Die Bundesmuseen ergehen sich in thematischer Beliebigkeit und ruinösen Konkurrenzkämpfen. Es fehlen Richtlinien und Vorgaben der Bundespolitik. Die Grünen haben unter dem Titel "Zusammenführen, was zusammengehört" ein umfassendes Konzept zur Reform der Bundesmuseen vorgelegt.
Inhalt:
Seit der Ausgliederung herrscht Chaos. Die Bundesmuseen huldigen im beinharten Konkurrenzkampf um öffentliche Aufmerksamkeit und Publikumszuspruch immer stärker dem Blockbuster-Prinzip. Dabei gehen wissenschaftliche Seriosität und innovative Ausstellungskonzepte verloren.
Die MuseumsdirektorInnen gefallen sich als FeudalherrscherInnen und agieren so, als ob sie die EigentümerInnen der ihnen anvertrauten Bestände wären. Unschätzbare Kunstwerke verkommen auf verantwortungslose Weise zu einfacher Tauschware. Was fehlt, sind konkrete Vorgaben der Bundespolitik, um diesem zunehmend beliebigen Wildwuchs Einhalt zu gebieten.
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum anzunehmen, die augenblickliche Struktur der Bundesmuseen sei historisch gewachsen. Bis in die 1980er Jahre wurden ganze Sammlungen munter hin und her verschoben, mit allen damit verbundenen museologischen Defiziten.
Die Grünen wollen eine generelle Neuordnung der Sammlungen und Aufgabenbereiche der Bundesmuseen, das die unterschiedlichen Aufgaben der Häuser im Gesamtverband der Museen definiert und berücksichtigt. Dafür haben die Grünen ein detailliertes Konzept ausgearbeitet, dessen Kurzfassung so aussieht:
Drei große Kunstmuseen:
Parallel zu diesen drei Kunstmuseen ist gerade in Zeiten der Globalisierung und Migration ein Kulturenmuseum zu gründen. Hier können sich interkulturelle Vergleiche und Ausstellungen in Gegenwart und Vergangenheit soziologischen, anthropologischen und alltagsgeschichtlichen Fragen widmen.
Desgleichen stellen sich in der Alltags- und Gebrauchskultur mannigfaltige Fragen zur Gestaltung und Nutzung von Gegenständen, denen mit entsprechenden Sammlungen in thematischen Ausstellungen nachgegangen werden soll. Die Menschen werden dadurch zu einem unmittelbareren Umgang mit Kunst und Kultur bewegt und bestaunen weniger die materiellen Reste vergangener Epochen aus bildungsbürgerlicher Sicht. Das Bewahren und Reproduzieren traditioneller Kulturgüter hat in der österreichischen und europäischen Kulturpolitik einen überzogen höheren Stellenwert als das aktuelle Kunstschaffen.
Dann gibt es weiters die Sammlungen zur herrschaftlichen Repräsentation und zur höfischen Kultur der k. u. k. Monarchie. Sie erwecken vor allem touristisches Interesse und werden deshalb auch zusammengefasst und gewinnbringend vermarktet.
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Verantwortlich für den Inhalt: Dr. Wolfgang Zinggl, Kultursprecher und Abgeordneter zum Nationalrat; Mag. Thomas Geldmacher, Kulturreferent des Grünen Klubs im Parlament.