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am 15. April 2015

KZ-Gedenkstätte Mauthausen in der Krise

- Die Pläne des Innenministeriums für die KZ-Gedenkstätte in Mauthausen werden die bereits seit Jahrzehnten andauernde Verwaltungskrise nicht beheben. Währenddessen wird es BesucherInnen immer schwerer gemacht, diesen wichtigen Ort zu besichtigen.

Die Gedenkstätte in der Krise

Seit einigen Wochen liegt nun der Gesetzesentwurf für die Neuordnung der KZ-Gedenkstätte Mauthausen vor. Die vom Innenministerium vorgelegten Pläne sind für uns Grüne inakzeptabel, und wir werden ihnen "erbitterten Widerstand" entgegensetzen, denn am kläglichen Ist-Zustand würde sich nicht viel ändern: Das Kuratorium wird weiter vom Innenministerium dominiert, die Direktorin wird vom Ministerium bestellt und der Auslagerung wird ein Sparkonzept folgen.

Unser Fazit: Der Entwurf behebt nicht die nunmehr seit Jahrzehnten andauernde Krise in der Verwaltung der Gedenkstätte, sondern ist Zeichen und Ausdruck dafür.

„In Mauthausen herrschen Zustände, die dieser wichtigen nationalen Gedenkstätte Österreichs unwürdig sind.“
Harald Walser, Bildungssprecher
Bild: Gedenkstätte Mauthausen Infotafel
Infotafel für BesucherInnen in Mauthausen, 14.12.2014

Auf eigene Gefahr!

Die zunehmend benutzerunfreundliche Gedenkstätte wird – entgegen dem internationalen Trend – jährlich nur mehr von weniger als 50.000 Schülerinnen und Schülern besucht.

Die Gründe dafür: der zuständige Vermittlungsdienst ist unterdotiert, schlechte Erreichbarkeit, seit Herbst 2014 sind Führungen und Audioguides kostenpflichtig sowie die neu eingeführten und manchmal unangekündigten Schließtage.

"unwürdig, peinlich und inakzeptabel"

Dazu kommt: Es wurde der Verdacht geäußert, dass Funde von Leichenüberresten nicht ordnungsgemäß bestattet wurden, und dass es bei Grabstätten teilweise keinerlei Hinweisschilder gibt. "Der Umgang mit diesen Leichenfunden ist unwürdig, peinlich und inakzeptabel", so Harald Walser. Weiters müssen Gruppenführungen oft wegen Personalmangels abgewiesen werden.

erinnerungspolitische Bankrotterklärung

Mit der Auslagerung der Gedenkstätte in der derzeit geplanten Form werden die Missstände prolongiert, und es droht eine weitere finanzielle Aushungerung: Österreich muss aber jene finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, die notwendig sind, um eine optimale Gedenk-, Vermittlungs- und Forschungsarbeit leisten zu können. Alles andere ist als erinnerungspolitische Bankrotterklärung seitens der Republik zu werten.

Grüne Vorschläge für die Neuausrichtung der gedenkstätte

Wir Grüne haben Vorschläge für eine unabhängige, international besetzte und von Fachleuten dominierte neue Organisationsstruktur präsentiert. Die Neuausrichtung soll sich künftig an folgenden zentralen Überlegungen zu orientieren: Ein ehemaliges Konzentrationslager, das als Gedenk- und Vermittlungsort dienen soll, muss schon alleine in ihrer organisatorischen Gliederung von der Struktur eines Konzentrationslagers unterscheiden, um in der Vermittlung glaubhaft und authentisch sein zu können.

Das bedeutet: Der Staat und das Innenministerium haben sich im Hintergrund zu halten; flache, auf Kooperation ausgerichtete Hierarchien; anständige Beschäftigungsverhältnisse für die MitarbeiterInnen; maximale Transparenz und die Einbindung der Zivilgesellschaft.

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