. Aber durch den Krieg ist sie sehr schlecht, und von Tag zu Tag wird es schlechter, weil die Situation längst eskaliert ist.

In Syrien muss man Militärdienst machen. Es sind so viele Jungen und Männer gestorben oder verschwunden – entweder, weil sie gekämpft haben oder geflüchtet sind. In Damaskus herrscht in den meisten Bezirken Krieg, und die meisten wurden zerstört. Außerdem hat es immer weniger Arbeitsplätze gegeben und auch die Elektrizität funktionierte nur zum Teil, ebenso die Netzwerke des Internets. Daher warte ich hier in Österreich immer darauf, dass die Elektrizität besser wird, um meine Familie anzurufen.

meine zukunft in wien

Für meine Zukunft in Wien plane ich, wieder als Journalist zu arbeiten oder als Reporter bei den Arabischen Medien, aber zuerst muss ich mein Deutsch verbessern. Im Moment mache ich ein Praktikum bei den Grünen im Parlament und eine Schreibwerkstatt."

Möchtest du Flüchtlingen helfen?