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Gentechnikfreie Landwirtschaft

Die Grünen kämpfen für die Erhaltung der Gentechnikfreiheit in der österreichische Landwirtschaft und Lebensmittelpro- duktion. Eine Koexistenz von Öko-Landbau und Gentechniklandwirtschaft ist grundsätzlich nicht möglich. Der letzte Angriff der EU-Kommission auf die österreichischen Gentechnik-Anbauverbote für die Gentechnik-Mais-Sorten MON810 (Monsanto) und T25 (Bayer) konnte im März abgewehrt werden.

Bio und Gentechnik passen nicht zusammen

Die EU-Kommission lässt laufend gentechnisch veränderte Futtermittel, Lebensmittel und Saatgut zu. Dabei beruft sie sich auf die Sicherheitsbewertung der Europäischen Lebensmittelsicherheits-Agentur (EFSA). Diese lässt jedoch langfristige Umweltauswirkungen außer Acht und orientiert sich an Angaben der zulassungswerbenden Unternehmen. Dadurch wird das Vorsorgeprinzip grob verletzt und die Entscheidungen fallen zugunsten der Gentechnik-Konzerne aus.

Die von der Kommission propagierte sogenannte „Koexistenz“ (ein Nebeneinander gentechnischer und gentechnikfreier Produktionsmethoden) erweist sich als unlösbares Problem. Es bürdet der bäuerlichen und biologischen Landwirtschaft unzumutbare Risiken und Kosten auf. Industrielle Monokulturen, in denen die Gentechnik-Landwirtschaft zum Einsatz kommt, schädigen die Umwelt, gefährden die Gesundheit und führen weltweit die bäuerliche Landwirtschaft in den Ruin.

Gentechnik in Österreich erfolgreich verhindert

In Österreich ist es den Grünen gemeinsam mit vielen engagierten Menschen bisher gelungen, den Gentechnik-Anbau zu verhindern. Der letzte Angriff der EU-Kommission auf die österreichischen Gentechnik-Anbauverbote für die Gentechnik-Mais-Sorten MON810 (Monsanto) und T25 (Bayer) konnte im März abgewehrt werden.

Inhalt:


Grüne Position

Wir fordern von der Kommission, sich nicht auf die Seite der Gentechnik-Konzerne zu stellen, sondern im Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten einen Kurswechsel einzuleiten.

Wir Grünen setzen alles daran, dass die österreichische Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion weiterhin gentechnikfrei bleibt.

Im Parlament ist es uns gelungen, einen maßgeblichen Entschließungsantrages durchzusetzen, den wir vehement von der Bundesregierung einfordern werden:

Die Eckpunkte des Grünen Entschließungsantrages gegen Gentechnik:

  • die österreichischen Gentechnik-Anbauverbote vehement zu verteidigen und alle Rechtsmittel bis hin zum Europäischen Gerichtshof auszuschöpfen, damit auch in Zukunft keine gentechnisch veränderten Pflanzen in Österreich angebaut werden
  • massiv dafür einzutreten, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) das Vorsorgeprinzip konsequent anwendet
  • weiterhin auf EU-Ebene gegen die Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen zu stimmen
  • eine unabhängige und dem Vorsorgeprinzip verpflichtete Risikoforschung im Bereich der Agro-Gentechnik in Österreich zu fördern
  • sowie auf EU-Ebene dafür einzutreten, dass das Selbstbestimmungsrecht der Regionen Europas auf eine gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion endlich anerkannt wird.

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Problemaufriss

Die Langzeitrisiken gentechnisch veränderter Pflanzen sind nicht erforscht und die Freisetzungen von GVO irreversibel. Mehrere Forschungsergebnisse deuten auf gravierende Nebenwirkungen auf die Umwelt und Gesundheit hin. MON810-Mais z.B. produziert einen Wirkstoff (Bt-Toxin), der spezifisch gegen bestimmte Schadinsekten (den Maiszünsler) wirkt. Jedoch hat Monsantos „MON 810“ nachweislich auch negative Auswirkungen auf Nichtziel-Organismen wie z.B. Schmetterlinge und Würmer, auf die Bodengesundheit und fördert die Ausbildung von Resistenzen gegen das Bt-Toxin bei Insekten. Eine Fütterungs-Studie des italienischen Forschungsinstitutes für Ernährung und Lebensmittel kommt zu dem Ergebnis, dass MON 810 signifikante Veränderungen im Immunsystems bei Mäusen bewirken kann.

