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Umweltschutz als Wachstumsmotor

Umwelttechnologien wie z.B. Abwasseraufbereit-
ungsanlagen, Abfallrecycling, hocheffiziente Holzheizungen oder Passivhäuser sind ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz, aber auch eine große Zukunftshoffnung für die heimische Wirtschaft. Österreichs Öko-Industrie hat zu Recht einen hervorragenden Ruf. Allerdings fehlt es an einem klaren Strategieplan, um diese Branchen bestmöglich zu unterstützen. Da zeigt die Bundesregierung zu wenig Engagement. Dabei ist dieser Bereich das Paradebeispiel dafür, wie Klimaschutz und umweltgerechte Entwicklung mit Wachstum, Beschäftigung und Exporterfolgen vereinbar ist. Auch das WIFO empfiehlt eine stärkere Unterstützung der Umwelttechnologien.

Inhalt:

Problemaufriss

Umwelttechnologien und eine gezielte Technologiepolitik leisten einen entscheidenden Beitrag für ein ressourcen- und umweltschonendes Wachstum. Umwelttechnologie schafft Umsatz, Wertschöpfung, Innovation, Exporterfolge, Arbeitsplätze und wirkt konjunkturbelebend. Die Umweltindustrie wird im 21. Jahrhundert weltweit einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige sein. Bereits heute erwirtschaftet sie weltweit rd. 1.000 Milliarden Euro im Jahr, bis 2020 mehr als eine Verdopplung zu erwarten.

Die Umweltindustrie in der EU wuchs seit 1999 jährlich um durchschnittlich 7 %, setzte 2004 ca. 227 Milliarden Euro um (das waren 2,2 % des Bruttoinlandsprodukts der EU-25) und beschäftigte damit rd. 3,4 Mio. Menschen. Österreich ist gut positioniert und hat hervorragende Chancen, eine weltweite Führungsrolle zu erlangen. Mehr als 185 Milliarden Euro sollen in den nächsten Jahren zur Verbesserung der Umweltsituation in den neuen EU-Mitgliedstaaten investiert werden. Österreich kommt als Brücke zum Osten bei der Sanierung der Umwelt eine besondere Rolle zu. Auch Länder wie China oder Indien bieten riesige Potentiale für Österreichs Umweltwirtschaft.

Die Öko-Industrie erwirtschaftet in Österreich schon heute einen Umsatz von knapp 6 Milliarden Euro, zwei Drittel davon im Export, und beschäftigt über 22.000 Menschen (Quelle: WIFO 2008). Österreich ist in Technologien wie Abfallwirtschaft, Abwasserreinigung, Altlastensanierung, Solarenergie oder Technologien zur Luftreinhaltung teilweise weltweit führend. Dieser Markt soll durch gezielte Programme, Projekte und Rahmenbedingungen gestärkt und ausgebaut, Österreich als weltweit aktive Umwelttechnik-Region positioniert werden.

Leider droht Österreich in Schlüsselbereichen den Anschluss zu verlieren, weil die Bundesregierung im Bereich Umwelttechnologie keine Gesamtstrategie hat, wichtige Wirtschaftsbereiche nicht ausreichend unterstützt und durch umweltpolitische Versäumnisse (etwa beim Klimaschutz oder Ökostrom) dieser Zukunftsbranche im Inland den Boden unter den Füssen wegzieht.

Die gezielte Unterstützung einer starken heimischen Öko-Industriebranche ist aus Sicht der Grünen ein Schlüsselprojekt. Ein starker Heimmarkt für Umwelt- und Technologien für erneuerbare Energie und Energieeffizienz ist der Garant für künftige Exporterfolge. Damit können ein umweltgerechtes Wirtschaftswachstum, die Schaffung Zehntausender Arbeitsplätze, das Erreichen der Klimaschutzziele und die Entlastung des Budgets sinnvoll verbunden werden. Vorraussetzungen für eine erfolgreiche Ökoindustrie sind eine aktive Umweltpolitik (Österreichs heutige Exporterfolge etwa im Bereich Abfalltechnologie sind v.a. darauf zurückzuführen, dass Österreich im EU-Vergleich sehr frühzeitig entsprechende gesetzliche Grundlagen etwa für Abfalltrennung und -entsorgung geschaffen hat und sich ein starker Heimmarkt entwickelt hat.).

