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am 5. Juli

Der Grüne Frauenbericht 2017

Albert Steinhauser, Berivan Aslan - Es braucht endlich eine Angleichung der Einkommen zwischen Frauen und Männern, mehr Maßnahmen gegen "Hass im Netz" und Gewalt gegen Frauen, die gerechte Verteilung der unbezahlten Arbeit in der Familie und eine Neubewertung vorwiegend weiblicher Berufe.

Wie jedes Jahr liefert auch der neue Grüne Frauenbericht​​ Informationen und Fakten zu Frauenleben in Österreich. 2017 liegen die Schwerpunkte bei "Soziales und Arbeit", "Frauen in den Regionen" und "Gewalt gegen Frauen". In der Gesellschaft herrscht oft das Bild vor, dass Frauen an ihrem geringeren Einkommen selbst schuld seien, weil sie eben den „falschen Beruf“ für sich ausgewählt hätten. Genau diese Vorstellungen führen dazu, dass die Einkommensunterschiede nicht effzient bekämpft werden. Denn sie verschleiern, dass die Arbeit von Frauen in unserer Gesellschaft systematisch unterbewertet wird und so massive Auswirkungen auf die Erwerbsmöglichkeiten von Frauen hat. 

„Wenn es normal wird, dass Männer in Karenz gehen und um 17 Uhr das Büro verlassen, um die Kinder abzuholen, wird auch die Einkommensschere geringer werden.“
Albert Steinhauser, Klubobmann

Erwerbsquote von Frauen

Die Erwerbsquote von Frauen steigt zwar kontinuierlich, aber von einer tatsächlichen Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt kann dennoch nicht die Rede sein. Der Gender Pay Gap schließt sich nur im Schneckentempo, und die „gläserne Decke“ macht Frauen mit Karriere-Ambitionen immer noch einen Strich durch ihre Lebensplanung. ​​Neben einer Arbeitszeitreduktion und der Einführung eines Mindestlohns müssen vor allem die Gehälter in den sogenannten Frauenbranchen (wie z.B. Care-Sektor und Dienstleistungen) steigen. Dem hohen sozialen Wert dieser Tätigkeiten müssen endlich auch gerechte Löhne folgen.​​

​​Ist das Einkommen von Österreicherinnen schon oft niedrig beziehungsweise nicht existenzsichernd, so sieht die Situation für Frauen mit Migrationshintergrund noch einmal schlechter aus. Migrantinnen sind nicht nur seltener erwerbstätig als Österreicherinnen (57 Prozent im Vergleich zu 74,2 Prozent bei den Österreicherinnen, 2015), auch ihre Arbeitslosenquote ist deutlich höher als jene von Österreicherinnen (13,3 Prozent im Vergleich zu 7,3 Prozent, 2015). Laut einer Studie des IHS aus dem Jahr 2013/4 ist das Jahreseinkommen von Frauen mit Migrationshintergrund noch einmal um rund 18 Prozent niedriger als jenes von Österreicherinnen.

Selbstständige​

Bei den Selbstständigen sind Frauen inzwischen stark vertreten, doch gerade hier sind die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern besonders hoch. Sozialpartner und Regierung tappen seit Jahren im Dunkeln bei der Frage, womit man die Einkommensunterschiede effektiv beseitigen könnte.

Nachteilig wirkt sich die Selbstständigkeit in jedem Fall auf die Einkommenssituation von Frauen aus, da hier die Einkommenskluft zwischen den Geschlechtern besonders groß ist. Während Männer ein durchschnittliches Einkommen von 30.785 Euro erwirtschafteten, belief sich dieses bei Frauen auf 13.005 Euro, was einer Differenz von 58 Prozent entspricht (Quelle: Einkommenssteuerstatistik 2013)

Armutsgefährdung bei Alleinerziehenden

​​Alleinerziehende sind zu 92 Prozent weiblich. ​Über die Bundesländer verteilt hat Wien mit 18 Prozent den größten Anteil von Alleinerziehenden unter den Familienformen, gefolgt von Kärnten (17,4 Prozent) und Niederösterreich (14,8 Prozent). Das soziale Risiko von Alleinerziehenden zeigt sich vor allem bei der Armutsgefährdung. Bei den Alleinerziehenden-Haushalten sind 29 Prozent armutsgefährdet, während dies in der Gesamtbevölkerung „nur“ für 15,4 Prozent der Haushalte gilt.

Wir Grüne wollen daher:
  • einen gesetzlichen Mindestlohn über 1750 Euro
  • eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung – 35 Stundenwoche
  • Diskriminierungsfreie Arbeitsbewertung in den Kollektivverträgen
  • eine Reform des Zulagensystems in den Kollektivverträgen
  • ​den Rechtsanspruch auf einen kostenlosen Krippenplatz ab dem 1. Geburtstag des Kindes
  • einen Mindestunterhalt für Kinder, der auch wirklich existenzsichernd ist
  • die Ausweitung der Unterhaltsbevorschussung für alle Kinder, die sie brauchen
  • die Garantie auf einen Unterhaltsvorschuss bis zum Abschluss der Ausbildung des Kindes, nicht nur bis zum 18. Geburtstag
  • bürokratische und fnanzielle Erleichterungen bei der Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse​​​​


