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am 3. März 2016

Sieben Gründe gegen Glyphosat

Wolfgang Pirklhuber - Wir wollen kein Gift in unserem Essen. Basta. Denn in der Chemikalie Glyphosat lauern einfach zu viele Gefahren. Welche das sind, erfährst du hier.

Wir wollen kein Glyphosat im Essen!

Wer will schon Chemie in seinem Essen? Glyphosat ist eine Chemikalie, die in Pestiziden wie Monsantos Roundup zur Unkrautvernichtung verwendet wird – übrigens die meist verwendete Chemikalie aller Zeiten. Trotzdem haben die meisten Menschen noch nie davon gehört. Sehr zur Freude der Chemie-Konzerne. 

Denn Glyphosat ist höchst umstritten. Die Zulassung für seine Verwendung läuft Ende Juni 2016 aus. Das würde der EU-Kommission die Gelegenheit bieten, ein Verbot auszusprechen. Allerdings will die Kommission genau das Gegenteil tun. Sie hat vorgeschlagen, die Zulassung bis 2031 zu verlängern. Dieser Vorschlag wird Gegenstand eines Treffens am 7. und 8. März sein, bei dem sich die EU-Regierungsvertreter positionieren werden. 

europas grüne sagen: Glyphosat VERBIETEN!

sieben Gründe für ein verbot von glyphosat:

Sieben Gründe gegen Glyphosat, Grund 1

GRUND 1: 

gefahr für ihre GESUNDHEIT

Krebserregend – ja oder nein? Derzeit wird heftig darüber diskutiert, ob Glyphosat krebserregend ist. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation ist der Ansicht, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend bei Menschen“ sei. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sagt das Gegenteil. Glyphosat-basierte Zusammensetzungen werden nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in öffentlichen und privaten Gärten verwendet. Dadurch werden sowohl Landwirte als auch VerbraucherInnen Gefahren ausgesetzt.

Zudem zeigen einige Studien, dass Herbizide, die Glyphosat enthalten, als so genannte endokrine Disruptoren wirken – also als Substanzen, die unsere Hormone durcheinanderbringen. Und somit unter anderem die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können.

Wir sagen: Solange nicht die Unbenklichkeit der Chemikalie bewiesen ist, sollte die EU Glyphosat verbieten!

Sieben Gründe gegen Glyphosat, Grund 2

GRUND 2

GEFAHR FÜR TIERE UND PFLANZEN 

Nicht nur die menschliche Gesundheit ist durch Glyphosat in Gefahr. Die EFSA hat hohe langfristige Risiken für pflanzenfressende Säugetiere (etwa Nutztiere wie Kühe und Schafe) sowie wildlebende Tierarten (etwa Vögel und Maulwürfe) festgestellt. 

Darüber hinaus hat das Deutsche Umweltbundesamt erhebliche negative Auswirkungen von Pestiziden im Allgemeinen und von Glyphosat im Speziellen auf die Artenvielfalt festgestellt. Glyphosat tötet nicht nur Unkräuter, sondern auch nützliche Beikräuter. Dabei sind gerade diese eine wichtige Nahrungsgrundlage für Insekten und andere wildlebende Tiere.

Wir sagen: Eine Chemikalie, die so hohe Risiken für Tiere und Artenvielfalt birgt, sollte keine weitere Zulassung erhalten.

Sieben Gründe gegen Glyphosat, Grund 3

GRUND 3

enge verwandete: GENTECHNIK & GLYPHOSAT

Glyphosat und Gentechnik können als zwei Seiten derselben Medaille gesehen werden. Von den 61 in der EU zum Import zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen (GVO) sind mehr als die Hälfte glyphosat-resistente Pflanzen. Sie wurden dazu entwickelt, mit genau diesem Herbizid eingesetzt zu werden. Beide – Glyphosat und Gentechnik – stehen für eine Form der Landwirtschaft, die Umwelt und Gesundheit schädigt und Bäuerinnen und Bauern von der Chemieindustrie abhängig macht (siehe auch Grund 4). 

Viele Fälle von Krebs und körperlichen Missbildungen wurden bei Menschen und Tieren in Südamerika gemeldet: Auf dessen ausgedehnten Landstrichen wird glyphosat-tolerantes Gensoja angebaut, um es als Futtermittel nach Europa zu exportieren.

Wir sagen: Nur, wenn wir "Nein" Glyphosat ablehnen, können wir uns für die Gesundheit der Menschen in Europa und weltweit einsetzen. Und somit die ländliche Entwicklung auf Basis einer bäuerlichen, umweltfreundlichen Landwirtschaft unterstützen.

GLYPHOSAT – WAS IST DAS?

Glyphosat ist der weltweit am häufigsten eingesetzte Wirkstoff zur Unkrautbekämpfung. Es wird über grüne Pflanzenteile aufgenommen und über den Saftstrom in der ganzen Pflanze verteilt. Glyphosat kommt breit zum Einsatz: auf landwirtschaftlichen Flächen (Acker-, Wein- und Obstbau), auf Wiesen und Weiden, im Wald, auf Kommunalflächen (Plätze, Parks), in privaten Haus- und Kleingärten (Rasen, Wege), in Friedhöfen sowie auf Straßenrändern und Bahndämmen.