Auch im Forschungsbereich muss es mehr Unterstützung und einen gezielten Mitteleinsatz geben. Eine Gesamtstrategie muss die Interessen österreichischer Ökotech-Unternehmen bündeln und organisieren. Vor allem im Bereich von Energie- und Klimaschutztechnologien ist ein entwickelter Heimmarkt von essentieller Bedeutung, schafft herzeigbare Erfolge und schafft damit Exportmöglichkeiten. Grundlage dazu ist aber eine ambitionierte Klimaschutz-, Energie- und Umweltpolitik. Details siehe "Klimaschutz", "Energiewende" und "Energiesparen ohne Komfortverlust"

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Grüne Position

Umwelttechnologie-Aktionsplan für Österreich

  • Aufbau eines österreichweiten Umwelttechnik-Clusters, um den vielen Klein- und Mittelbetrieben im Bereich Umweltwirtschaft die Erschließung neuer Märkte zu erleichtern
  • Einrichtung eines Grünen Investmentfonds zur Mobilisierung von Risikokapital für Öko-Innovationen in kleine und mittelständische Betriebe
  • Exportoffensive: Erschließung neuer Märkte wie z.B. China durch Exportförderinstrumente und optimale Abstimmung aller Behörden, Institutionen und Förderstellen
  • Schaffung einer Trade Mark "Umwelttechnik Made in Austria"
  • Offensive für ein umweltgerechtes öffentliches Beschaffungswesen fördert Umwelttechnologien durch Aufträge der öffentlichen Hand

Umwelttechnologie aus den Forschungslabors auf den Markt bringen

  • Umweltforschungsoffensive: Verstärkte Etablierung von branchenspezifischen Technologieplattformen und Forschungszentren zum Testen von Umwelttechnologien, vor allem für Klein- und Mittelunternehmen
  • Steigerung der Investitionen in F & E in die Umwelttechnik

Bessere Marktbedingungen für Öko-Industrien schaffen

  • Abbau von umweltschädlichen Subventionen
  • Umwelttechnik-Bildungsoffensive: Schaffung neuer Studienzweige, neuer Fachhochschullehrgänge und neuer Berufsbilder wie z.B. ÖkoinstallateurIn
  • Verbesserung des Patentschutzes für die österreichische Umweltwirtschaft

100.000 neue Arbeitsplätze durch Umwelttechnik Made in Austria

  • Umwelttechnik-Offensive in neuen EU-Staaten und Südeuropa - von Albanien bis Zypern in den Bereichen Energie, Wasser, Abfall und Luftreinhaltung.
  • Die gute Position heimischer Unternehmen am Weltmarkt bei Effizienz-, Solar-, Mobilitäts- und Biomassetechnologien wird durch die volle Unterstützung am Heimmarkt gestärkt.
  • Verstärkte Investitionen in Wohnbausanierung und Wärmedämmung, Heizkesselerneuerungen, erneuerbare Energien und öffentlichen Verkehr Bsp. Kläranlagen: Österreichische Firmen haben in diesem Bereich v.a. bei mittleren und kleineren Anlagen sehr großes Know How, der Heimmarkt ist so gut wie flächendeckend versorgt, heimische Unternehmen müssen und wollen in den Export gehen, um Kapazitäten auszulasten. Das muss durch Umsetzung einer entsprechenden Gesamtstrategie unter Einbindung aller Akteure (Firmen, Ministerien, WKÖ, Aussenhandelsvertretungen etc.) gut organisiert werden.