„Die Kollektivverträge sind nicht mehr zeitgemäß. Es kann nicht sein, dass es für "männliche" Berufe Erschwernis- und Gefahrenzulagen gibt, für "weibliche" dagegen nicht - auch wenn das etwa bei Reinigungskräften durchaus angemessen wäre.“
Berivan Aslan, Frauensprecherin

Frauen in den Regionen

Die Nähe zu Natur und der eigenen Herkunft macht das Landleben attraktiv, doch immer mehr Frauen hält dies nicht mehr auf dem Land: In manchen Regionen Österreichs leben bereits jetzt um bis zu 40 Prozent mehr junge Männer als Frauen, weil es ​Letztere sind, die sich in die Ballungszentren aufmachen und nicht mehr zurückkommen. Die bisherigen politischen Strategien gegen die Abwanderung der Frauen greifen zu kurz. Ziel muss es sein, die vielfältigen Leistungen von Frauen in den Regionen sichtbar zu machen und vermehrt qualifzierte Arbeitsplätze „in die Natur“ zu bringen. Nur so werden die Regionen zukunftsfähig für selbstbestimmte weibliche Lebensentwürfe.

​​Ein Faktor, der die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten in den letzten Jahrzehnten beschleunigt hat, ist der Abbau der öffentlichen Infrastruktur in den Regionen. Einsparungen bei den öffentlichen Ausgaben haben dazu geführt, dass inzwischen viele Regionen ohne öffentliche Dienstleistungen auskommen müssen und zu einer Verringerung des Jobangebots vor allem für Frauen führte und so auch die Lebensqualität der BürgerInnen verringerte​ damit die Abwanderung wiederum beschleunigte. Auch lässt die Anerkennung für die Leistung von Frauen in vielen ländlichen Regionen noch zu wünschen übrig. Patriarchale Strukturen beeinflussen am Land noch deutlich stärker das Zusammenleben und die Alltagskultur, als sie es in Ballungszentren und Städten tun.

Wir Grüne wollen daher:
  • qualitativ hochwertige Kinderbetreuung mit ausreichenden Öffnungszeiten in den Regionen
  • den Ausbau des öffentlichen Verkehrs sowie der Rad- und Fußwege im ländlichen Raum
  • mehr Frauen in der Verkehrs- und Regionalplanung
  • den Ausbau der technischen Infrastruktur wie Breitband-Internet zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts in den Regionen
  • öffentliche Dienstleistungen und Nahversorgung in Regionen und Kleinstädten sicherstellen
  •  mehr Frauen in politischen Gremien und politischen Projekten
  • Mutterschutz und Kinderbetreuungsgeld im BürgermeisterInnen-Amt
  • Frauen, Jugendliche und Familien bei der Gestaltung von öffentlichem Raum in Dörfern und Kleinstädten integrieren
  • ein jährliches Monitoring über den frauenpolitischen Fortschritt in den Gemeinden
  • die Förderung neuer ökonomischer Betätigungsfelder wie z. B. „Green Care“, um qualitativ hochwertige Frauenjobs in den Regionen zu schaffen bzw. zu erhalten​​​​​​

Gewalt gegen Frauen

Gewalt wird nicht weniger, im Gegenteil: Die Zahl der Wegweisungen ist im Steigen begriffen, und gleichzeitig kommen immer neue Formen von Gewalt gegen Frauen hinzu – wie aktuell die verbale sexualisierte Gewalt gegen Frauen im Internet. Die Bemühungen zur Bekämpfung körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt dürfen nicht nachlassen, auch wenn Frauen sich immer selbstbewusster dagegen zur Wehr setzen.

​​Einen vergleichsweise neuen Raum für Gewaltanwendungen stellt das Internet dar. Verbale Angriffe gegen DiskussionsteilnehmerInnen in sozialen Netzwerken, aber auch in Internet-Foren werden längst nicht mehr nur anonym veröffentlicht, sondern immer öfter auch mit Klarnamen und zuordenbarem Netzwerk-Profil. Sowohl Männer als auch Frauen werden zur Zielscheibe solcher Beschimpfungen und Gewaltandrohungen, doch Frauen werden öfter als Männer und wenn, dann meist auf sexualisierte Weise angegriffen.

Um klarzumachen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und Beleidigungen sowie üble Nachrede nicht mit „Meinungsfreiheit“ zu rechtfertigen sind, haben die Grünen auch den Klagsweg gewählt – und das sehr erfolgreich. Bisher wurden ca. 40 Verfahren wegen Hasspostings (hauptsächlich gegen die ehemalige Bundessprecherin Eva Glawischnig) auf Social-Media-Plattformen geführt, und bis auf eines wurden alle gewonnen bzw. erfolgreich verglichen. Die Grünen erzielten auch einen viel beachteten juristischen Präzedenzfall, indem sie erwirkten, dass Facebook Hasspostings nicht nur in Österreich, sondern weltweit löschen muss.

Wir Grüne wollen:
  • eine massive Aufstockung der Mittel für eine effektive Gewaltprävention in Österreich
  • ausreichende Frauenhaus-Plätze für Betroffene österreichweit
  • die Ausweitung der Schutzmaßnahmen für Opfer von Frauenhandel, vor allem eine deutliche Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis
  • strafrechtliche Maßnahmen zur einfacheren und effektiveren Ahndung von Hate Speech im Internet
  • Schmerzensgeld-Anspruch für Vergewaltigungsopfer bei körperlichen Verletzungen und psychischem Leid​​​​
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