Bundesländer
Navigation:
am 2. Mai 2013

8. Mai – kein Tag wie jeder andere

- Tag der Befreiung für die Opfer des Nazi-Regimes. Tag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht. Tag der Freude in ganz Europa. Tag des Gedenkens. Wir haben uns Gedanken gemacht.

Am 8. Mai hat die Deutsche Wehrmacht gegenüber den westlichen Alliierten, am darauf folgenden Tag gegenüber der Roten Armee kapituliert - der Tag der Befreiung für die Überlebenden der Konzentrationslager, für die Desertierten, die Verfolgten, und all jene mutigen Menschen, die bis zum Ende des Naziterrors Widerstand geleistet hatten. Der 8. Mai ist heute der Tag, an dem die Befreiung gefeiert und gleichzeitig der Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird – der in den Konzentrationslagern ermordeten Jüdinnen und Juden, ZwangsarbeiterInnen, Roma und Sinti, Homosexuellen und allen anderen systematisch Verfolgten.

Die einen feiern - die anderen trauern

Während in Ländern wie Tschechien, Frankreich oder der Slowakei der 8. Mai ein Staatsfeiertag ist, hatte der 8. Mai in Österreich bislang eine eher untergeordnete Bedeutung. Schlimmer noch - während denkende Menschen den 8. Mai als Sieg der Aliierten über das menschenverachtende NS-Regime feiern, missbrauchen Ewiggestrige diesen Tag als rechtspopulistischen „Trauertag“. 

Wiener Symphoniker live auf dem Heldenplatz, 8. Mai, 19:30 Uhr.

Jedes Jahr marschierten stramme Burschenschafter zum „Totengedenken“ lautstark auf den Heldenplatz und propagierten ihr verdrehtes Geschichtsbild – gern und gut besucht von namhaften FPÖ-PolitikerInnen. Offiziell werden die Gefallenen der Wehrmacht betrauert, aber die Trauer gilt unverhohlen dem Untergang des Nationalsozialismus. Heuer wird den braunen Burschis musikalisch der Garaus gemacht. Am Heldenplatz werden die Wiener Symphoniker erstmals ein Gedenkkonzert geben. Der Heldenplatz – kein Platz für Rechtsextreme. Aber vielleicht ein Platz für das Deserteursdenkmal, für das wir Grüne uns jahrelang stark gemacht haben?

„Wer das Ende feiert, muss aber auch über den Anfang nachdenken.“
Harald Walser zum 8. Mai

Deserteure, wir setzen euch ein Denkmal!

10 lange Jahre hat der Grüne Kampf für die Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure gedauert. Am 9. Dezember 2009 ist endlich das Gesetz in Kraft getreten, das die Aufhebung aller NS-Militärgerichtsurteile durch Österreich vorsieht und damit alle Wehrmachtsdeserteure und Opfer der NS-Militärjustiz juristisch rehabilitiert. Ein Grüner Erfolg, aber wir wollen mehr: ein Denkmal für die Deserteure mitten in Wien. Was einst als Idee begann, nimmt nun Gestalt an. Am 5. März 2013 wurde der künstlerische Wettbewerb für ein "Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz" eröffnet. Nicht am Heldenplatz - dafür am Ballhausplatz! Der Siegerentwurf wird im Rahmen eines internationalen künstlerischen Wettbewerbs ermittelt, an dem elf geladene Künstlerinnen und Künstler teilnehmen. Das Budget für Wettbewerb und Realisierung wurde mit 220.000 Euro beschlossen.

Öllinger im Interview

DREI FRAGEN AN KARL ÖLLINGER 

Anlässlich des 8. Mai haben wir unserem Experten für Rechtsextremismus und Sprecher von stopptdierechten.at, drei Fragen gestellt. Ein Gespräch über die Zerissenheit der österreichischen Gesellschaft, politische "Pflichterfüller" und den langen Weg bis zur Feststellung der österreichischen Mitverantwortung.

Interview lesen 

GEDANKEN VON HARALD WALSER

„Der 8. Mai ist der Tag der Befreiung von einem menschenverachtenden System. Er steht für den Sieg über den Nationalsozialismus in Europa und wird in vielen Ländern als staatlicher Feiertag begangen. Wer das Ende feiert, muss aber auch über den Anfang nachdenken. Für uns in Österreich ist dieser Tag daher vor allem ein Tag zum Nachdenken: Was war der österreichische Beitrag zur größten Katastrophe in der Geschichte der Menschheit? Wie gehen wir heute um mit Rassismus, Antisemitismus und überbordendem Nationalismus? Welche Verantwortung trägt unser Land für die Geschichte und was sind die Konsequenzen daraus für die Gegenwart?“


Harald Walser und Wehrmachts- deserteur Richard Wadani bei einer Pressekonferenz in der Wiener Hohenstaufengasse 3, zur NS-Zeit das "Gericht der Division Nr. 177".
Burschenschafter vor der Krypta
Rechte Recken vor der Krypta. Foto: Martin Juen.

Krypta: gedenken ja - aber der richtigen!

Rechtsextremes "Gedenken" mitten in Wien - jedes Jahr versammeln sich rechte Burschenschafter, alte Nazis, neue Nazis und Ewiggestrige jedweden Couleurs an der Wiener Krypta, um mit Fackelzug und dubiosen Ritualen unverblümt die Niederlage Hitlers zu betrauern. Eine peinliche Veranstaltung, für die sich ganz Österreich schämen sollte. Denn dieses "Gedenken" in der Krypta ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die im Zweiten Weltkrieg für ein freies, unabhängiges und demokratisches Österreich gekämpft haben. Offiziell ist die Krypta „ein Ehrenmal für alle im Kampf für ihre Heimat gefallenen, an Kriegsstrapazen oder eines gewaltsamen Todes gestorbenen Österreicher“. In Wirklichkeit wird den Gefallenen von Wehrmacht und SS gedacht. Und was unternimmt die Regierung dagegen?

"ES GIBT NUR GEDENKEN AN WEHRMACHT UND SS"

Sie reagiert mit Alibiaktionen wie der Streichung von SS-Kriegsverbrechern aus den ausliegenden Totenbüchern. Zu wenig, da eigentlich eine Selbstverständlichkeit, findet Harald Walser: "Das Streichen einzelner Namen aus den Totenbüchern reicht als Symbol nicht und greift zu kurz. Es geht umgekehrt darum, dass die Republik jener gedenkt, die für ein freies, unabhängiges und demokratisches Österreich gekämpft haben. Sie scheinen derzeit in der zentralen Gedenkstätte der Republik gar nicht auf. Derzeit gibt es nur ein Gedenken an Soldaten der Wehrmacht und SS."

Wir fordern daher:

  • kein Gedenken in der Krypta unter dem Motto 'In Erfüllung ihres Auftrages ließen sie ihr Leben' für Wehrmacht und Waffen-SS!
  • dafür Gedenken an Männer und Frauen des Widerstands, an Partisanen und Partisaninnen, an aliierten Soldaten und Soldatinnen und die Opfer des NS-Regimes!
Harald Walser bei einer Pressekonferenz vor der Krypta.
Bitte spenden - wir brauchen dich!