Eine Erfolgsbilanz über die vergangenen Wochen haben die Grünen am Freitag gezogen. "Sehr gut, spannend, erfolgreich und natürlich teilweise auch ermüdend" sei der Wahlkampf gewesen, meinte Grünen-Chef Alexander Van der Bellen vor rund 120 SympathisantInnen im Wien Museum. Vize-Parteichefin Eva Glawischnig unterstrich unter anderem die Abschaffung der Studiengebühren, die der "Hartnäckigkeit der Grünen" zu verdanken sei. Zwei Tage vor der Wahl setzt man nach wie vor auf die Unentschlossenen sowie Frauen, wie aus den Reden der beiden durchklang.
Mit Frauenpolitik, Umweltschutz und Energiewende sowie Bildung habe man thematisch die richtigen Prioritäten gesetzt, ist Van der Bellen überzeugt. Mit dem "Supergau Wachteleier-Koalition" seien außerdem "gute Markierungen"gelungen. "Gut reingegangen" sei auch die Message der Grünen als Partei der "mutigen Frauen" im Gegensatz zu der FPÖ, einer Gruppierung "ängstlicher Männer", resümierte der Professor. An seinen "sehr ehrgeizigen Zielen" hält Van der Bellen nach wie vor fest: "Jawohl, wir wollen in die Regierung", rief er dem Publikum zu und erntete heftigen Applaus.
Eva Glawischnig und Alexander Van der Bellen beim Auftakt zum Endspurt im Wien Museum
"Wir werden die 15 Prozent schaffen und eine Gesellschaft schaffen, die Österreich wirklich verdient hat", übte sich auch Glawischnig in Zuversicht. Einmal mehr bekräftigte sie die Grünen-Wahlkampfstrategie, wonach es um eine Richtungswahl zwischen Grün und FPÖ gehe. Dabei werde sich entscheiden, ob man sich in eine "Burschenschafter-Welt des 19. Jahrhunderts oder in eine moderne Welt, wo alle gleichen Chancen haben" bewegt. "Wer nachdrückliche Gleichstellungspolitik will, muss Grün wählen", appellierte sie in Richtung weiblicher Wählerschaft. Die Grünen sind noch bis Samstag-Abend in den Bundesländern unterwegs und wollen Überzeugungsarbeit bei den Unentschlossenen leisten, wie sie sagte.
Scharfe Kritik übte Van der Bellen am Konkurrenten Liberalen Forum. Er habe die Liberalen im Zusammenhang mit den "unbescholtenen Tierschützern", die in U-Haft genommen wurden als Allianzpartner vermisst, sagte der Grüne Bundessprecher in seiner Rede. Hintergrund: Der radikale Tierschützer Martin Balluch wurde nach dem Mafia-Paragraphen in U-Haft gesperrt. Die Grünen befürchten, dass sich diese Vorgangsweise in Zukunft auch gegen andere NGOs richten könne. Van der Bellen betonte, dass hier "Freiheitsrechte mit Füßen getreten" wurden und fragte: "Wo war das Liberale Forum in diesem Zusammenhang?"