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am 24. August 2016

Kirche greift in Personalpolitik der Unis ein

Sigi Maurer - Aufgrund des Konkordats hat die katholische Kirche großen Einfluss auf Personalfragen und Studienpläne an den katholisch-theologischen Fakultäten.

Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei

Die österreichische Verfassung garantiert: "Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei". Dieser Grundsatz zielt darauf ab, die Freiheit von Forschung und Lehre vor Einflussnahme oder Beschränkung durch den Staat zu schützen. Dieser Schutz scheint jedoch für die theologischen Fakultäten an den österreichischen Universitäten nicht zu gelten.

In einer parlamentarischen Anfrage an den Wissenschaftsminister wollten wir Grüne wissen, wann und in welcher Form die Kirche Einfluss auf die Universitäten genommen hat.

Die Beantwortung durch Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner liegt nun vor und zeigt: Die katholische Kirche greift selten, aber doch in die personelle Autonomie der Unis ein. Seit 2002 wurde einmal die Zustimmung zur Berufung eines Professors verweigert. Außerdem wurde ein Professor abberufen – weil er nach seiner Scheidung erneut geheiratet hat.

„Eine derartige Einschränkung der Freiheit der Wissen­schaft ist weder mit der Verfassung noch mit einem modernen Wissen­schaftsverständnis vereinbar und müsste eigentlich den Protest der autonomen Universitäten auf sich ziehen.“
Sigrid Maurer, Wissenschaftssprecherin

Großer Einfluss der kirche

Aufgrund des Konkordats zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Österreich hat die katholische Kirche großen Einfluss auf Personalfragen und Studienpläne an den katholisch-theologischen Fakultäten. Unter anderem muss sie der Berufung von ProfessorInnen sowie der Erteilung einer Lehrbefugnis (venia docendi) zustimmen – der Rektor oder die Rektorin muss von den kirchlichen Behörden ein sogenanntes "nihil obstat" (lat. für "es steht nichts entgegen") einholen, das auch nicht begründet werden muss.

Umgekehrt läuft es genauso: Auf Betreiben der Kirche müssen die RektorInnen DozentInnen bzw. ProfessorInnen von der Lehrtätigkeit entheben. Im Regelfall dürfen ProfessorInnen dann in Frühpension gehen.

An den katholisch-theologischen Fakultäten in Wien, Graz, Innsbruck und Salzburg wurden seit 2002 38 Berufungen durchgeführt. 37mal gab es das "nihil obstat", einmal wurde es verweigert – bei der Besetzung der Professur für Dogmatik an der Uni Wien. Erst als die Universität einen anderen Kandidaten vorschlug, gab es die Zustimmung der Kirche.

Absetzung wegen Scheidung

Ebenfalls an der Uni Wien kam es zur Enthebung eines Professors: Erzbischof Christoph Schönborn forderte 2012 die Absetzung des Uni-Lehrers aufgrund dessen Scheidung und anschließender (staatlicher) Wiederverheiratung. Dem folgte ein inneruniversitärer Streit: Die Fakultät warf dem Professor vor, durch seinen Schritt die Enthebung provoziert zu haben, um in Frühpension gehen zu können – hätte er sich um eine Annullierung seiner Ehe bemüht, wäre er eventuell um die Absetzung herumgekommen.

Die Uni Innsbruck wiederum hat sich der Jesuiten-Förderung an der Katholisch-Theologischen Fakultät verschrieben: Geeigneten Jesuiten ist demnach bei Berufungen der Vorzug zu geben – und zwar nicht nur bei gleicher Qualifikation, sondern sogar schon dann, wenn sie nur prinzipiell für eine Professur geeignet sind.

"weltfremder klerikaler Geist"

"Diese Fälle zeigen, dass der Einfluss insbesondere der Katholischen Kirche auf die Universitäten real ist. Besonders empörend ist die Entziehung einer Lehrbefugnis aufgrund einer Scheidung – hier wirkt eindeutig der weltfremde klerikale Geist vergangener Jahrhunderte", sagt unsere Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer.

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