Do, 24.05.2012

Vorrang für Frauen

„Frauenarbeitslosigkeit steigt. Immer mehr Frauen in Teilzeitjobs. Frauen, die beim beruflichen Aufstieg an die gläserne Decke stoßen. Frauen verdienen um ein Drittel weniger als Männer.“ Diese und ähnliche Meldungen haben sich in den letzten Jahren in Österreich gehäuft. Sie stehen in engem Zusammenhang mit der Politik der Bundesregierung. Durch das Auseinanderklaffen von Kündigungsschutz und Kindergeldbezug stehen Frauen nach der Karenz oft ohne Arbeit da. Billige und meist nicht zielgerichtete AMS-Kurse bringen Frauen nicht zurück in die Arbeitswelt sondern höchstens raus aus der Arbeitslosenstatistik. Die seit Jahren steigende Frauenarbeitslosigkeit muss eingedämmt werden. Benachteiligungen am Arbeitmarkt haben langfristige negative Auswirkungen.

Vorrang für Frauen auf dem Arbeitsmarkt

Spezielle Programme für Wiedereinsteigerinnen, eine aktive(re) Arbeitsmarktpolitik und gezielte Qualifikationen für Frauen sowie die Förderung von Betrieben, die Frauen fördern, sollen die Jobchancen von Frauen verbessern. Eine Aktion Frauen plus würde zusätzliche 10.000 neue Jobs für Frauen schaffen, indem bei Neuanstellung zwei Drittel der Jahreslohnkosten übernommen werden. Profitieren würden davon insbesondere Frauen nach mehrjährigen Berufsunterbrechungen oder ab 35 Jahren. Mit einem arbeitsmarktpolitischen Paket aus Schulung, Einstiegsberatung und Unterstützung bei der Kinderbetreuung würde 15.000 Frauen der Wiedereinstieg in eine Standardbeschäftigung erleichtert. Wir Grüne setzen dabei auf gezielte und qualitätsvolle Qualifikation, anstatt auf Alibi-Schulungen. Darüber hinaus gilt es den Wechsel zwischen Vollzeit- und Teilzeitjobs zu vereinfachen, damit Teilzeitarbeit nicht mehr in die berufliche Sackgasse führt. Ein Mindestlohngesetz sichert gerade auch Frauen ein existenzsicherndes Einkommen aus ihrer Arbeit.

Vorrang für Frauen im Betrieb

Noch immer stoßen viele Frauen im Berufsleben an die sogenannte gläserne Decke. Frauen sind in den Führungsetagen oder Aufsichtsräten weit unterrepräsentiert. Wir möchten die Wirtschaftsförderung für Betriebe ab einer gewissen Höhe an eine Gleichbehandlungsbilanz der geförderten Unternehmen knüpfen, um Anreize für eine verstärkte Frauenbeschäftigung und mehr Einkommensgerechtigkeit zu setzen. In Verwaltung und Politik würde eine 50-Prozent-Quote sicherstellen, dass Frauen Positionen entsprechend ihrer Leistungen erreichen. Besonders wichtig ist uns Grünen in diesem Zusammenhang eine Erhöhung des Frauenanteils in der Universitäts- und Forschungslandschaft, in der Frauen in Österreich nur marginal vorkommen.

Vorrang für Frauen beim Wiedereinstieg

Bei der privaten Arbeitsteilung gibt es nach wie vor eine Schieflage zulasten von Frauen. Die Politik muss entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, damit eine partnerschaftliche Teilung von Familien- und Berufsarbeit zwischen Männern und Frauen möglich wird. Wesentlich dabei ist, dass die Karenzzeit von beiden Elternteilen in aktiver Mutter- und Vaterschaft und flexibel als Voll- oder Teilkarenz genutzt werden können muss. Gleichzeitig ist sicher zu stellen, dass in dieser Lebensphase das Karenzgeld zum Leben reicht. Wir Grünen treten für die Einführung eines einkommensabhängigen Karenzgeldes (80 Prozent des Einkommens) für acht Monate pro Elternteil ein. 730 € stellt das Mindestkarenzgeld für alle dar, solange keine umfassende Grundsicherung dies anders regelt. Um Beruf und Kinder vereinbaren zu können, ist die Schaffung von mindestens 5.000 qualitativ hochwertigen und zeitlich flexibel zugänglichen Kinderbetreuungsplätzen pro Jahr notwendig. Speziell für unter 3-Jährige und in der Nachmittagsbetreuung von SchülerInnen müssen Angebote geschaffen werden.

Die nach wie vor bestehenden vielfältigen Benachteiligungen von Frauen zeigen, dass die Forderung nach gleichem Recht auf Einkommen, Karriere und Selbstbestimmung für Frauen aktueller ist denn je.



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