Generation Praktikum >>
Erfahrungen lesen
Birgit Schatz, Arbeitnehmer-
Innensprecherin der Grünen und Abgeordnete zum Nationalrat
Die Resonanz auf unseren Aufruf "Schreib' uns deine Praktikums- erfahrung!" ist groß - wir haben für euch einige eurer Beiträge auf dieser Seite zusammengestellt.
Branche: med. masseurin
Dauer: ca. 8 monate
die arbeitszeit betrug ca. 20h, dafür bekam ich `unter der hand` EUR 200,- im monat. einen offiziellen praktikumsvertrag gab es NICHT. ich fühlte mich ziemlich ausgenutzt, brauchte das praktikum aber um die ausbildung zum med. masseur abzuschliessen. ich war niergendst versichert, musste mich für diese zeit SELBST VERSICHERN!, da ich für das AMS `nicht verfügbar` war. :(
Branche: Verschiedenste Praktika und "Berufsausbildungen" während und seit Abschluss des Studiums
Ich musste für die Ausbildung zur klin. Psychologin fast ein Jahr unbezahlt als Psychologin arbeiten - ich glaube es waren über 1000 Praxisstunden nötig. Arbeitsort psychiatrische Klinik des LKG Graz. Ich war nicht mal versichert, für die Arbeit an einer psychiatrischen Station mit geschlossener Abteilung nicht unriskant. Ich gebe zu es war eine hervorragende Ausbildung und Lebensschulung, aber ich war auch gezwungen unbezahlt zu arbeiten, weil es bereits damals (1998) gang und gebe war und eben Voraussetzung für die angestrebte Ausbildung. Seitdem habe ich mehrere Praktika absolviert, weil heutzutage für Studenten und Akademiker eine Art Tagelöhnertum etabliert wurde. Kaum ein Job ohne ihn sich zuerst mit einem Praktikum ersessen zu haben!
Branche: Praktikums als Trainerin in der Erwachsenenbildung
Ich bin Juristin mit abgeschlossener Lehre für Grosshandel, ich habe langjährige Erfahrung im einzelhandel und in der innerbetrieblichen Fortbildung und Lehrlingsausbildung; ich habe im April 2009 eine Fortbildung als Diplomtrainerin für Wirtschafts- und Sozialkompetenz gemacht. Das AMS verlangt von Trainern eine Vielzahl an Qualifiaktionen und vor allem Trainingserfahrung (im AMS - Bereich!) von 500 Stunden. Damit diese Voraussetzung erfüllt werden kann, bieten einem die Trainingsinstitute dann ein 12- Wöchiges unbezahltes Praktikum an um danach für sie zu einem mageren Stundensatz von 13,- netto vor Lohnsteuerabzug auf "freier Dienstvertragsbasis" arbeiten zu dürfen. Ich habe 2 Kinder in Kindergarten und Volksschule (Betreuungskosten!!!!), stehe mitten im Leben, bin Akademikerin mit viel guter Berufserfahrung, ich empfinde so ein "Praktikum" als puren Hohn!
Branche: Marketing, Kommunikation
Die Tätigkeiten waren teilweise interessant, auch über das Arbeitsklima kann ich mich nicht beschweren. Der Monatslohn betrug jedoch nur 100 € bei 40 Wochenstunden. Außerdem kann man nicht wirklich sagen, dass wir "Praktikanten waren" - Praktikanten sind im Betrieb, um zu lernen und ein bisschen mitzuhelfen - hier bestand aber beinahe die ganze Belegschaft aus "Praktikanten" mit einem Nettoverdienst von 100 €/Monat.
Branche: Werbeagentur
Dauer: 6 Monate
Die Arbeit war interessant und spannend. Allerdings habe ich sicher gleich viel gearbeitet wie meine Kollegen und trotzdem nur eine "Praktikumsentschädigung" von 500,- Euro erhalten. Von Monat zu Monat habe ich gehofft, dass mir der Chef mitteilt, dass ich fix übernommen werde, aber das warten war vergeblich. Nach sechs Monaten habe ich aufgegeben und konnte mir das niedrige Einkommen auch nicht mehr leisten.
Hat selbst kein Praktikum bekommen
Guten Tag!
Ich habe selbst kein Praktikum gemacht, aber ich habe nach dem Studium lange keinen Job gefunden und arbeite auch jetzt unter meiner Qualifikation. Ich wollte im Verlagswesen oder der Lehre arbeiten und habe das Gefühl, daß die Bereitschaft der Unternehmer, Leute einzustellen durch das Praktikums(un)wesen bedeutend verringert wird. Oft sind nicht einmal unbezahlte Praktika zu bekommen. Vielleicht sind an der Misere auch die Schuld, die sich ausnutzen lassen und darauf spekulieren, durch das Praktikum gute zukünftige Berufschancen zu erwerben. Aufklärung täte not....
