Bundesländer
Navigation:
am 3. April 2017

Fachgespräch: Enorme Chancen durch Digitalisierung für Menschen mit Behinderungen

- Smartphone, Roboter, digitale Auskünfte, Vernetzung: Die digitalen Innovationen eröffnen neue Möglichkeiten, um besonders auch für Menschen mit Behinderungen die Lebensqualität zu verbessern.

digitale (R)Evolution und Behinderung

Print-Nachrichten in Sprach-Version, Online-Gebärden-DolmetscherInnen, Apps über funktionierende Aufzüge im öffentlichen Verkehr oder unterstützende Service-Roboter, die ein selbstbestimmteres Leben ermöglichen können: "Der digitale Wandel kann viele Chancen für Menschen mit Behinderungen bringen", resümierten ExpertInnen bei einem Grünen Fachgespräch im Parlament.

Rund 60 TeilnehmerInnen stellten im ersten Fachgespräch der Veranstaltungsreihe "Digitale (R)Evolution" am 31. März 2017 im Parlament digitale Veränderungen in den Fokus, die besondere Möglichkeiten für Menschen mit Behinderungen eröffnen können. Diese müssen aber stets erkannt und konkret genutzt werden, weshalb eine Einbindung der Betroffenen schon im Vorfeld essenziell sei.

„Gerade für Menschen mit Behinderungen können Innovationen oft einen Motor für ein selbstbestimmtes Leben darstellen.“
Ruperta Lichtenecker, Wirtschafts- und Forschungssprecherin
Ruperta Lichtenecker war Gastgeberin der Enquete Digitalisierung Behinderung
Ruperta Lichtenecker war Gastgeberin des Fachgesprächs

Digitalisierung kann das Leben erheblich verbessern

Es erscheint für Außenstehende vielleicht banal, kann für RollstuhlfahrerInnen aber von großem Nutzen sein: Die Wiener Linien weisen seit einigen Jahren verfügbare und funktionierende Aufzüge online aus. Das erleichtere seinen Alltag immens, schilderte Martin Ladstätter der Obmann des Behindertenberatungszentrum BIZEPS.

"Neue Technik und die Herausforderung, sich anzupassen und damit umgehen zu lernen, begleitet die Menschheit durch ihre gesamte Zivilisationsgeschichte" erklärte Christoph Gisinger vom Haus der Barmherzigkeit. In seinem Betrieb wurden erfolgreich Pflege-Roboter getestet, die sich vor allem bei Stürzen und deren Prävention bewährt haben und auf große Akzeptanz stoßen. Sie könnten das Leben von alleine zu Hause lebenden SeniorInnen in den nächsten Jahren dramatisch verbessern. "Digitalisierung ist die Basis der Inklusion", meinte Klaus Miesenberger von der Johannes Kepler Universität Linz. Aber: "Technologie allein ist keine Lösung."

Helene Jarmer bei ihrem Vortrag auf der Grünen Enquete
Helene Jarmer bei ihrem Vortrag
„Schon bei der Entwicklung neuer Technologien ist die Einbindung von ExpertInnen mit Behinderungen enorm wichtig.“
Helene Jarmer, Sprecherin für Menschen mit Behinderungen

Technische Innovationen für ein selbstbestimmteres Leben

Burgi Recheis präsentierte mit der "Hörlesebrille" eine hochspannende Innovation: eine Brille, die mittels integrierter Mikrofone Sprache aufnimmt. Sie im Sichtfeld der Brille in einen lesbaren Text umwandelt. Die Hörlesebrille ermöglicht Gehörlosen, gesprochene Informationen textuell zu erfassen, die Position der SprecherInnen zu bestimmen und sogar verschiedene SprecherInnen zu unterscheiden.

Für den Internet-Experten Rainer Wolfsberger setzt meist nicht Technologie die Grenzen beim Einsatz moderner Systeme für Menschen mit Behinderungen, sondern oft mangelt es an Wissen um die Möglichkeiten. Er forderte allgemeine Standards, um möglichst schnell eine breite Verfügbarkeit sicherzustellen.

Technische Innovationen können Motor für ein selbstbestimmteres Leben von Menschen mit Behinderung sein. Wenn man sie teilhaben lässt – nicht selten werden sie bei der Umsetzung vergessen oder nicht entsprechend berücksichtigt.

Gruppenfoto aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Grünen Enquete
v.l.: Dr. Christoph Gisinger, Mag. Rainer Wolfsberger, Martin Ladstätter, Dr.in Burgi Recheis, Dr.in Ruperta Lichtenecker, Mag.a Helene Jarmer, Dr. Klaus Miesenberger
Bitte spenden - wir brauchen dich!