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17.02.2012 13:38

Defekte Brustimplantate - Weiteres Produkt mit Industriesilikon

Der Skandal um die mit gefährlichem Industriesilikon gefüllten Brustimplantaten des französischen Herstellers Poly Implant Prothese (PIP) könnte um eine Facette reicher werden:


Wie wir Grüne am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien berichteten, ist neben den bekannten PIP-Implantaten und Implantaten mit dem Namen "TiBREEZE" auch ein Medizinprodukt unter dem Namen "Titanium" betroffen. Vonseiten der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) wird der Fall nun geprüft.

"Frauen, die ein Implantat mit dem Produktnamen 'Titanium' eingesetzt bekamen, wissen noch gar nicht, dass auch sie zum Kreis der Betroffenen mit einem PIP-Implantat gehören", kritisierte unsere Frauensprecherin Judith Schwentner. Man werde herausfinden, ob das Implantat "Titanium" in Österreich verwendet wurde und wenn ja wo, sagte Marcus Müllner, Bereichsleiter PharmMed in der AGES auf APA-Anfrage. Und man werde prüfen, ob es mit diesem Medizinprodukt Probleme gab.

"Warnungen nicht aktualisiert"

Bereits im November 2004 wurde die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic vor den Produkten "TiBREEZE" und "Titanium" gewarnt, weil der deutsche und der französische Hersteller die notwendigen klinischen Studien nicht vorgelegt hatten. Im Jänner 2012 sei die Sicherheitswarnung zu PIP dahingehend ergänzt worden, dass auch die titanbeschichteten Brustimplantate mit dem Produktnamen "TiBREEZE" von der Firma GfE Medizintechnik ebenfalls Produkte von PIP sind. Um den Produktnamen "Titanium" seien diese Warnungen jedoch nicht aktualisiert worden, sagte Schwentner.

"Im Rahmen der Regierungsverhandlungen wurde vereinbart, dass es im Bereich der Regelung von Schönheitsoperationen Handlungsbedarf gibt", erklärte die Grüne Politikerin. "Das Regierungsübereinkommen stammt aus dem Jahr 2008, jetzt haben wir 2012 und es ist nichts passiert." Schwentner kritisierte die "zögerliche Information" des Gesundheitsministeriums und der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) nach Bekanntwerden des Skandals. Die AGES sei ihrer Kontrollverpflichtung nicht nachgegangen. "Der Bereich Schönheitsoperationen ist ein Sumpf an Fehlinformationen, Versäumnissen, Missinformationen und ein Wildwuchs, der jetzt explodiert ist", sagte Schwentner.

"Nur Spitze des Eisberges"

Bisher seien weder auf europäischer noch auf nationaler Ebene konkrete Maßnahmen zur besseren Regelung umgesetzt worden. Der Skandal um die Brustimplantate sei "nur die Spitze des Eisberges" und ein Beweis, "dass einiges im Argen liegt".

Schwentner appellierte an Gesundheitsminister Alois Stöger (S), die angekündigte Gesetzesnovelle rasch vorzulegen. "Ein Gesetz soll es bis zum Sommer geben", sagte Sigrid Rosenberger, Pressesprecherin des Gesundheitsministers.

Die Grünen forderten zudem ein verpflichtendes Implantatsregister, um eine Nachverfolgbarkeit zu garantieren. Medizinproduktehersteller sollten strenger und unangekündigt kontrolliert werden. Ein EU-weiter Solidarfonds, in den diese einzahlen müssen, soll betroffenen Patienten schnell und unbürokratisch helfen.

 

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