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am 27. Juli 2013

Die Grüne Schule orientiert sich an Kindern

Die Redaktion - Im Interview erklärt unser Bildungssprecher Harald Walser das Bildungsmodell der Grünen Schule - und warum Kinder gerne dort hingehen, um zu lernen.

Warum gehen Kinder gerne in die Grüne Schule?

Harald Walser: Die Grüne Schule ist keine Anstalt des Belehrens, sondern ein Ort des gemeinsamen Lernens. Dort stehen die Kinder im Mittelpunkt. Ihre Begabungen werden gefördert, sie können ihren Forscherdrang ausleben, sie können ihr Lerntempo selbst bestimmen und bleiben so hoch motiviert.

Wie sieht ein normaler Schultag in der Grünen Schule aus?

Der Schultag in der Grünen Schule richtet sich nach den Kindern. Unterricht, Lernen, Erholung, Bewegung und Wiederholen wechseln sich über den Vor- und Nachmittag ab. Alle Kinder bekommmen Mittags eine gesunde, warme Mahlzeit. Nach der Schule ist dann Zeit für die Familie, für Vereine und Kultur, für FreundInnen und Hobbies.

Welche Bedeutung hat der Kindergarten bei diesem Schulmodell?

Im Kindergarten werden spielerisch die Grundlagen für einen erfolgreichen Schulbesuch geschaffen. Sowohl die Sprache als auch grundlegende Kulturtechniken und Fertigkeiten werden dort erworben und gefördert. Besonders wichtig ist das gemeinsame Spiel mit unterschiedlich alten Kinder, das die soziale und die Sprachentwicklung fördert.


WARUM GEHEN IN DER GRÜNEN SCHULE DIE 10- BIS 14-JÄHRIGEN ALLE IN EINE GEMEINSAME SCHULE?

Kinder lernen am besten voneinander. Das gilt für Inhalte genauso wie für die Entwicklung der Sozialkompetenz. Eine Trennung mit 9 1/2 Jahren ist viel zu früh. Grundlage für die Entscheidung über den künftigen Bildungsweg mit 9 1/2 Jahren sind der Bildungsstand der Eltern, das Einkommen und der Wohnort. Damit die Begabungen und Interessen der Kinder im Vordergrund stehen und alle Kinder die Chance auf höhere Bildung bekommen, brauchen wir eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen.

WIE KÖNNEN DIE STÄRKERE UND SCHWÄCHERE SCHÜLERINNEN VONEINANDER LERNEN?

Wir wissen, dass Gelerntes gefestigt wird, wenn man es mit anderen teilt. Wenn SchülerInnen Lerninhalte gemeinsam erarbeiten, können sie von ihren jeweiligen Talenten gegenseitig profitieren. Schwächere Kinder können die Lerninhalte gemeinsam mit gleichaltrigen erarbeiten und besser verstehen. Stärkere SchülerInnen lernen ihr Wissen so zu strukturieren, dass sie es anderen weitergeben können.

GIBT ES IN DER GRÜNEN SCHULE NOCH NOTEN?

Was sagt eine Note in Form einer Ziffer über die Leistung und Entwicklung eines Kindes aus? In der Grünen Schule werden differenzierte Methoden verwendet, um die Leistung und die Fortschritte zu dokumentieren. Ziffernnoten in der Volksschule entfallen ganz. Stattdessen werden die Entwicklung und Lernfortschritte ständig dokumentiert und regelmäßig an Standards gemessen. So können Defizite rasch erkannt und behoben und besondere Talente speziell gefördert werden. Sitzenbleiben wird so zur seltenen Ausnahme.

WIE VIEL MITBESTIMMUNG VON SEITEN DER SCHÜLERINNEN UND ELTERN GIBT ES IN DER GRÜNEN SCHULE?

SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen arbeiten gemeinsam am Erfolg der Schule. Der intensive Kontakt zwischen Eltern und LehrerInnen führt dazu, dass sie sich über die Entwicklung der SchülerInnen ständig austauschen. So kann schnell auf veränderte Situationen in Schule oder Familie reagiert werden. Die Eltern und SchülerInnen bestimmen gemeinsam mit den LehrerInnen über den täglichen Ablauf des Schullebens, die Gestaltung der Schulinfrastruktur, die Schwerpunkte der Unterrichtsinhalte oder auch über Fördermaßnahmen.

WELCHE LEHRKRÄFTE BRAUCHT DIESES MODELL?

Die LehrerInnen in der Grünen Schule sind ausgebildet in individueller Förderung, können Deutsch als Fremdsprache vermitteln, haben Kenntnisse über Teilleistungsschwächen, wissen wie man Begabungen fördert, haben das Know-How für Inklusiven Unterricht und können die SchülerInnen motivieren. Sie arbeiten im Team zusammen, tauschen sich über ihre Erfahrungen aus und bilden sich gezielt weiter. Die Grüne Schule bietet den LehrerInnen in der Schule geeignete Arbeitsplätze, Zugang zu Materialien und Infrastruktur und die Zeit für SchülerInnen, Eltern und KollegInnen. Die LehrerInnen bekommen ein angemessenes, leistungsgerechtes Entgeld für ihre Arbeit. 

WIE LÄSST SICH DIE GRÜNE SCHULE ÜBERHAUPT FINANZIEREN?

Bildungsreform gibt es nicht zum Nulltarif. Aber langfristig kostet die Grüne Schule nicht mehr, das Geld muss nur richtig eingesetzt werden. Moderne Schulbauten müssen flexibel und multifunktional errichtet werden, damit Räume nicht unnötig leer stehen. Schulen müssen selbst über den Einsatz der LehrerInnen entscheiden können, denn jede Schule hat andere Bedürfnisse und Schwerpunkte. Die Aufteilung der SchülerInnen auf unterschiedliche Schultypen führt zu Konkurrenz um Ressourcen, die Gemeinsame Schule bringt das Geld zu den Kindern, statt in die Verwaltung. 

WO SIND VORBILDER FÜR DIESES MODELL ZU FINDEN?

Die Grüne Schule hat auch in Österreich viele Vorbilder. Nicht alles muss gleich organisiert sein, wir wollen, dass im Wege der Schulstandorte wichtige Entscheidungen vor Ort fallen können. Vorbild können Kleinschulen sein, wo Kinder verschiedenen Alters in einer Gruppe gemeinsam lernen, Schulen, die Kinder mit Behinderungen in den Unterricht inkludieren, ganztägig geführte Schulen, die sich am natürliches Tagesrhythmus der Kinder orientieren, Alternativschulen, die moderne Unterrichtsmethoden in der Praxis erproben oder höhere Schulen, die den Unterricht modularisiert anbieten. Vor allem skandinavische Länder haben schon vor Jahrzehnten ihre Schulsystem dahingehend reformiert, dass die Entwicklung der Kinder im Mittelpunkt steht.

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