Branche: Freiwilliges Soziales Jahr in einem Senioren- und Pflegeheim
Der folgende Text ist ein Leserbrief, der im Juni 2007 in den Vorarlberger Nachrichten veröffentlicht wurde:
Als Maturantin, so dachte ich, stehen mir alle Wege offen, doch im letzten Jahr musste ich erfahren, dass diese oft sehr steinig sind. Weil ich Sozialarbeit studieren möchte, bewarb ich mich nach meiner Reifeprüfung an der FH Dornbirn, bekam aber aufgrund mangelnder Berufserfahrung keinen Studienplatz. Statt dessen wurde mir eine Broschüre über das „Freiwillige Soziale Jahr“ zugesandt. Da man ohne diese Praxis offenbar kaum eine Chance auf einen Ausbildungsplatz hat, entschied ich mich, ein solches zu absolvieren. Seit September arbeite ich nun mit großem Engagement in einem Seniorenheim. Bei 40 Wochenstunden beträgt mein monatliches Gehalt € 275. Familienbeihilfe und Alleinverdienerabsetzbetrag entfallen, da dieses Jahr offiziell nicht zu meinem Ausbildungsweg gehört, obwohl meine Mutter unterzeichnen musste, dass sie selbstverständlich für meine Kost und Logis aufzukommen hat.
Das diesjährige Aufnahmeverfahren an der FH Dornbirn bestand aus einer „Arbeit in Kleingruppen“, in der uns eine Zigarettenschachtel auf den Tisch gelegt wurde mit der Anweisung, daraus innerhalb von 35 Minuten ein Theaterstück zu gestalten und aufzuführen. Auf diese Weise sollten Team- und Empathiefähigkeit, sowie soziale Grundkompetenz eines jeden beurteilt werden. Diese Aufgabe wurde von uns offenbar nicht zufriedenstellend bewältigt, denn ich erhielt erneut eine Absage ohne die Möglichkeit, mich in einem kommissionellen Interview vorzustellen. Glücklicherweise hatte ich mich diesmal auch an der FH Innsbruck beworben, wo ein schriftlicher Eignungstest, sowie ein obligatorisches Gespräch zum Procedere gehören. Dort bekam ich auch einen Studienplatz, obwohl die Anzahl der Interessenten höher und die Aufnahmekapazität ebenfalls beschränkt ist. Der Umzug nach Innsbruck stellt nun für uns eine große finanzielle Herausforderung dar. Es wäre momentan sinnvoller, wenn ich über die Sommermonate irgendwo arbeiten könnte, wo ich mehr als € 1,80 pro Stunde verdiene. In den Kursen sind immer wieder Fragebögen auszufüllen, in denen steht, ob ich mich wieder für ein „Soziales Jahr“ entscheiden würde und ob ich es nicht auch als eine einmalige Chance für junge Menschen sehe, um herauszufinden, was sie mit ihrem Leben anfangen möchten. Mich empören und frustrieren diese Fragen, denn ich habe genau gewusst, was ich will, und dafür wurde ich ein Jahr lang als billige Arbeitskraft ausgenutzt.
Branche: Sozial- und Berufspädagogik
hallo, ich find`s gut, dass in diesem bereich endlich gut hingeschaut wird.
ich möchte darauf hinweisen, dass es auch viele(durchaus ältere)menschen gibt, die ein praktikum im rahmen einer ausbildung oder umschulung bzw. neuqualifizierung im rahmen einer ams- maßnahme absolvieren müssen.
ich bin 41 und in der ausbildung zur sozial- und berufspädagogin. dabei sind 120 praktikumsstunden vorgeschrieben, ich mache viel mehr im rahmen einer ams- maßnahme. dafür gibt es keinerlei bezahlung. manchmal ist es fein und du kannst viel lernen, aber öfter wirst du ausgenutzt und nicht sehr fein behandelt.
Branche: Medizinische Masseurin
Dauer: 800 Stunden
Ich arbeite derzeit in einem Ambulatorium und übe dieselbe Tätigkeit wie die Angestellten Masseure aus (selbständige Ausführung verschiedenster Therapien) -sprich die Firma profitiert von meiner Arbeit . Dennoch ist dieses verpflichtende Praktikum über 800 Stunden , unbezalht, und ich bin auch nicht vrwsichert - darum müsse man sich selbst kümmern . Weiters wurde mir empfohlen eine Haftpflichversicherung anzuschließen die mir weitere 75 Euro kostet. Arbeitsklima un Arbeitszeiten sind zufriedenstellend , nur in finazieller Hisicht fühle ich mich ausgenützt!!!
