Die neue EU 2020-Strategie, Strategie für Beschäftigung und intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum, löst die 2010 auslaufende Lissabon Strategie ab. Diese Strategie soll durch Stimulierung von Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität, Wachstum, sozialen Zusammenhalt und wirtschaftlicher Konvergenz vor allem ein „Weg aus der Krise“ sein. Bereits in der Lissabon-Strategie bildeten diese Ziele die zentralen Handlungsleitlinien. Zum Erfolg haben sie nicht geführt, vielmehr haben sie die Wirtschaftskrise verstärkt. Ein notwendiger Kurswechsel mit einer stärkeren Orientierung an sozialen und umweltpolitischen Zielsetzungen zur Bewältigung der bestehenden Herausforderungen in den nächsten 10 Jahren ist nicht in Sicht.
Inhalt:
Im Jahr 2000 stellte die Lissabonstrategie einen Meilenstein im Kampf um ein sozialeres, ökologischeres, ja politischeres EU-Europa dar. Über die Strategie wurden erstmals klare in Zahlen gegossene politische Zielsetzungen („Quoten“) in den Bereichen Beschäftigung/Soziales und Umwelt definiert und mit der Wirtschaftspolitik versucht zu verknüpfen, was auch als „magisches Dreieck“ bezeichnet wurde. Doch schon bald zeigte sich, dass das 2000 proklamierte „magische Dreieck“, die Gleichbehandlung ökonomischer, sozialer und ökologischer Zielsetzungen nur auf dem Papier bestand. Denn im Gegensatz zur EU-Wirtschafts- und Währungspolitik waren die gemeinsamen Ziele im Bereich Soziales, Beschäftigung und Umwelt nie verbindlich für die Mitgliedsstaaten, da diese Bereiche nach wie vor zu einem Großteil in der alleinigen Kompetenz der Mitgliedsstaaten liegen.
Letztlich konnten alle wesentlichen im Jahr 2000 formulierten Zielsetzungen in den Bereichen Beschäftigung, Soziales und Umwelt in den meisten Mitgliedsstaaten nicht erreicht werden und die weitere Binnemarktliberalisierung fand immer stärker auch auf Kosten von Arbeits-, Sozialrechten und ökologischer Modernisierung statt. Eine mit der Wirtschafts- und Währungsunion verbundene strenge Budgetpolitik (Stabilitätspakt) verhinderte wesentliche Investitionen in die Bereiche Bildung, aktive Arbeitsmarktpolitik und Umweltpolitik in den Mitgliedsstaaten.
Trotz quasi Scheitern und massiver Kritik an der Lissabon Strategie halten Kommission und Europäischer Rat am eingeschlagenen Weg fest. Als Zielsetzungen der Strategie werden die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, der Produktivität und des europäischen Wachstumspotenzials genannt. Schlüsselbereiche dafür sind: Wissen und Innovation stärkere ökologische Ausrichtung der Wirtschaft, hohes Beschäftigungsniveau und soziale Eingliederung.
In den fünf Bereichen Beschäftigung (1), Forschung und Entwicklung (2), Energie und Klima (3), Armuts-
bekämpfung (4) und Bildung (5) legte der Europäische Rat im März und Juni 2010 konkrete quantitative Ziele fest, die die Richtschnur für das Handeln der Mitgliedstaaten und der Union bilden. Diese sind:
Mehrere Staaten, darunter z.B. Deutschland, hatten sich zunächst gegen Vorgaben von Seiten der EU für die Armutsreduzierung und für Bildungsziele ausgesprochen. . Letztendlich konnte beim Europäischen Rat im Juni 2010 eine Einigung erzielt werden. Derzeit arbeiten die Mitgliedsstaaten an ihren nationalen politischen Umsetzungsprogrammen.
War die politische Bedeutung der Lissabonstrategie – zumindest noch zur Zeit ihrer Verabschiedung – von der Idee nach einem sozialeren und ökologischeren Europa, und einer stärkeren Zusammenarbeit auf EU-Ebene in diesen Bereichen geprägt, so ist die EU 2020 von Anfang an eine reine Wirtschafts- und Krisenstrategie, die jedoch kaum etwas an der Wirtschafts- und Finanzpolitik ändert, die in diese Krise geführt hat. Der Wille, der nationalen RegierungschefInnen in den Bereichen Soziales und Umwelt zusammenzuarbeiten ist heute geringer geworden, die größten Probleme werden weniger in sozialer Ungleichheit, Ausgrenzung und Arbeitslosigkeit gesehen als in Budgetdefiziten und zu geringem Wachstum.
Verantwortlich für den Inhalt: Mag.a Ulrike Lunacek, Europaabgeordnete, Mag.a Ines Hofbauer und Mag.a Monika Feigl-Heihs.