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Hochschulzugang

Die Grünen stehen für einen sozial gerechten und offenen Hochschulzugang. Um aber auch ein Mindestmaß an Ausbildungsqualität zu garantieren, bedarf es einer massiven Aufstockung des Universitätsbudgets. Die Grünen bekennen sich zum Ziel die – im OECD-Schnitt vergleichsweise niedrige - Studierendenzahl zu erhöhen. Anstatt wenig aussagekräftige Eingangstests durchzuführen plädieren wir daher für Studieneingangsphasen und insbesondere für Maßnahmen, um bildungsfernen Schichten den Zugang zum Studium zu erleichtern.

Inhalt:


Problemaufriss

Obwohl die Politik sich über Jahrzehnte zum offenen Hochschulzugang bekannte, wurden den Universitäten die dafür notwendigen Ressourcen vorenthalten. Die Betreuungssituation für die Studierenden verschlechterte sich zunehmend (an der Uni Wien muss sich einE ProfessorIn bereits um 224 StudentInnen kümmern; Quelle: APA, 25.9.07).

Insbesondere in den sogenannten „Massenfächern“, konnte eine qualitativ hochwertige Ausbildung kaum mehr garantiert werden. Studienverzögerungen und geringe Behalteraten waren die Folge. Hörsäle sind überfüllt, die Wartelisten an den Medizinuniversitäten werden immer länger (derzeit warten 233 Studierende an der Medizin Universität Wien darauf ihr Studium fortsetzen zu können), Laborplätze sind mangelhaft.

Österreich - so mahnt die OECD - muss sich bemühen, mehr StudentInnen eine bessere Ausbildung zu ermöglichen und die Budgetierung des tertiären Bildungssektors zu erhöhen. Die Hochschulübertrittsquote (Prozentsatz derjenigen, die nach der Matura ein Studium beginnen) ist im internationalen Vergleich äußerst gering.

In Österreich studieren lediglich 37 Prozent eines Altersjahrgangs, im OECD-Ländermittel sind es 54%, in Australien, Schweden, Island und Finnland sogar über 73% (Bildung auf einen Blick, OECD-Indikatoren 2007, S.325). Die AkademikerInnenquote liegt mit 18% deutlich unter dem OECD-Schnitt von 26% (in Kanada liegt sie bei 46%, in Finnland bei 34% und in Schweden bei 30%; ebd.: S.40). Um den OECD Schnitt an Studierenden zu erreichen, bräuchte Österreich 100.000 Studienplätze mehr.

Die vergleichsweise geringe Anzahl Studierender ist vor dem Hintergrund zu betrachten, dass in Österreich nach wie vor die soziale Herkunft wesentlich darüber entscheidet, ob ein Studium begonnen wird oder nicht (Studierenden-
Sozialerhebung 2006, S.22-37 sowie S.49f). Studierende aus bildungsfernen Schichten sind auf Universitäten deutlich unterrepräsentiert. Daran hat auch der offene Hochschulzugang nur wenig geändert.

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Grüne Position - Grüne Forderungen

Die Grünen stehen für einen sozial gerechten und offenen Hochschulzugang. Nur ein breiterer Zugang zu höherer Bildung kann den Fähigkeiten junger Menschen gerecht werden, ihnen mehr Chancen in der Zukunft eröffnen und erlaubt letztlich auch die vielfach gewünschte Exzellenz. Um gleichzeitig auch die Ausbildungsqualität zu verbessern, bedarf es einer raschen und substantiellen Aufstockung des Universitätsbudgets. Um zu den Bildungsdaten führender OECD Nationen aufzuschließen bräuchte Österreich 100.000 Studierende mehr. Wir Grüne bekennen uns dazu.

Die Übertritte vom Sekundarbereich zu Universitäten und Fachhochschulen müssen fließender gestaltet werden und atypische Zugänge sind zu unterstützen. Statt wenig aussagekräftigen Eingangstests sollen Maßnahmen zur Erhöhung der Treffsicherheit der Studienwahl gesetzt, und bessere Studieneingangsphasen etabliert werden. Ziel muss es sein den Zugang von Kindern bildungsferner und einkommensschwacher Schichten in den tertiären Bildungssektor zu erhöhen.

Eingangstests, deren fragwürdige Aussagekraft von ExpertInnen (1) bestätigt wird und durch mangelnde Ressourcen bedingte Studienplatzbeschränkungen können maximal als Notwehraktionen betrachtet werden, bieten aber keine nachhaltige und keine bildungspolitisch gewünschte Lösung der Misere.

Angesichts der im internationalen Vergleich niedrigen AkademikerInnenzahl und Übertrittsquote wäre es kurzsichtig, die Zahl der Studierenden aufgrund der derzeit knappen Ressourcen an den Universitäten zu reduzieren. Wie von der OECD gemahnt wollen wir durch Aufstockung der Ressourcen die Zahl der Studierenden erhöhen und Maßnahmen setzen um auch Kindern aus bildungsfernen und einkommensschwachen Elternhaushalten eine höhere Ausbildung zu ermöglichen.

