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Generation Praktikum – faire Bedingungen für PraktikantInnen

Als „Praktikum“ deklarierte Tätigkeiten erfuhren in den letzten Jahren am Arbeitsmarkt sowohl in Betrieben als auch im öffentlichen Sektor, in NGOs und NPOs eine massive Ausweitung. Eine unzureichende rechtliche Klarstellung des Begriffs sowie eine angespannte Arbeitsmarktlage für junge Menschen führten zu einer Zweckentfremdung der Arbeitsform, Ausbeutung, versteckter Arbeitslosigkeit und anderen prekären Situationen von immer mehr "PraktikantInnen". Die Grünen wollen durch ein Bündel an Maßnahmen die Situation der PraktikantInnen verbessern und  Schein-Praktika verhindern.

Problemaufriss

Ausbildungspraktika

Der massiven Zunahme von Praktika, begründet einerseits durch die Verankerung von Pflichtpraktika in vielen Studienplänen der Fachhochschulen und Universitäten und andererseits durch einen deutlichen Anstieg von  freiwillig absolvierten  Praktika, steht ein eklatantes Versäumnis in der Schaffung dafür notwendiger rechtlicher Rahmenbedingungen und  politischer Maßnahmen gegenüber.

Praktikum ist heute ein Begriff für verschiedenste  Arbeitsverhältnisse geworden, die nur mehr wenig mit „Ausbildung“ zu tun haben. So agieren PraktikantInnen  oft in einem Graubereich zwischen lernen und arbeiten, übernehmen Tätigkeiten von regulär Beschäftigten, erhalten aber keinen oder zu geringen Lohn. Praktika werden so häufig zu getarnten Beschäftigungsverhältnissen bzw. sogenannten „Scheinpraktika“. Ein Teil der Praktika findet sogar gänzlich unbezahlt statt und dies vor allem im Sozial- und Gesundheitswesen, im Medien-, Kunst-, und  Wissenschaftsbereich, sowie im Non-Profit-Sektor.

AbsolventInnenpraktika

Die Berufseinstiegsphase von AkademikerInnen gestaltet sich meist schwierig  und wird häufig mit einer Vielzahl von befristeten Beschäftigungen, Übergangsjobs, Honorar- und Werkverträgen oder Formen der Selbstständigkeit überbrückt. Um Arbeitslosigkeit zu verhindern werden auch immer häufiger noch nach Studienabschluss "Praktika" absolviert.

Dies führt allerdings zu einem Teufelskreis: Wenn immer mehr junge AkademikerInnen gezwungen sind als PraktikantInnen  für wenig oder auch gar kein Geld zu arbeiten, werden in Folge immer weniger reguläre Stellen angeboten werden. Die Integration in den Arbeitsmarkt in Form von Praktikumsstellen ist allerdings prekär, ungerecht und keinesfalls nachhaltig. Darüber hinaus wirkt das Phänomen sozial selektiv, weil es sich eben nicht alle leisten können, gratis zu arbeiten. AkademikerInnen ohne finanziellen Polster sind so gezwungen deutlich unter ihrer Qualifikation erwerbstätig zu sein, während gut situierte entsprechend lange auf eine adäquate Tätigkeit warten können, ohne Dequalifikation befürchten zu müssen.

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Grüne Position


Unser politisches Vorhaben ist es, das „Prekarisierungspotential“ von Praktika zu vermindern bzw. die  missbräuchliche Nutzung von Praktika, also „Scheinpraktika“ und „Arbeitslosenpraktika“ zu verhindern. Zudem sollen in Curricula vorgeschriebene Pflichtpraktika sowie der Berufseinstieg von AkademikerInnen besser institutionell begleitet und gefördert werden. Unsere wichtigsten Forderungen dazu sind:

  • Ein PraktikantInnenausbildungsgesetz: Dieses soll Praktika klarer definieren und von anderen Beschäftigungs- und Tätigkeitsformen abgrenzen. Standards in bezug auf Arbeitszeit, Mindestentgelt, Arbeitsvertrag (nur Anstellungen), Bildungsziele und Praktikumszeugnis müssen darin festgelegt werden.
  • Qualitätsstandards für Ausbildungspraktika: Diese sind in den  Studienplänen zu definieren. Zusätzlich ist  eine angemessene Beratung und Betreuung der Studierenden seitens der Ausbildungsorganisationen (z.B. Universität) zu gewährleisten. Die Vermittlung von Grundkenntnissen im Arbeitsrecht zur Wahrung der eigenen Interessen sollte fixer Bestandteil in Studienplänen bzw. der Praktikumsphase werden.
  • Anpassung der Kollektivverträge: Die Aufnahme der Verwendungsgruppe „PraktikantInnen aus Fachhochschulen und Universitäten“ in die Lohntabelle.
  • Ein Stipendiensystem für Ausbildungspraktika im NPO und NGO Bereich.
  • Schein-Praktikaprävention für AbsolventInnen: Der Berufseinstieg von AkademikerInnen muss besser institutionell begleitet werden. Dies erfordert zielgruppenorientiertere und hochwertigere Programme durch das AMS. Arbeitsmarktpolitische Instrumente ähnlich der Aktion 8000 sollen wieder eingeführt und ausgebaut werden. Die Bezahlung in den Programmen muss auf kollektivvertraglichem Niveau basieren.
  • Auftragsstudien seitens des AMS und der Ministerien: Zahlen und Fakten bezüglich der Situation von PraktikantInnen sind äußerst rar gesät. Quantitative und qualitative Untersuchungen sind dringend notwendig, um die Probleme der Generation Praktikum effizient politisch bearbeiten zu können.

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Fakten

Laut einer Online-Befragung von 2007 der Plattform Generation Praktikum in unter 460 PraktikantInnen verfügten nur 39 % der Befragten über eine keine schriftliche Vereinbarung, 25% waren angestellt, 10% freie DienstnehmerInnen, 10 % geringfügig und 8% mit Werkvertrag beschäftigt. 30 % wussten über ihr Dienstverhältnis nicht Bescheid. Ein Drittel dieser Praktika war unbezahlt, 40% verdienen zwischen 100 und 700 Euro, ein Viertel mehr als 700. Ein Drittel der Frauen machte unbezahlte Praktika, aber nur ein Viertel der Männer. Frauen verdienen in ihrem ersten Praktikum durchschnittlich 200 Euro im Monat, Männer 300 Euro.

Mehr als die Hälfte der Befragten  machten nach ihrer Ausbildung  ein oder mehrere Praktika. Im Schnitt absolvierten die Befragten 2,7 Praktika. Besonders viele Praktika machten angehende ArchitektInnen, PsychologInnen arbeiten zu zwei Drittel in unbezahlten Praktika und Geistes- und Kulturwissenschaften weisen den höchsten Anteil an AbsolventInnenpraktika auf.

Das einzige Programm des AMS für akademische BerufseinsteigerInnen ist das  „Arbeitstraining“. Es kann zwischen 1-3 Monate stattfinden (in Wien wurde die Dauer vor kurzem auf 1 Monat reduziert) und wird mit der Nettoersatzrate (AL-Geld) vergütet oder wenn kein Anspruch besteht mit dem niedrigen Tagsatz von 14, 53 Euro, das sind im Monat nur 436 Euro.

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Verantwortlich für den Inhalt: Mag.a Birgit Schatz, ArbeitnehmerInnensprecherin und Abgeordnete zum Nationalrat, Mag.a Ines Hofbauer, Referentin für ArbeitnehmerInnenpolitik