Die Grünen vermuten, dass der Beschaffungsvorgang zu neuen gepanzerten Mehrzweckfahrzeugen manipuliert worden ist. Demnach soll die Ausschreibung zum Ankauf von 150 Iveco mit einem Auftragsvolumen von rund 100 Mio. Euro auf genau dieses Fahrzeug zugeschnitten gewesen sein, erklärte Grünen-Sicherheitssprecher Peter Pilz am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Er forderte eine parlamentarische und gerichtliche Aufklärung. Außerdem sollten für Beschaffungen zuständige Beamte künftig ihre Vermögenszuwächse deklarieren müssen.
Systematische Manipulation
"Wie ist das möglich, dass es im System Darabos offenbar systematische Manipulation bei der Beschaffung gibt?" meinte Pilz mit Verweis auf den unlängst aufgetauchten Korruptionsverdacht bei der Beschaffung von Allschutz-Transportfahrzeugen (Dingo, Anm.) Laut dem Abgeordneten ist die technische Leistungsbeschreibung für die Beschaffung des kleineren Mehrzweckfahrzeuges genau so gestaltet, dass nur ein einziger Anbieter alle Muss-Kriterien erfüllt. "Wir gingen die Leistungsbeschreibung Punkt für Punkt durch. Das Ergebnis ist eindeutig, es gibt nur ein Produkt, das alle Forderungen erfüllt", so Pilz.
Dies sei eine "Manipulation und Schiebung" zugunsten eines Anbieters. Verantwortlich hierfür seien die Leiter der Fahrzeug- und Gerätetechnik sowie der kaufmännischen Abteilung. "Das werden sich der Minister (Norbert Darabos, Anm.) und die Staatsanwaltschaft anschauen müssen", forderte der Sicherheitssprecher und kündigte an, die Unterlagen der Korruptionsstaatsanwaltschaft zu übergeben. Er kritisierte auch, dass es sich um keine offene, sondern eine beschränkte Ausschreibung gehandelt habe. Demnach seien insgesamt nur vier Firmen geladen gewesen. Drei davon schieden "gleich wieder" aus, nachdem sie nicht sämtliche Muss-Anforderungen erfüllt hatten.
"Deklarationspflicht" für Beamte
Laut dem Grünen-Politiker sind bei Korruption in Österreich vier bis fünf Prozent des Auftragsvolumens für die Lobbyisten üblich: "Man kauft immer das teuerste Produkt, weil es da am meisten zu verteilen gibt." Er forderte deshalb, dass es ähnlich wie in anderen Ländern eine "Deklarationspflicht" für Beamte im Beschaffungswesen gibt, was ihre Vermögenszuwächse betrifft. Bei Verstößen sollen Haftstrafen drohen, so Pilz. Auch solle sich der Verteidigungsminister die Lebensumstände der Verantwortlichen ansehen. So würden derartige Deals oft auf Kreuzfahrten gemacht, meinte Pilz. Die Unterlagen zum Iveco-Auftrag seien den Grünen von "jemandem, der direkt mit dem Beschaffungswesen" zu tun hat, ins Büro gebracht worden.