Die Grünen fordern die rasche Umsetzung von wirksamen Maßnahmen zur Reduktion der Feinstaubbelastung. Feinstaub-belastete Luft ist eine gravierende Gesundheitsgefahr. Kinder und ältere Menschen sind besonders betroffen. Hauptverursacher sind Verkehr, Industrie, Hausbrand und Landwirtschaft. Zuständig sind insbesondere das BMLFUW (bisher BM Pröll) und die Bundesländer. Maßnahmen müssen daher gleichzeitig auf Bund-, Länder- und Gemeindeebene umgesetzt werden. Das Problem ist seit Jahren akut, die Lösungen liegen am Tisch.
Inhalt:
Die gesundheitsgefährdende Feinstaubbelastung in Österreich nimmt seit Jahren zu - sowohl was die Feinstaubkonzentration als auch was die flächenhafte Ausdehnung anbelangt. Kurze Erleichterungen gehen nur auf warme Winter zurück.
BM Pröll und einige Bundesländer verabsäumen es trotzdem weiterhin, wirksame Gegenmaßnahmen zu setzen. Feinstaub-belastete Luft ist eine gravierende Gesundheitsgefahr. Kinder sind besonders betroffen.
Zurück
Die zentralen Forderungen der Grünen
Ein wirksames Feinstaubgesetz
Maßnahmen in den Bereichen Verkehr, Industrie & Gewerbe, Haushalte (Auswahl)
*) Zur Ausrüstung von Dieselfahrzeugen mit Partikelfiltern:
Dies ist eine wirkungsvolle Maßnahme, um die Emission von Dieselrußpartikeln stark zu reduzieren. Auf Druck der Grünen hat die Bundesregierung im Herbst 2004 steuerliche Anreize für den Kauf von Neu-PKW mit Partikelfilter gesetzt. Ab Mitte 2005 soll der Ankauf von Neu-PKW mit Partikelfiltern steuerlich begünstigt, der Ankauf von Neu-PKW ohne Partikelfilter steuerlich bestraft werden (Bonus-Malus-System bei der Normverbrauchsabgabe). Dies ist ein erster winziger Schritt, der von den Grünen zwar begrüßt wird, jedoch keineswegs ausreicht, um das Problem in den Griff zu bekommen. Nur eine flächendeckende Ausrüstung auch von gebrauchten PKW und LKW mit Partikelfilter kann die gesundheitsschädlichen Rußpartikel vermeiden.
Zurück
Feinstaub: was ist das?
Staub ist ein komplexes, heterogenes Gemisch aus festen bzw. flüssigen Teilchen, die sich hinsichtlich ihrer Größe, Form, Farbe, chemischen Zusammensetzung, physikalischen Eigenschaften und ihrer Herkunft bzw. Entstehung unterscheiden. Üblicherweise wird die Staubbelastung anhand der Masse verschiedener Größenfraktionen beschrieben.
Die Größe der Partikel ist aus hygienischer Sicht von entscheidender Bedeutung, da sie die Eindringtiefe in den Atemwegstrakt bestimmt. Als Feinstaub (PM10) werden Staubpartikel mit einem Durchmesser von weniger als 10μm (1 Mikrometer = 1/1000 Millimeter) bezeichnet. Die mikroskopisch kleinen Feinstaubpartikel können bis tief in die Lunge gelangen und sind daher besonders gesundheitsschädlich.
Feinstaub: Woher kommt er?
Die wesentlichen Verursacher von Feinstaub sind die Sektoren Industrie, Verkehr, Landwirtschaft, Kleinverbraucher und teilweise der Ferntransport aus dem Ausland. Der Sektor mit den größten Zuwachsraten ist der Straßenverkehr. Hauptverursacher ist hier Rußpartikel aus Dieselfahrzeugen, sowie Abrieb an Reifen und Bremsen und das Aufwirbeln von Streusplitt.
Hauptverantwortlich für die hohen Zuwachsraten aus dem Verkehr sind neben der Zunahme des LKW-Verkehrs v.a. der in den vergangenen Jahren in Österreich enorm gestiegene Dieselanteil bei PKW bei Neuzulassungen. Besonders hohe Feinstaub-Belastungen weisen verkehrsnahe städtische Standorte auf. Bei vielen, vor allem innerstädtischen Gebieten und Ballungsräumen ist eindeutig der Straßenverkehr Hauptverursacher der Feinstaubbelastung. Vor allem LKW und Busse tragen überproportional zur Feinstaubbelastung bei.