Gentechnik gefärdet Ökosysteme

Die österreichischen Anbauverbote wurden damit begründet, dass klar gezeigt werden konnte, dass ein Risiko für Nicht-Zielorganismen wie z.B. Populationsdichten von Schmetterlingen in  landwirtschaftlichen Ökosystemen und Maisfeldern besteht. Die Mehrgenerationen-Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien und des Forschungsinstituts für biologischen Landbau Studie ergab, dass mit Gentechnik-Mais gefütterte Mäuse eine signifikant beeinträchtigte Fruchtbarkeit haben. Im Vergleich zu Mäusen, die mit herkömmlichem Mais gefüttert wurden, gebaren die mit Gentechnik-Mais gefütterten Tiere weniger und schmächtigere Junge. Ziel der Studie war, mögliche Effekte des GVO-Maises NK603 x MON 810 auf Mäuse in Langzeitfütterungsversuchen über mehrere Generationen zu untersuchen.  

Zulassungsbehörde fragwürdig

Die Europäische Kommission will die nationalen Gentechnik-Anbauverbote von EU-Mitgliedstaaten aufheben und beruft sich auf die in der EU geschaffenen Rechtsgrundlagen und die Sicherheitsbewertungen der Europäischen Lebensmittelsicherheitsagentur EFSA. Wohl kaum eine andere EU-Institution ist umstrittener als diese Behörde. Sie lässt mögliche langfristige Umweltauswirkungen außer Acht und bescheinigt selbst Produkten Unbedenklichkeit, die im Tierversuch negative Effekte gezeigt haben. Sie orientiert sich nahezu ausschließlich an von den Unternehmen vorgelegten Daten, führt keine eigenen Untersuchungen durch und lässt auch wissenschaftliche Erkenntnisse der Mitgliedstaaten nicht gelten. Dadurch wird das Vorsorgeprinzip grob verletzt und die Entscheidungen, ob Gentechnik-Produkte zugelassen werden, fallen ausschließlich zugunsten der zulassungswerbenden Firmen aus.

Risikobewertung muss verbessert werden

Mit dieser Zulassungspraxis missachtet die Kommission den Beschluss des Rates der Umweltminister vom 4. Dezember 2008, dass die gegenwärtige Praxis der Risikobewertung verbessert werden muss. Die Minister stellten insbesondere fest, dass die Langzeitfolgen von gentechnisch veränderten Pflanzen sowie ihre Auswirkungen auf sogenannte Nichtziel-Organismen besser abgeschätzt werden müssen (Art. 3) und dies eine grundlegende Überprüfung der Leitlinien der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erforderlich macht (Art. 2 und 3). Ferner wird in den Schlussfolgerungen festgehalten, dass den spezifischen regionalen und lokalen Besonderheiten bezüglich ihrer Ökosysteme, ihrer biologischen Vielfalt und verschiedener Anbausysteme Rechnung zu tragen ist.

Ebenso wird hervorgehoben, dass die sozio-ökonomischen Auswirkungen zu berücksichtigen sind. Die europäischen und in besonders hohem Ausmaß die österreichischen Bürgerinnen und Bürger lehnen den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion entschieden ab.

Die Bevölkerung sagt: Nein!

Gegen den Willen einer großen Bevölkerungsmehrheit wäre es bei einer Aufhebung der Anbauverbote in Österreich möglich, Gentechnik-Pflanzen anzubauen. Damit würden nationale Sicherheitsmaßnahmen außer Kraft gesetzt, ohne eine gründliche und unabhängige Bewertung im Lichte wissenschaftlicher Erkenntnisse zuzulassen. Die Zukunft der Landwirtschaft liegt, wie kürzlich im Weltagrarbericht festgehalten wurde, in agrarökologischen Innovationen, in regionaler Vielfalt, in erhöhter Selbstversorgung bei sinkender Belastung der natürlichen Ressourcen. Nicht der Einsatz der Gentechnik, sondern die Produktion gesunder und umweltverträglicher Lebensmittel muss im Zentrum landwirtschaftlicher Innovationen gerückt werden!

