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am 7. März 2017

Cannabis als Medizin: Hilfe für viele möglich machen

- Schluss mit Vorurteilen und Stigmatisierung. Die medizinischen Möglichkeiten von Cannabis sollten endlich ausgeschöpft werden. In Österreich darf der Zugang zum Arzneimittel Dronabinol keine Kostenfrage sein.

Einsatzgebiete von Cannabismedizin

Cannabismedikamente wirken sowohl auf körperlicher, als auch auf psychischer Ebene: Sie hellen die Stimmung auf, hemmen Schmerzen, entspannen Muskeln, erweitern die Bronchien, senken den Augeninnendruck und fördern den Appetit bzw. hemmen, zum Beispiel während einer Chemotherapie, Übelkeit.

Bei diesen Beschwerden und Krankheiten ist die Wirkung von Cannabis belegt:

  • Chronische Schmerzen
  • Zur Begleitung von Chemotherapie bei Krebserkrankungen
  • MS (Multiple Sklerose)
  • Epilepsie
  • Tourette-Syndrom
  • Grüner Star (Glaukom)
  • Arthritis
  • Phantomschmerzen (nach Amputation)
  • u.v.m.

Deutschland: ärzt_innen können selbst entscheiden

Am 19. Jänner 2017 hat der Bundestag einstimmig einen Gesetzesentwurf angenommen, wonach künftig PatientInnen getrocknete Cannabis-Blüten und Cannabis-Extrakte in kontrollierter Qualität auf ärztliche Verschreibung in Apotheken erhalten können. PatientInnen bekommen einen Erstattungsanspruch auf natürliche und synthetische Cannabismedizin.

Künftig können ÄrztInnen eigenverantwortlich entscheiden, ob eine Cannabis-Therapie sinnvoll ist, auch wenn im Einzelfall noch andere Behandlungsoptionen bestehen. In der Palliativversorgung soll ein besonders rascher Zugang zu Cannabis-Präparaten ermöglicht werden. Innerhalb von drei Tagen müssen Krankenkassen eine Cannabistherapie im Palliativbereich genehmigen.

Um die genau medizinische Wirkung von Cannabinoiden weiter zu erforschen, werden wissenschaftliche Begleiterhebung durchgeführt. Die PatientInnendaten werden dazu anonymisiert erhoben und ausgewertet.

Hürden für Cannabismedizin in Österreich

Während in Deutschland erst eine staatliche Agentur aufgebaut werden muss, die Cannabis anbaut, ist das in Österreich schon seit langem der Fall. Seit 2008 wird von der staatlichen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) Cannabis angebaut.

Die AGES verkauft die von ihr produzierten Cannabisblüten an die deutsche Firma Bionorica. Diese stellt aus dem THC der Blüten das Arzneimittel Dronabinol her und liefert es an österreichische Apotheken.

Schmerzmediziner Martin Pinsger und Gesundheitssprecherin Eva Mückstein nach ihrer gemeinsamen Pressekonferenz
Schmerzmediziner Martin Pinsger und Gesundheitssprecherin Eva Mückstein
„Cannabismedizin muss für PatientInnen leistbar werden.“
Eva Mückstein, Gesundheitssprecherin

Die Kosten werden von den Kassen nur bei ca. 30 Prozent der PatientInnen übernommen. Der Großteil der PatientInnen ist mit Kosten von mehreren hundert Euro im Monat konfrontiert. Außerdem gilt Cannabis in Österreich bislang als Suchtmittel. Dronabinol muss deswegen chefärztlich genehmigt werden. ÄrztInnen verschreiben Cannabismedikamente daher weniger oft, als es hilfreich wäre. Österreichweit verordnen nur ca. 40 bis 50 ÄrztInnen Cannabismedikamente, mit einem starken Ost-Westgefälle.


Wir Grüne wollen:

  • Wie in Deutschland sollen getrocknete Cannabis-Blüten und Cannabis-Extrakte in kontrollierter Qualität auf ärztliche Verschreibung in Apotheken bezogen werden können.
  • Cannabismedizin muss leistbar für alle PatientInnen werden, die sie benötigen! Für bisher schon verschreibungsfähige synthetische und halbsynthetische Arzneimittel auf Cannabisbasis wie z.B. Dronabinol oder Sativex soll die Chefarztpflicht fallen.
  • Mehr Begleitforschung soll betrieben werden, um die alte Heilpflanze Cannabis zu enttabuisieren.
  • Fort- und Weiterbildung für ÄrztInnen zum möglichen Einsatz von Cannabis in der Medizin soll gefördert werden.