
Wenn auch ein wenig verspätet, haben wir am Dienstag Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll (V) in Sachen Bildungspolitik benotet - und wenig überraschend zum schwarzen Fünfer gegriffen. "Einser" vergab unser Bildungssprecher Harald Walser nur in Fächern wie "Besitzstandswahrung", "Betonieren und angewandte Blockade", "Obstruktions- übungen" und "Vererbungslehre Bildungsschicht".
Bei einer Pressekonferenz forderte Walser stattdessen einen "New Deal", der Investitionen in Gebäude sowie die Einstellung von 1.000 zusätzlichen Lehrern statt eines Abbaus von Pädagogen umfasst.
Da wir bekanntlich gegen Zeugnisse nur mit Ziffernnoten sind, gab es auch verbale Beurteilungen für "Pröll junior" wie "Der Schüler ist mit dem zu bewältigenden Stoff sichtlich überfordert und wird um individuelle Förderung nicht herumkommen. Auch Hilfe aus dem familiären Umfeld, z.B. seitens eines an der Thematik sehr interessierten Onkels, wäre u.U. hilfreich".
Statt in den kommenden Jahren 1.000 LehrerInnen abzubauen, sollten 1.000 PädagogInnen eingestellt werden, forderte Walser. Dies würde anfangs rund 38 Mio. Euro pro Jahr kosten, könne aber durch Einsparungen in der Verwaltung locker wieder hereingespielt werden. IHS und Wifo hätten dafür ein Mindesteinsparpotenzial von 110 Mio. Euro errechnet. Mit einer einheitlichen Schulverwaltung durch eine gemeinsame Schule statt vier verschiedener Schultypen im Mittelschulbereich (AHS-Unterstufe, Hauptschule, Neue Mittelschule, Sonderschule), der Abschaffung der Bezirksschulräte sowie mehr Schulautonomie samt Globalbudget für die einzelnen Schulen käme das Geld wieder herein.
Dazu kämen noch mögliche Einsparungen bei den volkswirtschaftlichen Kosten des Sitzenbleibens in Höhe von 300 Mio. Euro jährlich. Österreich habe eine Repetentenquote (Quote der Sitzenbleiber) von 3,6 Prozent, Länder mit einem fortschrittlichen Schulsystem mit Finnland dagegen nur von 0,4 Prozent, so Walser.
Deshalb müsse auch die Umsetzung einer gemeinsamen Schule bis 14 angegangen werden, betonte unser Bildungssprecher - und zwar sofort, "wenn wir nicht wollen, dass Sechs-, Sieben- und Achtjährige mit Nachhilfe traktiert werden, weil sie mit neuneinhalb ein Superzeugnis haben müssen". Unbedingt nötig seien auch Investitionen in die Schulgebäude, "aber nicht nur äußerlich". Es gehe auch um einen pädagogisch sinnvollen Umbau der Räumlichkeiten, durch den Ganztagsbetreuung möglich und Platz für Lehrer-Arbeitsplätze geschaffen werde.