Vor dem Hintergrund des aktuellen Gasstreits fordern die Grünen den völligen Ausstieg aus der Gasenergie bei Stromerzeugung und Raumheizung. Die 100-prozentige Deckung des Wärmebedarfs durch erneuerbare Energieträger wäre bis 2030 möglich, sagte der grüne Budget- und Finanzsprecher Werner Kogler heute, Freitag, bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Pläne für die Errichtung von Gaskraftwerken sollten nach Ansicht der Grünen sofort gestoppt werden, da sie eine "Investition in weitere Abhängigkeit" darstellen.
Bei der Stromproduktion aus Gas wäre der Ausstieg bis zum Jahr 2020 oder spätestens 2025 möglich, berief sich Kogler auf eine Studie der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT). Österreichs Energieverbrauch wachse so stark, dass sämtliche Gas-Pipeline-Projekte nicht ausreichen würden, um damit Schritt zu halten. Das "Nabucco-"Pipelineprojekt sieht Kogler sehr kritisch. Einerseits bemühe sich Russland erfolgreich darum, sich Einfluss bei Förderprojekten im kaspischen Raum zu sichern, andererseits wäre das geplante Einspeisungsvolumen nur mit iranischem Gas erreichbar. "Wenn das das Projekt ist: 'Tausche Putin gegen Ahmadinejad' - Gratulation", so Kogler. Außerdem würden sich die beiden bei einem möglichen Gas-Kartell ohnehin wieder treffen.
Die Pläne für die Errichtung bzw. den Ausbau von Gaskraftwerken wären für Kogler "Fehlinvestitionen". Langfristig seien elf neue Gaskraftwerks-Projekte mit 6.200 MW elektrischer Leitung geplant - einige davon erst im Konzeptstadium, andere seien bereits beschlossen und genehmigt. Diese Kraftwerke würden einen zusätzlichen Gasverbrauch von 6 Mrd. m3 pro Jahr bedeuten, das seien drei Viertel des derzeitigen Jahresverbrauchs, rechnete Kogler vor. Die Abhängigkeit von Erdgas würde dadurch dramatisch steigen. Negativer Nebeneffekt dabei wären zusätzliche CO2-Emissionen im Ausmaß von 12 Mio. Tonnen pro Jahr.
Ökonomisch und ökologisch sinnvoller wäre es nach Ansicht des grünen Budget- und Finanzsprechers, in den Umstieg auf erneuerbare Energien zu investieren: Biomasse, Windkraft, Solarenergie. Durch Pump- und Speicherkraftwerke wäre man auch für Zeiten ohne Wind oder Sonne gerüstet, glaubt Kogler.
Was neue Wasserkraftwerke angehe, so dürfe man sich keine Illusionen machen: Angesichts der aktuellen Zuwachsraten beim Stromverbrauch - 2 bis 3 Prozent pro Jahr - könnte man zwar bis 2020 sämtliches Wasserkraft-Potenzial ausbauen, das würde jedoch nicht ausreichen. "Wir können keine zweite Donau graben, das erschöpft sich tatsächlich irgendwann."