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04.04.2008 09:22

Energiewende 2020: Komplett-Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle ist machbar!

Der Ölpreis bewegt sich seit geraumer Zeit um die 100 Dollar für das Barrel. Auswege und Alternativen zu den fossilen Energieträgern sind dringend notwendig. Die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) hat sich im Auftrag der Grünen Bildungswerkstatt in einer Studie die Möglichkeiten eines Ausstiegs aus der der fossilen Energieversorgung angeschaut, die heute, Freitag, bei einer öffentlichen Sitzung des Grünen Klubs in Wien, vorgestellt wurde. Zentrale Botschaft dabei: "Der Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle ist bis 2020 im Strom- und bis 2030 im Raumwärmebereich möglich."

Eines ist laut ÖGUT-Geschäftsführer Herbert Greisberger aber klar, an einer massiven Erhöhung der Energieeffizienz bei optimaler Nutzung aller technischen Möglichkeiten führt kein Weg vorbei. Um nämlich eine 100-prozentige Deckung des Strombedarfs durch erneuerbare Energieträger bis 2020 zu erreichen, müsse die Stromnachfrage im beobachteten Zeitraum um vier Prozent gesenkt werden. Da haben wir ein moderates Szenario angenommen. Bei der Raumwärme seien es bis 2030 gar 36 Prozent. "Bei den derzeitigen Zuwachsraten wäre es im Zeitraum (2005 - 2020/2030) dagegen aber 40 Prozent gewesen", so Greisberger.

Ziele sind ambitioniert, aber nichts tun ist das Teuerste überhaupt

Bundessprecher Alexander van der Bellen bestätigte, dass es sehr ambitionierte Ziele seien, aber "nichts tun ist das Teuerste überhaupt". Die Erhebung soll eine Diskussionsgrundlage sein: "Wir wollen darüber mit der Regierung und der Wirtschaft reden." Ähnlich Greisberger: "Wir sehen das als Diskussions-Input, denn es gibt eine "Nicht-Option', nämlich die Fortführung der derzeitigen Energiepolitik."

Das zentrale Sparpotenzial sieht die ÖGUT in einer "maximalen Erhöhung" der Effizienz von Elektrogeräten und -anlagen. Zudem müsse es Beschränkungen "neuer" Nutzungen wie etwa der Raumkühlung geben. Bezüglich Raumwärme sollte im Wohnungsneubau der Passivhausstandard noch stärker forciert werden, die Sanierungsrate bis 2020 auf drei Prozent erhöht werden. Das gehe Hand in Hand mit einer Verbesserung der Qualität bei thermischen Sanierungen.

Die ÖGUT geht in ihrer Studie, in der der Mobilitäts- und Industriesektor ausgeklammert wurde, davon aus, dass die energetische Nutzung der Biomasse für Raumwärme bis 2030 mehr als verdoppelt werden muss. Der größte Teil davon werde in Kraft-Wärme-Kopplungen eingesetzt. Biomasse würde 2030 damit etwa zwei Drittel des Raumwärmebedarfs abdecken.

Bis 2020 50 Porzent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen

Bis 2020 würde sie zudem rund 50 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen ausmachen. Das entspricht gemäß der Erhebung einer Erhöhung von 806 GWh im Jahr 2005 auf 12.867 GWh im Jahr 2020. Eine höhere Stromausbeute sollte zudem aus der Großwasserkraft kommen. Die Kleinwasserkraft müsste verdoppelt die Windkraft vervierfacht werden. Bei der Photovoltaik sei sogar der hundertfache Ertrag (von 13 GWh im Basisjahr 2005 auf 1.600 GWh im Jahr 2020) notwendig. Im Bereich der Raumwärme steigt laut ÖGUT-Szenario der Einsatz der thermischen Solarenergie von 4,6 auf 31 Petajoule (PJ), der Beitrag der Wärmepumpe von 6,3 PJ auf 32,4 PJ bis 2030.

Passivhaus muss Standard werden - Stopp für Förderung von Öl- und Gasheizungen

Natürlich knüpfen Österreichs Grüne auch Forderungen an die Studie: So bedürfe es endlich eines Nationalen Energieplans unter Einbindung aller Parteien, der Sozialpartner, Experten und NGO. Sie sprechen sich für einen "Energiewendefonds", dotiert mit 200 Mio. Euro jährlich, aus. Damit soll eine flächendeckende Energieberatung für Haushalte und Betriebe sichergestellt werden. Das Ökostromgesetz soll sich am deutschen Erneuerbaren-Gesetz orientieren. Weiter dürften mit Wohnbauförderungen weder Öl- noch Gasheizungen bezuschusst werden, das Passivhaus sollte zum Förderstandard, die Sanierungsrate im Altbau von derzeit rund ein auf drei Prozent gesteigert werden. Zudem solle es Unterstützungen für die Umstellung von rund 800.000 Haushalten auf Pellets- oder Solarheizungen geben.

Bei den Kosten geht van der Bellen davon aus, dass sie 0,5 bis 1,0 Prozent (ein bis drei Mrd. Euro) des BIP ausmachen würde. "Das sind aber nur vordergründige Kosten, denn angesichts der hohen Erdölpreise wird es zu einer schnellen Amortisation kommen". Man dürfe aber nicht vergessen, dass im vorgestellten Szenario der CO2-Ausstoß um ein Drittel reduziert und 100.000 neue Arbeitsplätze geschaffen würden.

 

 




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