Judith Schwentner präsentierte heute den Frauenbericht 2010. Der rund 60 Seiten starke Bericht steht diesmal unter dem Motto "Raus aus der Krise".
Zentrales Thema ist heuer die Aufwertung der Teilzeitarbeit. So soll in Anlehnung an das deutsche Modell, ein Rückkehrrecht in die Vollzeit gesetzlich verankert werden. Die Frauen-Teilzeitquote lag zuletzt bei rund 43 Prozent und 90 Prozent der Teilzeitbeschäftigten in Österreich sind Frauen. "Das ist leider eine vermeintlich selbst gewählte. Die Umstände treiben die Frauen in die Teilzeit", zudem stehe diese Form der Arbeit oft für "niedrige Qualifikation", kritisierte Schwentner. "Ich plädiere deshalb, sich das Modell aus Deutschland genau anzusehen", so die Abgeordnete. Dieses sehe unter anderem ein Recht auf die Rückkehr in die Vollzeit vor. "Diese Form von Flexibilität gibt es bei uns nicht", stellte Schwentner fest.
Schwentner weist darauf hin, dass die Wirtschaftskrise zwar zuerst traditionelle Männer-Branchen betroffen hatte, die Auswirkungen nun jedoch für immer mehr Frauen zu spüren sind. Die Frauenarbeitslosigkeit steige und von dort sei der Weg in die Armut ein kurzer. Ein drittes Konjunkturpaket, für Investitionen im Sozialbereich, sei deshalb notwendig.
Im Bericht wird auch die "Gehaltsschere" thematisiert. Demnach verdienen Frauen noch immer 25,5 Prozent weniger als Männer. "Das hat sich in den letzten Jahren überhaupt nicht verändert", so die Mandatarin. Die anonyme Offenlegung der Einkommen sei zwar eine Möglichkeit als Beitrag zu mehr Transparenz, dennoch aber "eher zahnlos", meinte sie.
Schwentner kritisierte, dass die Regierung seit 15 Jahren keinen Bericht über die aktuelle Situation der Frauen in Österreich erstellt: "Eigentlich sollte der Frauenbericht der Regierung alle zehn Jahre erscheinen. Doch seit 15 Jahren hat es keine Neuauflage mehr gegeben." Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (S), die zu den genderspezifischen Aspekten der Finanz- und Wirtschaftskrise bisher geschwiegen habe, wird der grüne Frauenbericht übermittelt, kündigte Schwentner an.