"Bis heute hat sich keine einzige WKR-Mitglieds-organisation unseres Wissens nach öffentlich vom so genannten Waidhofener Prinzip, nach dem Juden "von Geburt aus ehrlos" seien, distanziert", kritisiert Karl Öllinger.
"Am WKR-Ball tanzen nicht nur peinlich kostümierte Manderln, sondern auch Vertreter von Organisationen, die es nicht schaffen, sich vom mörderischen Antisemitismus und Rassenhass ihrer Vorgänger öffentlich zu lösen."
Das so genannte Waidhofener Prinzip geht auf einen Beschluss der deutschnationalen Burschenschaften von 1896 zurück. In der von Arthur Schnitzler festgehaltenen Version heißt es unter anderem: Der Jude "ist ein ethisch tiefstehendes Subjekt. Der Verkehr mit einem Juden ist daher entehrend; man muss jede Gemeinschaft mit Juden vermeiden."
Noch im Jahr 1960 wurde die Gültigkeit des Waidhofener Prinzips bestätigt. "Wir wollen und können es von Nichtdeutschen gar nicht verlangen, dass sie sich zum Deutschtum bekennen und stehen auf dem allein burschenschaftlichen Standpunkt, dass somit auch der Jude in der Burschenschaft keinen Platz hat", schrieb die Innsbrucker Burschenschaft Suevia, ein Mitgliedsbund der Deutschen Burschenschaft. Und erst vergangenes Jahr deklarierten sich die deutschen Burschenschaften - wenn auch ohne explizite Erwähnung von Juden - in durchaus vergleichbarer Weise.
"Bis heute gibt es keine offizielle Distanzierung oder gar Entschuldigung der deutschnationalen Burschenschaften für ihren Rassismus und Antisemitismus", so Öllinger. "Morgen versammeln sich Vertreter dieser Hassideologie an der ersten Adresse dieser Republik, der Hofburg - noch dazu am internationalen Auschwitz-Gedenktag. Das kann nicht widerspruchslos hingenommen werden!"
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