WIE GELANGT GLYPHOSAT IN UNSEREN KÖRPER?

Dazu erklärt GLOBAL 2000-Experte Helmut Burtscher: "Glyphosat wird nicht nur dazu verwendet, um Unkraut im Acker tot zu spritzen, sondern es wird seit ein paar Jahren auch in Österreich eingesetzt, um Getreide vor der Ernte tot zu spritzen." So würden große Mengen des Unkrautvernichtungsmittels auf das Getreide gelangen, aus dem dann Brot und Backwaren hergestellt werden. 

Sieben Gründe gegen Glyphosat, Grund 4

GRUND 4

GLYPHOSAT – nur eine zutat im giftcocktail

Glyphosat allein richtet schon Schäden an. Aber Herbizide wie Roundup enthalten zusätzlich einen Cocktail an Chemikalien, der noch giftiger sein kann als Glyphosat allein – mit noch mehr Risiken für Landwirte und die Öffentlichkeit.

In Kanada und den USA haben sich aufgrund von übermäßigem Gebrauch von Roundup in Kombination mit glyphosat-resistenten genmanipulierten Pflanzen bereits glyphosat-resistente „Super-Unkräuter“ ausgebreitet. Um diese „Super-Unkräuter“ aufzuhalten, wurden noch mehr herbizid-resistente genetisch veränderte Pflanzen zugelassen. Sie sind gegen mehrere Herbizide resistent, darunter noch gefährlichere und umweltschädlichere als Glyphosat.

Wir sagen: Nur ein Verbot von Glyophosat können diese Risiken abgewendet werden.

Sieben Gründe gegen Glyphosat, Grund 5

GRUND 5

LÜCKEN IN DEN WISSENSCHAFTLICHEN DATE

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat Folgendes kritisch angemerkt: Acht von vierundzwanzig Antragstellern, inklusive Monsanto, haben toxikologische Untersuchungen vorgelegt, die NICHT die Wirkung der Produkte untersuchten, die sie verkaufen möchten. Somit ist also nicht klar, ob glyphosat-basierte Pestizide keine schädlichen Auswirkungen auf die menschliche oder tierische Gesundheit oder das Grundwasser oder andere Umweltfaktoren haben. Ein Drittel der Antragsteller haben also toxikologisch irrelevante Daten vorgelegt, um ihre Produkte zu verteidigen. Der EFSA-Bericht hat zusätzliche 22 Datenlücken in den Unterlagen der Antragsteller gefunden – das ist höchst bedenklich.

Wir sagen: Angesichts der bekannten und möglichen Risiken für die Gesundheit von Mensch und Tier müssen zuerst alle nötigen Unterlagen vorliegen, bevor man eine Substanz für eine derart breite Anwendung genehmigt.

Sieben Gründe gegen Glyphosat, Grund 6

GRUND 6

MANGEL AN TRANSPARENZ

Unglaublich, aber wahr: Es gibt nicht nur Lücken in den Unterlagen, sondern Schlüsselstudien werden aktiv vor der Öffentlichkeit versteckt. Zudem basieren entscheidende Schlussfolgerungen des EFSA-Berichtes bezüglich der krebserregenden Wirkung von Glyphosat auf ebendiesen unveröffentlichten Studien – die allesamt von der Industrie selbst veröffentlicht wurden. Es ist nicht zu aktzeptieren, dass die unveröffentlichten Studien offenbar wichtiger sind als die öffentlich verfügbaren Informationen!

Zudem haben über 80% der nationalen ExpertInnen, die an der offiziellen Glyphosat-Bewertung der EU beteiligt waren, die Veröffentlichung ihrer Namen verweigert. Warum? Damit nicht überprüft werden kann, ob sie in möglichem Interessenskonflikt mit der Industrie stehen. 

Wir sagen: Die Zulassung von Glyphosat darf nicht auf der Grundlage von geheimen, von der Industrie finanzierten Berichten erfolgen ​– von Leuten, die sich weigern, ihre Interessen öffentlich zu erklären.

Sieben Gründe gegen Glyphosat, Grund 7

GRUND 7

ES GIBT ALTERNATIVEN!

Die biologische Landwirtschaft zeigt: Glyphosat ist für produktiven Landbau nicht notwendig! Die Landwirtschaft der Zukunft muss auf hohe Biodiversität und eine Vielfalt von angebauten Pflanzen setzen. Sie muss insbesondere die gewaltigen Monokulturen, die Schädlinge überhaupt erst anlocken, vermeiden und Fruchtwechsel betreiben, damit sich Schädlinge nicht in Boden und Vegetation festsetzen können. Die starke Abhängigkeit von Glyphosat hängt mit einer sehr intensiven Landwirtschaft zusammen, die nicht nachhaltig ist. 

Wir sagen: Es gibt sicherere, chemie-freie Alternativen zu Glyphosat! Dazu gehören Fruchtwechsel, flaches Pflügen oder Unkrauthacken (für GärtnerInnen). Glyphosat muss verboten werden.

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