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23.07.2010 12:34

Psychotherapie auf Krankenschein endlich umsetzen

Unser Gesundheitssprecher Kurt Grünewald vermisst in der Debatte über psychologische, psychotherapeutische und psychiatrische Interventionen und Versorgungslücken die notwendige und sachliche Differenzierung. Wenn Stress, Burn-out, Depressionen und andere psychische Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen zunehmend in einen Topf geworfen werden, ist niemandem geholfen. Was als Gemeinsamkeit bleibt, ist allerdings eine unentschuldbare Diskriminierung psychisch Kranker gegenüber körperlich Kranken. Versorgungsengpässe, ungewöhnlich lange Wartezeiten und hohe Eigenfinanzierungsanteile charakterisieren immer noch die Situation psychisch Kranker.

Keine Differenzierung


"Auch Gesundheitsminister Stöger differenziert hier nicht, wenn er sich gegen die Psychotherapie auf Krankenschein wehrt. Burn-out und gesundheitsgefährdender Stress sind nicht immer allein Folge spezifischer Arbeitsplatzsituationen. Wir müssen davon abkommen, dass die Psyche immer nur so einfach gestrickt ist. Interdisziplinarität und die Kooperation unterschiedlichster Berufsgruppen ist hier angezeigt, um der komplexen Situation der rasch zunehmenden psychischen Erkrankungen gerecht zu werden", erklärt Kurt Grünewald.

Burn-out gerade bei Frauen häufig


"Depressionen und Burn-out sind bei Frauen mittlerweile sogar die häufigste Ursache für Invaliditätspensionen. Mangelnde Prävention, zu späte Diagnosen und Behandlungen vermehren nicht nur persönliches Leid, sondern verursachen durch Chronifizierung von Erkrankungen beträchtliche Folgekosten. Immerhin schließt sich die Frauenministerin mittlerweile der langjährigen Grünen Forderung nach einer Psychotherapie auf Krankenschein an, das gibt Anlass zur Hoffnung, dass auch ihr Parteikollege Stöger seine Blockadehaltung noch aufgibt", meint Grünewald.

Hilfe für alle notwendig


"Derzeit erreichen die Therapien viele psychisch Kranke gar nicht oder erst verzögert. Die Grünen fordern schon seit Jahren die Umsetzung einer Psychotherapie auf Krankenschein. Nur so kann gewährleistet werden, dass alle, die diese Hilfe brauchen, sie auch bekommen. Das Kostenargument lassen wir in dem Fall nicht gelten. Denn wenn Erkrankte nicht oder zu spät Hilfe erhalten, resultiert das in einem kontinuierlichen Anstieg von Krankenstandstagen, Arztbesuchen, stationären Aufenthalten und dem steigenden Konsum von Psychopharmaka", erklärt Grünewald und weist darauf hin, dass die dadurch verursachten Kosten weit über jenen einer Psychotherapie auf Krankenschein liegen.




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