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Fallbeispiele

Ausgewählte Beispiele: Umwelttechnologie in Österreich

Abfallwirtschaft

  • Über 800 heimische Betriebe im Bereich Abfallsammlung und -behandlung (Sammlung, Behandlung, Transport, Sortierung, Deponierung, thermische Verwertung).
  • Beschäftigte: ca. 25.000, Umsatz ca. 2,8 Mrd. Euro
  • Diese Branche stellt einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Österreich dar und nimmt europa- und weltweit eine Vorreiterrolle ein. Wassertechnologie und Abwasserwirtschaft
  • Wasseraufbereitungstechnologien (Filter, Enthärter, Dosierer, Desinfektions-techniken, Ionenaustauscher, Membrananlagen, Trinkwasseraufbereitung etc.): Ca. 260 österreichische Unternehmen mit 3.800 Beschäftigten (2002), Bruttoumsatz: 280 Mio. Euro

Energieversorgung

Vor allem bei erneuerbare Energien zählt Österreich in einigen Bereichen zur Weltspitze. Zwei Bereiche stechen dabei besonders heraus:

  • Solarthermie (also Sonnenkollektoren für Warmwasser und Heizung)
  • Biomasse-Heizkessel In beiden Bereichen ist Österreich Weltmarktführer und technologisch Weltspitze. Ein weiterer Bereich, in dem Österreich die Technologieführerschaft in Europa inne hat ist die Wasserkraft.

Ökoenergien: Erfolgsstories Österreichischer Unternehmen

  • Die Firma Green-One-Tech (Kärnten), 400 MA mit 60 Mio. Euro Umsatz, ist Europas größter Hersteller von Solaranlagen
  • Die Firma AKS-Doma (Vorarlberg), ist weltweit erfolgreichster Hersteller von fassaden-integrierten Solarkollektoren; Wachstumsrate 100%/Jahr!
  • Das Unternehmen Fronius (Oberösterreich), einer der weltweit führenden Hersteller von Wechselrichtern für Photovoltaikanlagen; Wachstumsrate 30%/Jahr.
  • KWB (Steiermark), führender Hersteller von Kleinfeuerungsanlagen/Pelletsheizungen; hatte 1994 drei MA, heute über 180, davon 23 im eigenen Entwicklungszentrum, der Umsatz liegt bei 50 Mio. Euro; österreichische Unternehmen sind bei Pelletsheizungen weltweit führend, z.B.: Ökofen, Windhager, Fröling, SHT etc.; alle mit mehr als 30% Wachstumsrate/Jahr.
  • Bei der Herstellung großer Biomassekessel (für Fernheizwerke und Kraftwerke) sind österreichische Unternehmen weltweit technologisch führend (niedrigste Emissionen, höchster Wirkungsgrad). Firmen wie Kohlbach, Urbas, Mavera oder Köb wachsen ebenfalls rasant.
  • Elin: einer der weltweit führenden Produzenten von Generatoren für Windkraftanlagen; Im Jahr 2002 haben österreichische Unternehmen im Bereich Windkraft für 80 Mio. Euro exportiert; Importe: 40 Mio. Euro.
  • Firma Solid: Weltmarktführer für solare Großanlagen (thermisch, > 1000 m2)

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Harte Fakten

Ökoindustrien in der EU (Quelle: EU-Kommission; Studie aus 2006, Daten beziehen sich auf 2004)Die Ökoindustrie der EU erwirtschaftet für Güter und Dienstleistungen einen Jahresumsatz von rund 227 Mrd. Euro. Davon entfallen rund 145 Mrd. Euro auf die Verschmutzungskontrolle und saubere Technologien, rund 82 Mrd. auf das Ressourcenmanagement (einschließlich Anlagen für erneuerbare Energie). Damit sind die Umsätze bei Verschmutzungsbekämpfung und sauberen Technologien seit 1999 um 17 % gestiegen (bezogen auf die EU-15). In der EU beschäftigt die Ökoindustrie (direkt und indirekt) 3,4 Mio. Menschen.

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Verantwortlich für den Inhalt: Dr.in Ruperta Lichtenecker, Abgeordnete zum Nationalrat, Wirtschafts- und Technologiesprecherin und ehem. Umweltsprecherin, DI Andreas Veigl, Umweltreferent des Grünen Parlamentsklubs