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07.09.2010 16:15

Muslime als TV-Moderatoren: Das wäre Normalisierung! - Kommentar

Die erwartbare Aufregung über die „Hoffnung“ von Präsident Schakfeh, dass langfristig "in jedem Bundesland eine Moschee mit Minarett" stehen wird, hat sich etwas gelegt. Viel interessanter als die Skandalisierung durch die FPÖ ist die Frage, warum die österreichisch-muslimische „Normalisierung“ hauptsächlich über „eine sichtbare Moschee in jedem Bundesland inklusive Minarett“ herstellbar sein soll.

Selbstverständlich hat jede anerkannte Religionsgemeinschaft Recht auf würdige Gebetsräume. Religionen leben auch von Öffentlichkeit und Sichtbarkeit.

Aber muss einem bei der Hoffnung auf Normalisierung muslimischen Lebens in Österreich – was das auch immer in seiner Vielfalt sein mag – zu allererst und hauptsächlich ein Minarett in jedem Bundesland einfallen? Ganz abgesehen davon, dass ein Minarett nicht per se zu einer Moschee dazu gehört.

Szenenwechsel: Washington D.C., 5. Mai 2010. Ich warte während einer offiziellen Reise im US-Justizministerium gespannt auf einen Abteilungsleiter. Es kommt ein junger Mann mit seinem Blindenhund herein, stellt sich mit einem arabischen Namen vor und erläutert was die USA gegen hate crimes (Gewalttaten aus Hassmotiven gegen Minderheitenangehörige wie z.B. Juden, Muslime, Schwule und Lesben) tun. - Nach 9/11 ist für hate crimes ein Mann arabischer Herkunft, vermutlich Muslim, der zuständige Abteilungsleiter im US-Justizministerium!

So eine „Normalisierung“ hätte Schakfeh ansprechen können, ja sogar müssen. Muslime als Ärztinnen, als Lehrer, als Politikerinnen, als TV-Moderatoren. Das würde für die meisten Normalisierung bedeuten. Denn das größte Problem der Mehrheit „der Muslime“ hierzulande sind nicht fehlende Minarette, sondern dass sie als „Ausländer“ angesehen werden – und sich teilweise so sehen; schlechte Jobs, fehlende berufliche Mobilität und der Kampf für eine bessere Zukunft ihrer Kinder.

Schakfeh weiß zudem, dass der gesellschaftliche Wandel (Stichwort steigende Scheidungsraten, Säkularisierung) unter MuslimInnen schon längst eingesetzt hat, wenn auch weitgehend unbemerkt von der Mehrheitsgesellschaft. Er will für DIE Moslems sprechen und sprach doch nur für die Strenggläubigen.

Ich wünsche mir amerikanische Verhältnisse: eine schwarze Abteilungsleiterin im Fekter-Ministerium, die sich mit nigerianischem Namen vorstellt, vermutlich Muslima, und ausländischen Besuchern erläutert, was Österreich gegen Diskriminierung tut. – Dann wäre wohl auch ein Minarett kein Stein des Anstosses mehr.

Kommentar in "Der Falter", 8. September 2010

 

 




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