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Fallbeispiel - Gentechnik außer Kontrolle

Beispiel Mexiko:

Dort hatte im Herbst 2003 eine Studie mexikanischer Kleinbauern- und Nichtregierungsorganisationen den Beweis erbracht, dass selbst in abgelegenen Regionen der traditionelle Mais bis zu einem Drittel gentechnisch verunreinigt ist. Untersucht wurden insgesamt 2.000 Pflanzenproben aus 138 kleinbäuerlichen Gemeinden in zehn Bundesstaaten, nachgewiesen wurde eine Kontaminationsrate von durchschnittlich 24 Prozent. Die Auswirkungen sind noch nicht abzusehen. Mexiko besitzt mit 56 verschiedenen Maissorten und 16.000 Varietäten die größte Vielfalt an Maispflanzen weltweit. (Quelle: Der kritische Agrarbericht 2005, Hg Agrarbündnis S. 96)

Herbizidresistente Gentech-Pflanzen führen zur Reduktion der biologischen Vielfalt.

Das Ergebnis der dreijährigen Anbauversuche in England endete für die Industrie mit einem Schock: Zwei von drei Pflanzenarten zeigten im Vergleich mit konventionellen Pflanzen negative Einflüsse auf die Umwelt: Der Spritzmitteleinsatz bei herbizidrestitentem Raps und ebensolchen Rüben führte zu einer deutlichen Reduktion der biologischen Vielfalt auf dem Acker. Flora und Fauna litten messbar unter dem Einsatz des Totalherbizides. Pollen von Gen-Raps wurde noch in 26 Kilometer Entfernung gefunden.

Beispiel USA:

Herbizidresistente Pflanzen geraten auch in den USA unter Druck: Wegen des großflächigen Anbaus von Gen-Soja werden immer mehr Unkräuter gegen das Spritzmittel Glyphosat der Firma Monsanto resistent. Das Problem hat bereits jetzt für einige LandwirtInnen erhebliche ökonomische Ausmaße. (Quelle: Der kritische Agrarbericht 2004, S. 207 ff)

Landmaschinen als Quelle gentechnischer Verunreinigungen: Forscher aus den USA weisen seit längerem darauf hin, dass es zu Vermischungen in der Sämaschine, bei Pflege, Ernte, Lagerung, Trocknung und Transport kommen kann. Die Kosten für eine angemessene Reinigung übersteigen die Erntekosten um ein Vielfaches. Dadurch ist nicht nur eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Gefahr, sondern auch das bewährte Miteinander landwirtschaftlicher Betriebe. (Quelle: Der kritische Agrarbericht 2007, S. 232 ff.)

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Harte Fakten

Monsanto, Bayer/Aventis, Syngenta und DuPont - die Saatgutproduktion konzentriert sich bereits auf wenige Konzerne. Monsanto ist der Weltmarktführer für gentechnisch verändertes Saatgut und seit 2005 das größte Saatgutunternehmen der Welt. Von den derzeit ca. 114 Mio. Hektar Ackerfläche mit transgenem Saatgut sind 110 Millionen Hektar mit Saaten bestellt, die Monsanto entwickelt hat.

Gentechnik stillt nicht den Welthunger.
Die Ursache von Hunger ist meist eine ungerechte Verteilung von Ressourcen. Gentechnisch veränderte Pflanzen der Agrarindustrie schaffen daher keine Gerechtigkeit, sondern sind Teil des Problems. Eine hoch industrialisierte Landwirtschaft, in der Konzerne das Monopol auf Saatgut und Spritz- und Düngemittel halten, hilft nicht den Armen, sondern vergrößert ihre Abhängigkeit.

Der Weltagrarrat IAASTD
bestätigte in seinem am 17. April 2008 veröffentlichten Weltagrarbericht, dass die industrielle Landwirtschaft und Agro-Gentechnik ungeeignet sind, das Hungerproblem zu lösen. Gefordert wird eine Neuausrichtung der Forschung sowie der Handels- und Entwicklungspolitik. Höchste Priorität müsse die Förderung von Anbaumethoden haben, die den ökologischen und sozialen Bedingungen der jeweiligen Region angepasst seien, fordern die ExpertInnen.

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Verantwortlich für den Inhalt: DI. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Grüner Landwirtschaftssprecher, Abgeordneter zum Nationalrat; Mag.a Katharina Fatzi, Landwirtschaftsreferentin des Grünen Klubs im Parlament.