Branche: Eventorganisation
Hallo birgit. vielleicht kannst du dich noch aus salzburger Grünzeiten an mich erinnern. Ich bin von der "anderen" Seite. sprich Arbeitgeber und habe leider schon meine dritte leidvolle Erfahrung in der anderen Richtung gemacht. mit nachträglich richtig abwegigen Forderungen durch die AK die es mir verleiden ein "großzügiger" chef zu sein. Ich denke die AK Rechtsabteilung mit ihren Gratismusterprozessen machen sehr viel kaputt zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern.
Branche: Journalismus
Ich habe noch nie ein Praktikum gemacht, dass mir nichts gebracht hätte. Und ausbeutend war das auch nicht.
Branche: Werbung
Dauer: 3 Monate
Arbeitszeit: Mo- Do 09:30 - 18:00, Fr: 09:30 - 15:00 Es wurde allerdings auch mal 24:00 Uhr oder meist eine Stunde länger. Freitags meist bis 17:00 Uhr.
Tätigkeit: Grafikdesigner (selbe Tätigkeit wie ein Fixangestellter Grafikdesigner - kein Unterschied)
Entlohnung: 370 Euro Netto (ohne Urlaubsanspruch), Wohnung wurde nicht gestellt, und musste selbst bezahlt werden.
Ist in der Werbebranche gang und gebe das man ausgenutzt wird, und das bei den besten Werbeagenturen wo Millionen Etats haben. (Draftfcb, TBWA, Jung von Matt, Demner Merlicek Bergmann, Young und Rubicam etc...)
Branche: Journalismus/Redaktion
Dauer: ca. 1 Monat
Arbeitszeit: Mo- Fr 09:00 - 18:00, manchmal auch locker bis 21:00 Uhr
Tätigkeit: Grafik- und Webdesignerin
Entlohnung: 250 Euro Netto
Nach meinem Germanistik-Studium musste ich erstmal Beruferfahrung sammeln. Und das geht nun mal leider nur über ein Praktikum. Da mich Medien schon immer interessiert haben, bewarb ich mich bei einem privaten Fernsehsender um ein Praktikum in der Redaktion. Das Praktikum habe ich bekommen, aber von redaktioneller Arbeit war keine Rede. Statt dessen landete ich irgendwie in der Grafik-Abteilung und musste Bildchen zuschneiden, Untertitel-Namen von Talkshow-Gästen eintippen, und wurde tagtäglich quer durch den Laden gescheucht, um irgendwem irgendwelche Dokumente zu bringen,Botendienst quasi. Was alles noch nicht ganz so schlimm war, wären da nicht diese Chauvi- Chefs gewesen. Die unterhielten sich über "Weiber" und deren äußeren Vorzüge völlig unverblühmt, über die "feschen Pupperln" vom Empfang oder die Oberweite der neuen blonden Marketing-Assistentin.Gegrüßt wurde man als Praktikantin übrigens nicht. Musste sich Sprüche anhören wie "die ist nur Praktikantin." Leider waren die Frauen im Team nicht viel besser (bei dem Arbeitsumfeld wird man wahrscheinlich so...), indem sie einen auf unnahbar und giftig allen neuen gegenüber machten oder genervt waren, wenn ich mal eine Frage gestellt hab (was ja als Praktikantin durchaus normal ist). Nach 3 Wochen hatte ich die S**** derart voll, dass ich einfach gegangen bin. Wie gesagt, das hier ist meine ganz persönliche Erfahrung. Was nicht heißen soll, dass es überall so ist! Mein Fazit: Nix praktisches gelernt, aber viel fürs Leben.
Branche: IT
Arbeitszeit: Mo- Sa 09:30 - 18:00, oft lange am Wochenende
Entlohnung: 200 US-Dollar, Wohnung wurde gestellt
Ich habe heuer im Sommer ein Praktikum in Texas gemacht. Bei einer Firma, die 3D Software vertreibt und 3D-Scans macht. Das war natürlich alles sehr aufregend, meine Kollegen waren superfreundlich. Na ja, eigentlich waren wir insgesamt nur zu dritt. Das machts natürlich einfacher. Aber ich hab ganz schön viel arbeiten müssen, manchmal auch am Samstag bis am Nachmittag. Bezahlt hab ich fast gar nichts bekommen, dafür hab ich gratis wohnen können. Vom dem, was ich gelernt hab, würd ich sagen, ich hab ziemlich Glück gehabt. Aber es ist schon auch frustrierend, wenn man fürs Arbeiten noch Geld ausgeben muss.