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am 23. März 2017

Palmöl: Billiges Fett mit teuren Folgen

Die Redaktion - Palmöl ist ein bei der Industrie beliebter, weil billiger Rohstoff. Aber sowohl die Herstellung als auch die Verwendung schaden Menschen, Tieren und Umwelt.

Palmöl als Allzweckrohstoff ...

In den vergangenen drei Jahrzehnten verwandelte sich Palmöl vom absoluten Nischenprodukt zum Allzweckrohstoff. Mittlerweile ist Palmöl eines der am weitest verbreiteten Pflanzenöle in der Industrie. Es steckt in fast jedem zweiten Supermarktprodukt.

... in nahrungsmitteln:

Das geschmacksneutrale Pflanzenfett zeichnet sich durch seinen hohen Schmelzpunkt aus. Deswegen wird es eingesetzt, um zum Beispiel Margarine und Schokoladenaufstriche auch bei Raumtemperatur geschmeidig und streichfähig zu machen. Weiters steckt es u.a. in Keksen, Crunchmüslis, Snacks, Speiseeis, Babymilch und Tiefkühlprodukten.

... in PRODUKTEN FÜR HYGIENE UND HAUSHALT:

Auch Seife, Waschmittel, Körperpflegelotionen, Shampoo, Kosmetikartikel und Kerzen bestehen zu großen Teilen aus Palmöl.

... in agro-sprit:

Palmöl wird zudem auch als Agro-Sprit verwendet: 2015 wurden 100.000 Tonnen Agro-Diesel aus Palmöl nach Österreich importiert. Das ist mehr, als in Österreich selbst aus Raps, Soja, Sonnenblumen, Altspeiseölen und Tierfetten produziert wurde.

Palmöl als Klimakiller

Die Produktion von Palmöl erfolgt in riesigen Monokulturen. 85 Prozent der globalen Palmölplantagen befinden sich auf Indonesien und Malaysia. Das Regenwaldklima dieser Staaten begünstigt das rasche Wachstum der Bäume. In Indonesien wachsen auf neun Millionen Hektar Ölpalmen. Bis 2025 sollen es auf Grund der enormen Nachfrage nach dem billigen Fett sogar 26 Millionen Hektar sein. Die Palmen brauchen viel Platz zum Wachsen, und dafür wird tropischer Regenwald abgeholzt.

Palmöl kann nicht nachhaltig produziert werden. Es müssen immer neue Flächen gerodet werden. KleinbäuerInnen werden dadurch vertrieben und der Lebensraum für vorm Aussterben bedrohte Tiere wird zerstört.

„Durch den Anbau von Ölpalmen wird wertvoller Regenwald vernichtet. Das trägt stark zum menschengemachten Klimawandel bei.“
Christiane Brunner, Sprecherin für Umwelt- und Klimaschutz

An der Umwandlung von Regenwald in Palmölplantagen lässt sich doppelt verdienen: Zuerst am Tropenholz, dann am Palmöl der Plantage. Bereits nach drei Jahren lässt sich auf einer frisch angelegten Palmölplantage die erste Ernte einfahren. Das freut die Investoren – doch die Rechnung bezahlt die Natur. Durch das Fällen der grünen Lunge befeuern wir den Klimawandel. Außerdem wird der Lebensraum von ohnehin bedrohten Tierarten wie Nashörnern, Tigern und Orang-Utans zerstört. Indigene KleinbäuerInnen werden gewaltsam aus ihren Dörfern vertrieben und ihrer Lebensgrundlage beraubt. Oft werden sie und auch ihre Kinder dazu gezwungen, in den Plantagen zu arbeiten.

palmöl als gefahr für die gesundheit

Palmöl verursacht aber nicht nur enorme Schäden für die Bauern und Bäuerinnen im Regenwald. Auch die KonsumentInnen der Produkte sind durch Palmöl gefährdet.

Das Schweizer Fernsehen hat Babymilch von Markenherstellern (z.B. Nestlé, Hipp, Bimbosan und Milupa) sowie bekannte Süßigkeiten (wie Nutella von Ferrero) auf jene Schadstoffe prüfen lassen, die bei unsachgemäßer Verarbeitung des Tropenöls entstehen. Gefunden wurden das krebserregende und erbgutschädigende Lebensmittelgift Glycidol sowie das als "möglicherweise krebserregend" eingestufte 3-MCPD.

