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am 16. August

Gift im Ei: Mehr Sicherheit und Transparenz

Rudi Anschober - Der Giftskandal bei den Eiern zeigt einmal mehr die Notwendigkeit von Herkunftsangaben auch bei verarbeiteten Lebensmitteln.

„Gift in Lebensmitteln kennt keine Grenzen – das beweist der Fipronil-Skandal. Wir Grüne wollen daher eine Herkunftsangabe auch bei verarbeiteten Lebensmitteln.“
Ulrike Lunacek, Spitzenkandidatin für die Nationalratswahl

SO GEHT ES: KENNZEICHNUNG BEI FRISCHEIERN

​Nach Funden von Eiern und Eierprodukten in Deutschland, den Niederlanden und Belgien,​ die mit dem Insektizid Fipronil (s. Info-Box unten) belastet sind, ist es jetzt zu bestätigten Fällen in Österreich gekommen. Dieser Lebensmittel-Skandal zeigt, dass wir bei der Kennzeichnung noch weitere Schritte brauchen. Aktuell kann die Herkunft von Eiern, die in Produkten sowie in der Gastronomie verarbeitet werden, von den KonsumentInnen nicht nachvollzogen werden. Dass Transparenz von Herkunft und Haltungsform aber möglich ist, zeigt die vorbildliche Kennzeichnung von Frischeiern in Österreich, die auf die Schale aufgestempelt wird.​

In Österreich werden durchschnittlich 230 Eier pro Kopf und Jahr gegessen. Bei Frischeiern können KonsumentInnen durch ihr Einkaufsverhalten aktiv entscheiden, wie die Hennen leben dürfen: Ein Blick auf die Kennzeichnung direkt auf den Eierschalen ermöglicht es, Herkunftsland und Haltungsform zu erfahren und damit bewusst tier- und umweltfreundlich einzukaufen. Woran man ein ​​gesundes Ei​ erkennen kann, ist hier nachzulesen​.

„Rund 60 Prozent aller Eier werden in der Gastronomie, in Großküchen oder über die Lebensmittelindustrie, als Zutat verarbeitet. Hier zählt oftmals vor allem der Preis.“
Rudi Anschober, oberösterreichischer Landesrat

Eier aus Drittländern, deren nationale Bestimmungen nicht einmal den ausgestalteten Käfig vorschreiben, sind dabei besonders günstig. Obwohl die konventionelle Käfighaltung in der EU seit 2012 verboten ist, sind Eier aus dieser Haltungsform nach wie vor auch in Österreich im Umlauf – etwa verarbeitet in Kuchen, Nudeln und anderen Produkten. Zehntausende Tonnen an Eiprodukten gelangen aus China, Singapur und Mexiko auf den europäischen Markt.

mehr sicherheit und Transparenz

Damit der bewusste Einkauf und Genuss für KonsumentInnen auch über die Frischeier hinaus möglich ist, fordern wir Grüne eine Kennzeichnung der Herkunft und Haltun​gsform auch bei eihaltigen Produkten sowie in der Gastronomie bzw. in der Gemeinschaftsverpflegung (Betriebskantinen, etc.). Nur so haben die KonsumentInnen Wahlfreiheit, Transparenz und Sicherheit darüber, was auf ihre Teller kommt.

Wir Grüne wollen:

  • eine verbindliche Herkunfts- und Haltungsformkennzeichnung für verarbeitete Lebensmittel.
  • eine verbindliche Herkunfts- und Haltungsformkennzeichnung in der Gastronomie bzw. Gemeinschaftsverpflegung (Betriebskantinen etc.).
„KonsumentInnen brauchen keine vollmundigen Absichtserklärungen der Regierung. Es müssen endlich Taten folgen.“
Wolfgang Pirklhuber, Sprecher für Lebensmittelsicherheit

REGIERUNG seit 2009 säumig

Verantwortlich für die mangelnde und nicht vorhandene Kennzeichnung von Lebensmitteln sind ÖVP und SPÖ, die unsere Anträge auf die lange Bank geschoben haben. 

Unser Sprecher für Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit Wolfgang Pirklhuber hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Anträge zur Lebensmittel-Kennzeichnung im Parlament eingebracht. Zwar ist eine von uns Grünen 2009 gestartete Initiative einstimmig beschlossen worden. Seitdem ist jedoch nichts geschehen. Zuletzt wurden unsere Anträge im Gesundheits- und im Landwirtschaftsausschuss im Juni 2017 zum x-ten Mal vertagt. ​

​"Bei jedem Lebensmittelskandal ist es das Gleiche: Alle Parteien fordern mehrt Transparenz durch bessere Kennzeichnung der Lebensmittel. Doch kaum ebbt der Skandal ab, wird dies von den Regierungsparteien wieder vergessen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis nach dem Eier-Skandal der nächste Lebensmittelskandal in Österreich ankommt. Wir fordern die Regierung auf, endlich im Sinne des KonsumentInnenschutzes aktiv zu werden​", sagt Pirklhuber.

Es braucht:

  • die Förderung von Klasse statt Masse – Steuergeld für eine nachhaltige kleinstrukturierte Landwirtschaft und nicht für anonyme Agrar-Konzerne.
  • die Einführung einer verpflichtenden und transparenten Produktkennzeichnung für alle tierischen Produkte, bei welcher auch das Tierwohl (z.B. Tierhaltung, Zucht, Fütterung) einfach erkennbar und anschaulich dargestellt wird.
  • ein Gütesiegelgesetz, welches die Auslobung der Herkunft, den Aspekt der Regionalität und die Bewerbung von Tierschutz und Gentechnikfreiheit umfasst.
  • Konsequente Kontrollen und transparente Veröffentlichung der Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen und Untersuchungen.

Info-box: fipronil

Fipronil kann das Nervensystem schädigen. Es wird in Pflanzenschutzmitteln und Mitteln gegen Parasiten verwendet. Eine Anwendung bei Nutztieren ist nicht zulässig.

​Nach derzeitigem Kenntnisstand gelangte Fipronil über ein Reinigungsmittel aus den Niederlanden in die Betriebe

Das Insektizid war dem Reinigungsmittel Dega-16 (ein zugelassenes Präparat aus Eukalyptusöl, Menthol und anderen ätherischen Ölen) unerlaubt beigemischt worden. Über das Hühnerfutter ist es in die Eier gelangt. Das auf Reinigungsarbeiten spezialisierte niederländische Unternehmen "ChickFriend" hatte das Mittel vom belgischen Lieferanten Poultry-Vision bezogen. Bei einer Durchsuchung des Lieferunternehmens, das auch mit Insektiziden handelt, sollen größere Mengen Fipronil gefunden worden sein. Nach Aussage des Lieferanten sei das belieferte Reinigungsunternehmen korrekt über das Mittel informiert worden.

Seit der Feststellung von Fipronil in acht von 110 österreichischen Eiproben hat die "Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit" (AGES) eine Infoline eingerichtet. Diese ist unter 050 555 555 erreichbar.​


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