Für einen sozial fairen und offenen Hochschulzugang, der auch eine hochwertige Ausbildung ermöglicht, bedarf es mehrerer Maßnahmen:

1. Anhebung des Universitätsbudgets

Nur mit einer deutlichen Steigerung des Universitätsbudgets um 10 Prozent jährlich ist eine qualitativ hochwertige Ausbildung für alle Studierende möglich.


2. Verbesserung der universitären Infrastruktur durch Beschleunigung und Erweiterung schon existierender Sanierungs- und Bauprogramme

Anleihen- und kreditinvestierte Umsetzungen von bedarfsorientierten Bau- und Sanierungskonzepten beleben nicht nur die Wirtschaft sonder ermöglichen den Anschluss an internationale Standards. Zusätzlich gewähren diese Maßnahmen auch die Einhaltung von ArbeitnehmerInnenschutzbestimmungen, ohne diese ein Betrieb wie bisher nicht mehr zu rechtfertigen ist.

3. Studieneingangsphasen statt Tests

In zwei- oder mehrsemestrigen Studieneingangsphasen haben StudentInnen die Möglichkeit sich zu bewähren. Sie wählen ein Bündel fachverwandter Fächer die sich durch ähnliche Lehrinhalte am Studienbeginn anbieten. Welches von diesen dann weiterstudiert wird, entscheiden Studierende durch ihre Leistungen, ihr Interesse und ihre Einschätzung zukünftiger Perspektiven im jeweiligen Fach. Dabei erworbene Qualifikationen werden angerechnet.

Die Treffsicherheit der Studienwahl wird sich dadurch erhöhen und die „drop out rate“ wird sinken. Die Anwesenheitspflicht wird aufgrund des möglichen hohen Zustroms durch andere Kriterien ersetzt (statt „du musst da sein“ – „du musst können“), neue und audiovisuelle Lehr- und Lernmethoden werden vermehrt angeboten. HochschullehrerInnen werden diesbezüglich besser geschult und auch aufgrund ihrer Lehrleistungen bewertet). Die oft kritischen Stadien des Studienbeginns sollten durch vermehrten Einsatz von TutorInnen und MentorInnen bewältigt werden um unnötige Frühabbrüche hintanzuhalten.

4. Zugang für bildungsferne Schichten erleichtern und fördern

Die soziale Selektion beginnt bereits in der Schule. Aufgrund der frühen Trennung in Hauptschule und AHS geht uns eine große Gruppe potentieller StudentInnen verloren. Der Zugang zum Hochschulstudium kann also nicht unabhängig vom Schulsystem betrachtet werden. Daher bekennen sich die Grünen zur gemeinsamen Schule aller, zur Förderung individueller Begabungen wie zu adäquater Hilfe bei Teilleistungsschwächen.

Dazu bedarf es noch folgender Maßnahmen:

  • Ab der 7. Klasse werden verstärkt Schnupperwochen an Universitäten und Informationstage an Schulen angeboten. Damit wird der Übergang von Schule zu Universität erleichtert.
  • Breite Bildungsberatung bereits an allen Schulen (nicht nur AHS!), die über Vielfalt und Bandbreite und was angehende StudentInnen erwartet ausführlicher als bisher informiert.
  • Die Studienberechtigungsprüfung wird attraktiviert und reformiert (z.B. Begleitung mit MentorInnen, unbürokratischere Gestaltung, attraktivere Einstiegskurse).


Dadurch und durch gezielte Förderung anderer unbürokratisch zu bewältigender atypischer Zugänge wird die Hochschulübertrittsquote steigen.

5. Studienplatzbewirtschaftung

Eine Studienplatzbewirtschaftung zeigt auf wie viel Geld die Universitäten für eine hochwertige Ausbildung einesR StudentIn benötigen. Durch die Offenlegung der begrenzten Anzahl an Studienausbildungsplätzen und Notwendigkeiten für Studienverbesserungen werden die budgetären Defizite augenscheinlich. Unter diesen Voraussetzungen kann von den Universitäten jene Budgetierung eingefordert werden, die die Zielerreichung einer qualitativ hochstehenden Ausbildung für immer breitere Schichten gewährleistet.

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Verantwortlich für den Inhalt: Prof. Dr. Kurt Grünewald, Grüner Universitätssprecher und Abgeordneter zum Nationalrat; Mag.a Christina Heintel, ehem. Universitäts-und Forschungsreferentin des Grünen Klubs im Parlament.


(1) Etwa Dr. Oskar Frischenschlager vom Institut für medizinische Psychologie: derartige Tests treffen keine Aussage über den möglichen Studienerfolg derer, die den Test nicht bestanden haben, ebenso keine Aussage über die berufliche Eignung - und sind außerdem mit hohen Kosten verbunden.