„Die gesundheitsschädlichen Fettsäureester stecken in zahlreichen Palmöl-Produkten.“
Wolfgang Pirklhuber, Sprecher für Lebensmittelsicherheit

In den Produkten von Milupa (Aptamil), Bimbosan und Hipp wurde der Fettsäureester 3-MCPD nachgewiesen. Der gemessene Wert übersteigt um das 2 bis 3,4-fache die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfohlene maximale Tagesdosis.

Besonders beunruhigend ist das in Aptamil von Milupa (gehört zum franz. Danone-Konzern), Bimbosan und Nestlé (Beba) nachgewiesene Glycidol. Die EU hat Glycidol als krebserregend und erbgutschädigend eingestuft. Jede Dosis davon kann Krebs auslösen. Es sollte daher überhaupt nicht in Lebensmitteln vorkommen, ganz besonders nicht in Babymilch.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit warnt vor krebserregenden Schadstoffen, die bei der Palmölverarbeitung entstehen können. Marco Binaglia, Sprecher von EFSA: "Bei Babys, die nicht gestillt werden, ist die Situation besonders besorgniserregend. Wir gehen davon aus, dass diese ganz kleinen Kinder wohl mehr als die tolerierbare Menge an 3-MCPD aufnehmen. Für Gylcidol gibt es keine erlaubte Maximaldosis. Denn jede Dosis könnte schon ein Risiko sein und Krebs auslösen."

Auch zwölf bekannte Süßigkeiten, Kekse und Snacks wurden geprüft. In elf Produkten wurde Glycidol nachgewiesen, in manchen zusätzlich auch 3-MCPD.

was kannst du tun?

Jede und jeder kann beim Einkauf im Supermarkt entscheiden, ob Palmöl im Einkaufssackerl landen soll oder nicht. Frische Lebensmittel sind viel gesünder als die Fertigprodukte aus dem Supermarktregal.

  • Kaufe möglichst regionale und saisonale Zutaten.
  • Koche selbst und verzichte auf Fertigprodukte.
  • Verwende Alternativen zum Palmöl: z.B. Maiskeim-, Sonnenblumen-, Raps-, und Olivenöl.
  • Verzichte beim Tanken auf Agro-Sprit.
  • Unterstütze und spende für Umweltorganisationen, die sich besonders intensiv für den Erhalt von Regenwald einsetzen: Greenpeace und Rettet den Regenwald e.V.

Palmöl in Produkten erkennen

Bis 2014 wurde Palmöl mit allen anderen Ölen als pflanzliches Fett oder pflanzliche Öle bezeichnet. Um KonsumentInnen zu ermöglichen, beim Kauf ihrer Lebensmittel auf Palmöl zu verzichten, erließ die EU eine Verordnung betreffend die Information der VerbraucherInnen über Lebensmittel (1169/2011). Seit 13. Dezember 2014 müssen Lebensmittelproduzenten die pflanzliche Herkunft der Speisefette angeben, z.B. Palmfett oder Pflanzenfett (Kokos).

Wenn sie im Zutatenverzeichnis mit der Bezeichnung "pflanzliche Öle" bzw. "pflanzliche Fette" zusammengefasst werden, muss sich unmittelbar danach eine Liste mit den Angaben der speziellen pflanzlichen Herkunft anschließen, z.B. Palmöl, Sojaöl. Danach kann die Wendung "in veränderlichen Gewichtsanteilen" folgen. Im Falle einer Zusammenfassung werden sie nach dem Gewichtsanteil der Gesamtheit der vorhandenen pflanzlichen Öle und Fette im Zutatenverzeichnis aufgeführt. Hinweis darauf, dass im Produkt Palmöl vorkommt, geben folgende Bezeichnungen:

Palm, Palmate, Palmitate, Palmitic Acid, Palmitinsäure, Palmkernöl


was ist nachhaltiges Palmöl?

2004 hat der WWF gemeinsam mit den großen Palmölerzeugern und –verbrauchern den Round Table for Sustainable Palmoil (RSPO) gegründet. Den Vorsitz führt ein Manager des Unilever-Konzerns (Dove, Knorr, Rama etc.), die weiteren Mitglieder kommen aus der Palmölproduktion (4), aus der Verarbeitung und dem Handel (8), und aus dem Bankensektor (2). Nur vier Mitglieder des RSPO kommen aus dem Umweltschutz- oder dem sozialen Bereich.

Der RSPO ist keine geeignete Maßnahme, um die Palmölproduktion nachhaltiger zu gestalten. Der Klimaschutz wird in den Richtlinien überhaupt nicht beachtet. Die mit dem RSPO-Siegel zertifizierten Firmen roden trotzdem weiterhin Regenwald.

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