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06.02.2009 13:29

Lothar Lockl legt Amt als Bundesparteisekretär zurück - Freut sich auf beruflichen Neubeginn

Lothar Lockl legt sein Amt als Bundesparteisekretär der Grünen zurück. Im Gespräch mit der APA kündigte er am Freitag an, sich beruflich verändern zu wollen. Mit den jüngsten Turbulenzen in seiner Partei habe dies allerdings "überhaupt nichts zu tun", betonte er. Den Entschluss für den Rückzug aus der Politik habe er, Lockl, bereits vor der Nationalratswahl gefasst. "Für die nächste Zeit" will Lockl seine Funktion noch wahrnehmen.

"Ich werde sicher für eine geordnete Übergabe sorgen", so Lockl. Die Zeit bei den Grünen sei jedenfalls "sehr spannend" gewesen, "ich freue mich aber auch auf einen beruflichen Neubeginn", so Lockl ohne Details zu nennen. Beim erweiterten grünen Bundesvorstand noch vor dem Sommer soll über die Nachfolge entschieden werden.

Glawischnig dankt Lothar Lockl für jahrelangen unermüdlichen Einsatz und wünscht das Allerbeste für seine berufliche Zukunft"

Lothar Lockl war die letzten neun Jahre maßgeblich für die positive Entwicklung und die Erfolge der Grünen mitverantwortlich. Sein großes Engagement für Umweltschutz und Menschenrechte, das bereits in unserer gemeinsamen Zeit bei der Umweltschutzorganisation Global 2000 Ausdruck fand, hat ihm größten Respekt im grünen Team, aber auch Anerkennung bei Medienvertretern und politischen Mitbewerbern eingebracht. Auch wenn sich unsere beruflichen Wege nun trennen, werden wir weiter freundschaftlich verbunden bleiben. Ganz egal, für welchen beruflichen Weg sich Lothar Lockl entscheidet, er wird mit Sicherheit eine große Bereicherung für jedes Team sein. Ihn zeichnen große Motivationsfähigkeit, strategisches Denken und unerschütterlicher Optimismus aus. Gerade in schwierigen Situationen bewahrt er einen kühlen Kopf. Die Lücke, die er hinterlässt wird nicht leicht zu schließen sein, aber für ihn ist es der richtige Zeitpunkt etwas Neues zu beginnen", so Eva Glawischnig, Bundessprecherin der Grünen. "Der Rückzug von Lothar Lockl aus der Grünen Politik kommt für mich nicht überraschend. Bereits im Sommer, noch vor der Nationalratswahl, haben wir darüber gesprochen und vereinbart, dass Lothar Lockl noch eine Zeit lang zur Verfügung steht. Ich möchte ihm von ganzem Herzen für seinen Einsatz, der oft 'ans Limit' ging, danken und wünschen ihm das Allerbeste für seine berufliche Zukunft", so Glawischnig.

 

Van der Bellen wünscht Lothar Lockl alles Gute für beruflichen Neubeginn

"Ich wünsche Lothar Lockl, meinem langjährigen Pressesprecher und jetzt Bundesparteisekretär und Kommunikationschef der Grünen, alles Gute für den beruflichen Neubeginn und danke ihm sehr für unsere intensive und fruchtbare Zusammenarbeit. Er war für mich ein hochprofessioneller Ratgeber, unverwüstlicher Motivator und ein guter Freund", so Alexander Van der Bellen, ehemaliger Bundessprecher der Grünen.

"Lothar Lockl hat mir bereits vor den Nationalratswahlen mitgeteilt, dass er sich beruflich verändern will. Ich habe damals mit ihm vereinbart, dass er nicht sofort nach den - überraschend angesetzten - Wahlen, sondern erst einige Monate später seinen Entschluss umsetzen wird, um über den Wahltag hinaus sein wertvolles Know-how und seinen Rat nützen zu können", so Van der Bellen.

"Lothar Lockl und ich haben neun Jahre lang aufs engste zusammengearbeitet und uns gegenseitig hervorragend ergänzt. Höchstes handwerkliches Können, feines politisches Gespür, unverdrossener Optimismus bei kühlem Kopf in den heikelsten Situationen, und gleichzeitig die Liebenswürdigkeit in Person - das alles war und ist für mich Lothar Lockl. Eine Persönlichkeit wie er ist ein Gewinn für jede Organisation, mag sie nun politisch-, kommerziell- oder nonprofit-organisiert sein. Niemand von uns ist unersetzlich, aber jemand wie Lothar Lockl hinterlässt, wenn die Zeit für einen Wechsel gekommen ist, immer eine empfindliche Lücke, die nicht leicht zu schließen ist. Ich wünsche Lothar Lockl das Allerbeste für seinen künftigen Weg", so Van der Bellen.

 

Lothar Lockl

Bei den Grünen bleibt es unruhig. Nach den schweren internen Auseinandersetzungen rund um die letztlich verhinderte Kandidatur von Johannes Voggenhuber bei der EU-Wahl gibt es nun im Führungsteam einen Abtritt, freilich einen freiwilligen, wie Lothar Lockl, bisher Bundesparteisekretär der Grünen betont. Der engagierte Grün-Funktionär war von Global 2000 zu den Grünen gekommen und dort vom Pressesprecher zum Quasi-Generalsekretär aufgestiegen. Nun endet seine politische Karriere doch etwas überraschend.

Lockl, geboren am 5. Dezember 1968 in Wien, kann man wohl getrost als echten Grünen bezeichnen. Schon als Teenager saß er in der Stopfenreuther Au, um gegen das Wasserkraftwerk Hainburg zu demonstrieren. Seine ersten politischen Sporen verdiente er sich dann in der Umweltorganisation Global 2000, wo er zwischen 1989 und 1999 unter anderem als Pressesprecher und politischer Koordinator tätig war. Eine seiner Weggefährtinnen damals war die heutige Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig.

Wenn es um ein Kraftwerk ging, war Lockl in den 90ern stets zur Stelle. So kampagnisierte er etwa gegen das Kraftwerk Lambach in Oberösterreich und organisierte den österreichischen Widerstand gegen grenznahe AKW etwa in Bohunice und Mochovce mit. Sein wohl größter Erfolg war das von ihm mitorganisierte Gentechnik-Volksbegehren.

Neben seiner Tätigkeit bei Global absolvierte der aus eher bürgerlichem Haus stammende Lockl ein Studium der Politikwissenschaft und Publizistik, das er 1995 mit einem Magistertitel abschloss. So vorbereitet heuerte er 1999 bei den Grünen an, wo er unter Alexander Van der Bellen zu einem der wichtigsten Strategen heranwuchs. Zunächst als Kampagnenleiter aktiv wurde er später Kommunikationschef und im November 2006 Bundesparteisekretär, eine bei den Grünen damals neu geschaffene Position, die der des Generalsekretärs oder Bundesgeschäftsführers in anderen Parteien entspricht.

Lockl will sich nun neuen Projekten zuwenden. Sollte es bis dahin noch etwas dauern, kann er sich immerhin mehr um seinen kleinen Sohn sowie um seine Hobbys kümmern. Lockl spielte dereinst in der Schach-Bundesliga und ist leidenschaftlicher Fan der Wiener Austria.

 

 

 




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