"Eine Verlängerung des EU-Moratoriums zur Quotenregelung im Medizinstudium wäre ein wichtiger Schritt. Ich halte es allerdings für mehr als unsicher, dass dieser Wunsch in der EU auf Zustimmung stoßen wird", reagiert unser Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald auf die heutigen Aussagen von Wissenschaftsministerin Karl vor Beginn des EU-Bildungsrats in Brüssel. "Ich erwarte mir daher von Karl das, was Gehrer und Hahn ihre gesamte Amtszeit hindurch zu mühsam war. Die Forcierung einer europäischen Lösung für die Studierenden", so Grünewald.
Die Situation, die durch die große Anzahl deutscher Studierender an den österreichischen Medizinischen Universitäten entsteht, wird immer schwieriger. "Unabhängig von den Bemühungen, die EU von der Notwendigkeit einer Verlängerung der 'Schonfrist' zu überzeugen, muss das System von Notwehraktionen und anderen kurzfristigen Notlösungen ein Ende haben", fordert Grünewald. "Erhöhte Mobilität Studierender ist ein wichtiges Bologna-Ziel, aber es fehlen die Begleitmaßnahmen dazu". Wenn sich die EU als wissensbasiertester Raum präsentieren möchte, müssen auch vermehrt Anstrengungen unternommen werden, um die Zahl der Studierenden zu erhöhen und die dafür notwendigen Budgets national abzusichern. "Wenn die einzelnen Länder zur Erreichung dieses Ziels die Zahl ihrer Studienplätze erhöhen, könnte dies auch den Druck auf Österreich senken", so Grünewald, der auch das skandinavische Modell der Transferzahlungen für eine Möglichkeit hält, die gegenwärtige Situation zu entschärfen.