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am 18. Februar 2015

Ethikunterricht für alle SchülerInnen!

Harald Walser - Wir Grüne sprechen uns für einen verpflichtenden "Ethik- und Religionenunterricht" im Umfang von zwei Stunden pro Woche für alle SchülerInnen aus. Herkömmlicher konfessioneller Religionsunterricht soll nur auf freiwilliger Basis angeboten werden.

Ethik- und Religionenunterricht für alle schülerinnen

Die Diskussionen der letzten Wochen haben eines deutlich gemacht: Ein verpflichtendes Unterrichtsfach "Ethik- und Religionenunterricht" ist in Österreich überfällig. Da der bisherige Religionsunterricht immer weniger SchülerInnen erreicht, ist es umso wichtiger, dass Themen wie Gewalt, die Stellung der Frau in der Gesellschaft oder Standpunkte zur Todesstrafe in den Klassen gemeinsam und unter Anleitung diskutiert werden.

Der Schulversuch zum Ethikunterricht aber dümpelt vor sich hin. Vorrang haben muss die ethisch-religionskundliche Bildung aller österreichischen SchülerInnen – und nicht die Eigeninteressen von Religionsgemeinschaften. Am besten leisten könnte dies ein so weit wie möglich weltanschaulich neutrales Fach Ethik und Religionen, das in Kooperation der Religionsgemeinschaften untereinander und mit dem Staat zu entwickeln wäre. Auch der Bund der Konfessionsfreien soll in diesen Prozess miteinbezogen werden.​

„Ein verpflichtender Ethik- und Religionenunterricht wäre auch eine Chance, der möglichen Radikalisierung von SchülerInnen entgegenzuwirken.“
Harald Walser, Bildungssprecher

Für ein solches Fach spricht nicht nur, dass es finanziell günstiger wäre, sondern auch, dass "konfessioneller" Religionsunterricht faktisch vielenorts schon lange Religionskunde ist. An Gymnasien verfolgen 80 Prozent der katholischen ReligionslehrerInnen das Ziel, dass SchülerInnen andere Religionen kennenlernen sollen. Nur noch 29 Prozent geht es vorrangig um die Vermittlung der Glaubenslehre der katholischen Kirche.

schule soll "sittliche, religiöse und soziale Werte" vermitteln

Das österreichische Schulorganisationsgesetz fordert, dass die Schule auch "sittliche, religiöse und soziale Werte" an die nachrückende Generation vermittelt. Lange konnte davon ausgegangen werden, dass dies in einem katholisch geprägten Land wie Österreich der Religionsunterricht leistet. Doch mittlerweile leben gut zwei Millionen konfessionsfreie MitbürgerInnen in unserer Republik, der Anteil der KatholikInnen sank von etwa 90 Prozent im Jahr 1950 auf heute nur noch gut 60 Prozent, zudem melden sich teilweise ganze Schulklassen vom Religionsunterricht ab.​

„Angesichts der Möglichkeit, sich ab 14 Jahren vom Religionsunterricht abzumelden, ist klar, dass es Religion als Pflichtfach eigentlich nicht mehr gibt.“
Anton Bucher, Professor am Institut für Religionspädagogik der Universität Salzburg

DAS BRINGT DER ETHIKUNTERRICHT

Nachdem Bayern bereits 1972 Ethikunterricht einführte, starteten im Jahre 1997 auch hierzulande Ethikschulversuche, anfänglich an acht Schulstandorten, mittlerweile an 234. Die im Jahr 2000 erfolgte Evaluation der Versuche zeigte folgendes:

  • Obwohl viele SchülerInnen anfänglich um ihre Freistunde trauerten, stieß das Fach sehr bald auf hohe Resonanz.
  • Ein Jahr zusätzlicher Ethikunterricht reduzierte Fremdenfeindlichkeit und stärkte in SchülerInnen das Wissen dafür, was ethisch richtig und was falsch ist, sowie die Bereitschaft, entsprechend zu handeln.
  • EthiklehrerInnen gelang es, in kulturell-religiös sehr heterogenen Klassen eine Atmosphäre der Toleranz zu schaffen.

"Vierzehn Jahre Schulversuch sind genug"

Trotz dieser sehr positiven Ergebnisse unternahm die damalige Ministerin Elisabeth Gehrer nichts. Dies auch deswegen, weil die Kirche nicht offiziell für Ethikunterricht eintrat. Die Bischofskonferenz äußerte sich erst positiv für Ethikunterricht für jene SchülerInnen, die nicht Religionsunterricht besuchen, nachdem Unterrichtsministerin Claudia Schmied ihre Präferenz für Ethik für alle bekundet hatte. Immerhin kam im Mai 2011 eine parlamentarische Enquete zustande, bei der in einem Punkt Einigkeit bestand: "Vierzehn Jahre Schulversuch sind genug".

Die Zeit ist überfällig: Nicht zuletzt wegen der gewachsenen Herausforderungen braucht es einen weltanschaulich neutralen, verbindlichen Ethik- und Religionenunterricht.

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