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am 26. Jänner

Studiengebühren für Langzeitstudierende? Nein!

Die Redaktion - So genannte "Langzeitstudierende" sollen ab Herbst Studiengebühren zahlen. Dabei sind finanzielle Sorgen meistens der Grund für längere Studienzeiten.

Erwerbstätige Studierende, die länger als zwei Semester über der Mindeststudienzeit liegen, sollen ab Herbst Studiengebühren in Höhe von 365 Euro pro Semester zahlen. Für unsere ehemalige Wissenschafts- und Hochschulsprecherin Sigi Maurer ist das ein No-go. 

Mehr Arbeit, weniger Zeit, mehr zahlen

Denn die meisten StudentInnen müssen arbeiten, um sich ihr Studium überhaupt finanzieren zu können – im Schnitt 20 Stunden pro Woche.​ Fallen auch noch Familienbeihilfe und andere Einkommensquellen weg, muss noch mehr gearbeitet werden. Dadurch bleibt noch weniger Zeit fürs Studium. Also werden Toleranzsemester aufgebraucht. Und schon gilt man als LangzeitstudentIn.

eS TRIFFT DIE SOZIAL SCHWÄCHEREN

Unsere frühere Nationalratsabgeordnete Sigi Maurer kennt als ehemalige Mandatarin der Österreichischen Hochschülerschaft und Studentin der Universität Wien die Sorgen der Studierenden ganz genau: "Bisher wurde auf den Umstand, dass eine Erwerbstätigkeit eben zwangsläufig zu einer Studienzeitverzögerung führt, Rücksicht genommen: solche Studierenden waren nach Nachweis des Einkommens von Studiengebühren befreit. In Zukunft sollen sie zahlen. Wer keine wohlhabenden und finanzierungswilligen Eltern hat, hat oft keine andere Wahl als zu arbeiten und deutlich länger für das Studium zu brauchen als vorgesehen. Damit trifft die Vorgangsweise der Regierung natürlich besonders die sozial weniger privilegierten Studierenden.​"

Sigi Maurer
„Wer keine wohlhabenden Eltern hat, hat keine andere Wahl als zu arbeiten und braucht dadurch länger für das Studium. Damit trifft die Vorgangsweise der Regierung besonders die sozial weniger privilegierten Studierenden.“
Sigi Maurer, ehemalige Grüne Wissenschaftssprecherin

"Long life learing" wird zur Farce

Für Maurer sind Studiengebühren für Langzeitstudierende noch aus anderen Gründen unsinnig: "Besonders ältere Student_innen, jene die erst im zweiten Bildungsweg zu studieren begonnen haben, arbeiten deutlich mehr als 20 Stunden. Viele von ihnen haben Kinder oder sonstige Betreuungspflichten und sind weit weniger flexibel als Student_innen Anfang zwanzig. Für diese Gruppe ist das Studium auch oft nicht so einfach: es ist schon länger her, dass man auf Prüfungen gelernt hat, die Vorgaben für wissenschaftliches Arbeiten haben sich stark professionalisiert, für manche ist auch die heute absolut notwendige englische Sprache nicht so leicht zu bewältigen. „Life long learning“, eines der Bologna-Ziele, sieht unter anderem vor, dass sich die Studierenden an den Hochschulen auch altermäßig stärker durchmischen. Für diese Gruppe sind Studiengebühren eine weitere von vielen Hürden, und viele werden auch deshalb ihr Studium abbrechen."

mehr Studienabbrüche

Außerdem führen Studiengebühren zu mehr Studienabbrüchen. Maurer: "Bereits jetzt ist der größte Teil des Drop-Outs mit dem „Abdriften“ in die Erwerbstätigkeit zu begründen. Die Arbeit ist die Hauptbeschäftigung, das Studium nur noch Nebensache und gerade Abschlussarbeiten, die längere Konzentrationsphasen brauchen werden immer weiter aufgeschoben und irgendwann gar nicht mehr geschrieben. Wenn dann auch noch Studiengebühren bezahlt werden müssen, wird sich der Drop-Out natürlich noch weiter erhöhen. Wir werden – wie auch bei der Ersteinführung von Studiengebühren – eine große Zahl an Studienabbrüchen erleben. In sehr vielen Fällen wird es den betroffenen Studierenden nämlich nicht möglich sein, ihr Studium zu beschleunigen, weil der Tag nun mal nur 24 Stunden hat. Und wer mehr arbeitet um sich die Studiengebühren zu zahlen wird noch weniger Zeit haben fürs Studium. Es ist ein Teufelskreis. Und ein kontraproduktiver Vollholler."







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