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am 21. Jänner 2013

5. Vollendung des europäischen Friedensprojekts

Die Redaktion - Europa wird nicht geeint sein, bevor nicht die Staaten des Westbalkans Teil der Union geworden sind. Bei aller Wichtigkeit der Lösung der gefährlichen Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise müssen die Länder Ex-Jugoslawiens sowie Albanien bis 2020 Teil der Union sein sollten.

Warum braucht es einen europäischen Frieden?

Ein Kommentar von Joschka Fischer (ehemaliger deutscher Grün-Politiker und 1999 Präsident des Rats der Europäischen Union),  Auszug aus seiner Vorlesung an der Heinrich Heine Universität Düsseldorf

„Vernunftgründe allein haben in Europa eben noch niemals ausgereicht, um den nationalstaatlichen Lehm des 19. Jahrhunderts abzuschütteln und eine neue, auf Integration beruhende Staatenordnung auf unserem Kontinent aufzubauen. Es ist nur realistisch, wenn man feststellt, dass ohne die großen Tragödien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die europäische Einigung niemals ihr heutiges Niveau erreicht hätte. Ohne den Zwang der Verhältnisse kommt Europa eben nicht wirklich voran.  

Und damit kommen wir zur Frage des europäischen Friedens. Diese Frage ist mitnichten von gestern und historisch erledigt. Ein schwaches Europa wird sich in Zukunftvor allem selbst zur Gefahr werden, wenn es seine internen Widersprüche nicht mehr zu integrieren vermag. Nicht mehr Panzerarmeen und große Kriege werden es bedrohen, sondern die Risiken der Zukunft werden eher von zerfallenden Staaten an seiner Peripherie oder auch in seinem Innern ausgehen. Wenn wir von europäischer Sicherheit und Frieden auf unserem Kontinent sprechen, so geht es heute vor allem um diese Kraft der europäischen Völker und Staaten, ihre inneren Widersprüche integrierend und in gemeinsamen Institutionen zu überwinden und sie nicht mehr gegeneinander oder im chaotischen Zerfall zum Ausdruck zu bringen. Wer meint, dass dies mit dem heute erreichten Status Quo zu bewahren wäre und weitere Integrationsfortschritte nicht vonnöten seien, der wird sich bitter täuschen. Ohne feste institutionelle Integration wird der heute erreichte Zustand nicht von Dauer sein."