Bundesländer
Navigation:
am 9. Mai

Der digitale Wandel braucht als Basis Bildung und digitale Kompetenzen

- Die Digitalisierung und Vernetzung nimmt an Tempo zu und verändert unsere Arbeits- und Lebenswelten. Sie ist Chance, aber auch Herausforderung. Im Hinblick auf Bildung und Weiterbildung muss sich unser Bildungssystem aber umstellen.

Digitale Kompetenz – Bildung als Schlüssel für die Zukunft

Der Einladung des grünen Parlamentsklubs folgten rund 85 BesucherInnen. Im Zentrum des Fachgespräches im Abgeordnetenzimmer des Parlaments standen die folgenden Fragen, die unter reger Beteiligung der BesucherInnen diskutiert wurden: Was bedeutet digitale Kompetenz und welche Rahmenbedingungen müssen dafür gestaltet werden? Welche Auswirkungen haben die Veränderungen auf die österreichische Bildungslandschaft? Was bedeutet verantwortungsvoller Umgang mit Neuen Medien? Wie werden die Neuen Technologien und die Digitalisierung das Lernen verändern?

Sehr gut besucht war die Grüne Enquete zum Thema Digitalisierung und Bildung
Sehr gut besucht war die Grüne Enquete zum Thema Digitalisierung und Bildung

Dr.in Ruperta Lichtenecker, Wirtschafts- und Forschungssprecherin der Grünen, betonte: "Zur Digitalen Kompetenz zählen nicht nur technisches Wissen sondern besonders auch vernetztes Denken, Kreativität, fachübergreifendes Arbeiten, Medienkompetenz, Projektmanagement und die Freude Neues zu finden. Jetzt gilt es neue Wege zur Stärkung dieser Kompetenzen in jedem Alter zu finden und zudem Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, life long learning als Entwicklungspotential und Freude zu sehen."

Bild: Ruperta Lichtenecker beim Fachgespräch
Ruperta Lichtenecker Gastgeberin des Fachgesprächs
„Digitale Kompetenz wird zur Schlüsselkompetenz und ist die Basis für unsere Lebens- und Arbeitswelt von morgen.“
Ruperta Lichtenecker, Sprecherin für Wirtschaft, Forschung, Technologie und Innovation

Der Arbeitsmarkt verändert sich

Mit dem Einsatz digitaler Technologien wandeln sich die mit einem Arbeitsplatz verbundenen Arbeitsinhalte und Arbeitsanforderungen – ein Prozess, der in Teilbereichen bereits weit fortgeschritten ist. Gefragt ist ein Bündel an formaler Qualifikation, Kompetenzen und Fähigkeiten, die die menschliche Arbeitskraft von Robotern oder programmierten Algorithmen merklich unterscheidet. Der Erwerb von Basiskompetenzen, wie sie im Erstausbildungssystem zu vermitteln sind, ist ein unverzichtbarer Grundstein, stellte Mag.a Julia Bock-Schappelwein vom WIFO im Hinblick auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes fest.

medienkompetenz vermitteln

Der Digital Native als digital kompetente Person ist eine Fiktion der Medien. Jugendliche von heute können Apps bedienen und über diese kommunizieren. Das ist eine Kommunikationskompetenz und keine IT-Kompetenz, ergänzt Lena Doppel, Digital Strategist.​

Auch Mag.a Dr.in Sonja Gabriel vom Institut für Forschung und Entwicklung, KPH Wien/Krems, betonte, dass das Aufwachsen mit digitaler Technologie keineswegs mit digitaler Kompetenz gleichzusetzen ist: "Von Digital Natives zu sprechen und zu erwarten, dass die SchülerInnen kompetent mit digitalen Medien umgehen können, weil sie bereits im Kindergarten ein Tablet bedienen können, wäre genauso, als wenn man von diesen Kindern erwarten würde, dass sie komplexe arithmetische Aufgaben lösen können, wenn sie mit einem Taschenrechner aufwachsen."

schule völlig neu denken

Einen völlig neuen Ansatz im Schulwesen verlangt Dr. Klaus Himpsl-Gutermann vom Zentrum für Lerntechnologie und Innovation (ZLI): "Die geplanten Maßnahmen der Bildungsministerium-Strategie Schule 4.0 weisen in die richtige Richtung: Informatisches Denken soll schon ab der Volksschule gefördert und Medienbildung und digitale Kompetenzen durch einen verbindlichen Lehrplan für die Sekundarstufe 1 wesentlich gestärkt werden. Das wird aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein bleiben, wenn es uns nicht gelingt, LehrerInnen aller Fächer zu erreichen und eine Lernkultur zu etablieren, um Kernaufgaben der Allgemeinbildung wie Förderung von Verantwortungsbewusstsein, Urteilsfähigkeit, Kreativität, Selbstbestimmtheit, Partizipation und Befähigung zur Teilnahme am Arbeitsleben im Sinne einer Digital Citizenship umzusetzen. Kurz gesagt: Wir müssen bereit sein, Schule völlig neu zu denken."

Und Universitätsprofessor Dr. Christian Swertz vom Institut für Bildungswissenschaft an der Universität Wien, stellte klar: "Digitale Medien sind eine anspruchsvolle Kulturtechnik, die wie Lesen, Schreiben und Rechnen in der Schule unterrichtet werden muss."

Bild: Harald Walser beim Fachgespräch
Harald Walser bei seinem Vortrag
„Das Erlernen eines kompetenten Umgangs mit digitalen Medien wird eine der großen Herausforderungen unseres Bildungssystems.“
Harald Walser, Bildungssprecher

Dr. Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, sah den Schwerpunkt der Herausforderungen darin, umfassende digitale Kompetenzen im Schulbereich zu vermitteln: "Dass gerade die Schulen im Bereich der technischen Entwicklungen am letzten Stand sein sollten, versteht sich von selbst. Österreich hat bezüglich Digitalisierung in der Bildung leider schon einiges verschlafen. In den Bemühungen, hier aufzuholen, ist allerdings darauf zu achten, dass Schulen nicht vorrangig zu Dienstleistungsinstitutionen für die Wirtschaft verkommen und Monopolstellungen von Hard- und Softwareanbietern Vorschub leisten. Dabei könnte zudem auch auch der Datenschutz auf der Strecke bleiben. Die geplante Digitalisierungsoffensive in unseren Schulen muss ausreichend finanziert werden und – viel mehr als derzeit geplant – den Fokus auf eine kritische Medienbildung legen."

Bild: Gruppenfoto der Vortragenden des Fachgesprächs
v.l.: Dr.in Ruperta Lichtenecker, Dr. Klaus Himpsl-Gutermann, Mag.a Dr.in Sonja Gabriel, Mag.a Julia Bock-Schappelwein, Dr. Christian Swertz, Lena Doppel, Dr. Harald Walser
Aktiv  werden.  Das  ist  Grün.  Banner  rechts.