Beispiel Steiermark: Verteilung von Feinstaub
52,2 % Verkehr | 26,1 % Industrie | 11,3 % Landwirtschaft | 10,4 % Hausbrand
(Quelle: Bericht der Feinstaub-Projektgruppe, Land Steiermark)
Zurück
"Inzwischen liegen Dutzende Studien vor, die zeigen, dass der statistische Zusammenhang von Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit mit der Schwebestaubbelastung signifikanter ist als mit anderen Luftschadstoffen." (Umweltbundesamt, Umweltkontrollbericht, 2001)
Feinstaub ist gesundheitsgefährlich. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass Feinstaub schwere Gesundheitsschäden und das Ansteigen der Sterblichkeitsrate aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen und Lungenkrebs verursachen. Laut Untersuchungen der WHO wurden im Jahr 2000 durch Feinstaub die durchschnittliche Lebenszeit der Bevölkerung in der EU25 um 8,2 Monate verkürzt.
In Österreich sterben laut einer aktuellen Studie der EU-Kommission (in Zusammenarbeit mit der WHO) mehr als 4.600 Menschen pro Jahr durch verkehrsbedingte Luftschadstoffe. Hauptverursacher ist Feinstaub. Die durchschnittliche Lebenserwartung der in Österreich lebenden Menschen verkürzt sich durch die Luftverschmutzung um 4 bis 6 Monate. In der gesamten EU sterben jährlich 288.000 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung.
Schwebestaubpartikel mit einem Durchmesser von mehr als etwa 10mm werden durch die Nase aus dem Luftstrom ausgefiltert oder lagern sich im Rachen ab. Kleinere Partikel, also die Feinstaubfraktion, gelangen in die Luftröhre und die Atemwege, diejenigen unter etwa 2 mm sogar bis in die kleinsten Bronchiolen und die Lungenbläschen.
Dr. David Groneberg, Pneumologe an der Berliner Charité, hat die Auswirkungen des schädlichen Feinstaubes untersucht. Er sagt: "Die kaum sichtbaren Partikel legen sich in unsere Atemwege. Folge: chronische Bronchitis, Lungenentzündung, Asthma, Bronchialkrebs, Krebs in den oberen Luftwegen, Schlaganfälle, Infarkte. Steigt die Konzentration von Schwebstaub um 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, gibt es drei Prozent mehr Asthmatiker, ein Prozent mehr Krankenhaus-Patienten und eine sechs Monate geringere Lebenserwartung."
Wer in Gebieten mit hoher Feinstaubbelastung lebt, ist einem höheren Schlaganfallrisiko ausgesetzt und weist ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs, Herz-Lungen-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, chronischen Husten, Bronchitis, Verschlechterung der Lungenfunktionswerte v.a. bei Kindern sowie eine Verkürzung der Lebensdauer auf. Kurzfristig hohe Werte bei der Feinstaubbelastung, wie sie an zahlreichen Orten in Österreich häufig auftreten, führen zu erhöhter Sterblichkeit, vermehrten Spitalseintritten, besonders wegen Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen, erhöhter Medikamenteneinnahme bei Asthmakranken. Studien belegen umgekehrt, dass eine Reduktion der Feinstaubkonzentration einen positiven Effekt auf die menschliche Gesundheit hat.
Insbesondere Kinder, aber auch Risikogruppen und alte Menschen sind von der Feinstaubbelastung gesundheitlich besonders stark betroffen. Laut WHO belegen zahlreiche Studien einen klaren Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Gesundheitsbelastung von Kindern. Kinder sind aus durch Luftschadstoffe überproportional betroffen. Die Lungen sind noch nicht voll entwickelt, Kinder bewegen sich mehr und öfter im Freien als Erwachsene. Hohe Feinstaubbelastung beeinträchtigt die Entwicklung der Lungenfunktion von Kindern. Auch eine Verschlechterung des Zustands von an Asthma leidenden Kindern und das Auftreten von Husten und Bronchitis bei Kindern durch Feinstaub ist klar belegt.
Bereits im Jahr 1999 hat die WHO in einer Studie die gesundheitlichen Folgen und die wirtschaftlichen Kosten der verkehrsbedingten Luftverschmutzung für Österreich, Frankreich und die Schweiz untersucht. Als Leitschadstoff wurde Feinstaub gewählt. Es wurde untersucht, welcher Anteil gewisser Krankheiten der Luftverschmutzung auf Emissionen aus dem Verkehr zurückzuführen sind. Bei den Berechnungen wurden konservative Annahmen getroffen, so dass die Resultate als Mindestschätzung anzusehen sind.
Die durch den Verkehr in Österreich verursachten Gesundheitskosten belaufen sich laut WHO-Studie auf 2,9 Mrd. Euro pro Jahr. 20.600 Bronchitis-Fälle bei Kindern unter 15 Jahren, 15.000 Asthmaanfälle bei Kindern unter 15 Jahren werden laut WHO auf verkehrsverursachte Luftschadstoffe verursacht.
Zurück
Verantwortlich für den Inhalt: Dr.in Eva Glawischnig, stv. Bundessprecherin; Oliver Korschil und Dr.in Marlies Meyer, Referentin des Grünen Parlamentsklubs